Ich will unbedingt wiederkommen, das ist der Gedanke, der nach ein paar Tagen in Graz bei mir durch den Kopf schallt. Vielleicht habe ich sogar geschaut, was Mietwohnungen in Graz kosten und vielleicht habe ich schon eine Liste mit Graz Sehenswürdigkeiten, Ausflügen und Restaurants für Besuch Nummer zwei, drei und vier erstellt. Ich kann also mit selbstbewusster Sicherheit sagen: Graz hat mich begeistert.
Die tolle Gastro, die Mischung aus Moderne und wunderschönen Renaissancebauten, die Tatsache, dass das Grün immer nur ein paar Minuten entfernt liegt und der spezielle Graz-Vibe – genau mein Ding. Letzterer fühlt sich wie ein Mix aus Berliner Kurfürstendamm-Schickeria und studentischem Campusleben an – aber eben in harmonisch gemischt. Besser kann ich es nicht beschreiben, du musst es einfach erleben.
Damit du angesichts der vielen Möglichkeiten bei deinem ersten Graz Besuch nicht überfordert bist, möchte ich dir mit diesem Artikel eine erste Orientierung bieten. Dich erwarten Sehenswürdigkeiten, tolle Grazer Restaurants, kleine Wanderungen und Ausflüge.
Viel Spaß beim Entdecken der Region Graz zwischen Sonnenaufgängen auf 1.445 Metern und den Renaissance-Innenhöfen mit Italo-Flair.
Graz auf einen Blick: Was macht die Stadt besonders?
- Graz ist die zweitgrößte Stadt Österreichs und die Hauptstadt der Steiermark.
- Die historische Altstadt gehört seit 1999 zum UNESCO-Welterbe, 2003 war Graz Europäische Kulturhauptstadt und seit 2011 gehört die Stadt als UNESCO City of Design zum Creative Cities Network.
- Graz ist die GenussHauptstadt Österreichs. Von Bauernmärkten mit regionalen Produkten bis zur Sterneküche – Graz bietet eine unglaubliche Dichte an Gaumengenüssen.
- Ca. 20 % der Einwohner von Graz sind Studenten. Zum Vergleich: in Wien sind es knapp 10 % und in Berlin unter 5 %.
- Graz hat 17 Stadtbezirke: Der zentralste heißt “Innere Stadt”. Das ist zugleich der kleinste Stadtbezirk.
- Graz ist eine grüne Stadt: ein großer Teil des Stadtgebiets ist Grünraum, auch Ausflüge führen dich schnell ins Grüne.
- Der Grazer Hausberg heißt Schöckl und ist 1.445 Meter hoch, perfekt zum Wandern.
Graz Sehenswürdigkeiten: meine Highlights in der Altstadt
Das erste Mal in Graz? Dann musst du dir selbstverständlich die Altstadt anschauen, sie liegt zentral im Bezirk “Innere Stadt”. Das älteste Gebäude ist übrigens der Reinerhof.
Innenhöfe in der Altstadt: einfach mal neugierig sein
Mein erster Tipp klingt fast zu simpel: Lauf los, sei neugierig, achte auf Details und gehe hinein.
Die Innere Stadt ist kompakt und lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Herrengasse, Hauptplatz, Mehlplatz und Glockenspielplatz kannst du problemlos miteinander verbinden. Viel spannender fand ich aber, immer wieder von den Hauptwegen abzubiegen oder durch ein geöffnetes Tor zu schauen. Den Tipp hat mir Stadtführerin Claudia gegeben und der ist Gold wert.
Denn hinter den Fassaden verstecken sich zahlreiche Innenhöfe, offiziell gibt es in Graz mehr als 50 davon. Einige öffentlich, andere privat. Wenn man in sie hineintritt, stellt sich ein Gefühl ein, das mich an die Riads von Marrakesch erinnert. Draußen ist die Welt schnell, Menschen sind auf dem Weg von A nach B, Stimmen und Verkehr werden zum Dauerrauschen der Straßen, drinnen herrscht idyllische Ruhe. Als wäre man mit wenigen Schritten in eine ganz andere Welt abgetaucht, als hätte man eine große Tür geschlossen.
Besonders sehenswerte Innenhöfe in Graz sind:
- der Landhaushof
- Generalihof (Herrengasse 9)
- Herzoghof
- begrünter Innenhof der Franziskanerkloster Pfarre Maria Himmelfahrt
Glockenspielplatz
Wenn du sowieso durch die Altstadt schlenderst, kannst du deinen Weg so planen, dass du um 11, 15 oder 18 Uhr am Glockenspielplatz vorbeikommst. Dann öffnen sich die Fenster im Giebel und ein Trachtenpärchen dreht sich zu drei Melodien der 24 Glocken. Fünfmal im Jahr werden die Melodien gewechselt – ein Besuch lohnt sich also immer wieder.
Doppelwendeltreppe in der Grazer Burg
Ein kurzer Stopp, den ich gerade Fotofans und Verliebten empfehlen würde, ist die Doppelwendeltreppe in der Grazer Burg. Zwei gegenläufige steinerne Treppenläufe trennen sich, treffen wieder aufeinander und laufen erneut auseinander. Architektonisch spannend und ein einmaliges Motiv. Die sogenannte Versöhnungsstiege stammt aus der spätgotischen Epoche und ist kostenlos zugänglich. Für Paare ist es ein romantischer Ort, sie laufen einmal auf und ab und küssen sich auf den gemeinsamen Treppenabsätzen.
Schlossberg und Uhrturm: der Klassiker mit der besten Aussicht
Ja, der Schlossberg mit Uhrturm gehört zu den offensichtlichsten Graz-Tipps, im doppelten Sinne. Zum einen thront er über der Stadt und ist ein markantes Wahrzeichen, zum anderen wirst du ihn in jeder Graz-Sehenswürdigkeiten-Liste finden. Zu Recht! Denn er bietet einen herrlichen Ausblick auf Graz und die umliegenden Berge.
Zwei Fakten finde ich über den Schlossberg besonders spannend:
- Der Schlossberg war einst pompöser bebaut, dafür gar nicht begrünt. Nachdem Napoleon es nicht schaffte, ihn einzunehmen, vereinbarte er im Wiener Vertrag, dass diese für ihn so beschämende Burg abgerissen werden musste. Man verhandelte jedoch, dass der Uhrenturm stehen bleiben durfte. Die Grazer haben sich dann später gedacht, dass der kahle Berg ein Glow-Up verdient hätte und schleppten tonnenweise Erde an, um anschließend die Begrünung zu beginnen.
- Die Uhrzeiger des Uhrturms sind vertauscht. Das liegt schlichtweg daran, dass man früher keinen Minutenzeiger benötigte und diesen nachrüstete. Die Uhr geht richtig, aber du musst umdenken, wenn du sie lesen möchtest.
UNESCO City of Design: Sehenswürdigkeiten der modernen Architektur
Ich liebe den Kontrast, den die Altstadt und die modernen Gebäude erzeugen. Schaue dir also nicht nur die Altstadt, sondern auch unbedingt einige Architektur-Juwele an. Gebäude, die du unbedingt in deine Stadttour einplanen solltest, sind:
- Der “Friendly Alien”: So nennen Grazer liebevoll das Kunsthaus Graz, welches eine organische blaue Form hat und ganz unterschiedliche Interpretationen auslöst. Es lohnt sich, das Gebäude sowohl von Nahen als auch aus der Ferne zu betrachten.
- Wenige Schritte entfernt liegt die Murinsel, eine im Wasser liegende Plattform, die die beiden Uferseiten miteinander verbindet.
- Auch das ARGOS – ein Apartmenthaus – sticht mit seiner Architektur heraus. Der Name deutet auf die Optik hin, denn Argus ist ein Riese aus der griechischen Mythologie, der hunderte Augen am Körper trägt und immer wachsam ist.
Noch mehr spannende Architekturspots und Routenvorschläge zum Erkunden findest du im Graz Architektur Flyer.
Graz als GenussHauptstadt: Meine Foodie-Tipps
Kommen wir zu meinem Lieblingsthema: Kulinarik.
Mann Graz, du hast mich mit deinen Aromen direkt um den Finger gewickelt.
Bereits seit 2008 trägt die Stadt Graz den Titel “Österreichs GenussHauptstadt”, das hat mich angelockt. Doch Taten zählen bekanntlich mehr als Worte, ein Titel allein reicht nicht. Für Graz gar kein Problem. Spätestens nach dem besten Kaiserschmarrn in vielen Jahren (Mohrenwirt), frischen Sharing Plates mit Gemüse aus Papas Garten (Kabuff) und steirischen Kürbiskernöl hat mir die Stadt bewiesen, dass sie hält, was sie verspricht. Das zwischen Graz und mir hat also Potenzial für eine lange Liebschaft der Gaumenfreuden.
Typisch Graz – diese steirischen Spezialitäten musst du probiert haben
Graz liegt in der Steiermark, dem grünen Herzen Österreichs. Die landschaftliche Diversität dieser Region bietet unglaubliche Vorteile für die Landwirtschaft und bringt einige kulinarische Schätze hervor. Am bekanntesten ist sicherlich das steirische Kürbiskernöl. Was du sonst noch probieren solltest:
- Brettljause: Aufgeschnittene Käse- und oder Wurstspezialitäten aus der Region
- Frisch geriebener Kren: Geriebener Meerrettich wird oft auf Jausenbrettern serviert, weil er perfekt zum Schinken passt
- Grazer Krauthäuptel: knackiger Salat mit süßlichem Geschmack
- Käferbohnensalat: große schwarze Bohnen gemischt mit Kürbiskernöl, Zwiebeln und Schnittlauch
- Saures Rindfleisch: gekochtes mageres Rindfleisch mit Essig und meist Kürbiskernöl
- Sturm: in Deutschland sagen wir Federweißer. Gemeint ist der erste Wein der Saison. Er gärt noch, ist daher sehr süß und hat bereits Alkohol.
- Steirisches Backhendl z.B. besonders gut bei DER STEIRER
Bauernmärkte – schlendern & schlemmen
In Graz gibt es an die 20 Bauernmärkte. Sie sind der beste Spot, um frische regionale Lebensmittel einzukaufen. Zwar braucht man als Reisende mit Hotelübernachtung selten Paprika und Co., aber die Märkte bieten deutlich mehr als frisches Gemüse. Steirisches Kürbiskernöl beispielsweise – und das muss unbedingt mit nach Hause – aber auch weitere Spezialitäten aus der Region Graz. Darüber hinaus findest du oft auch kleine Bistros und Stände mit warmen Gerichten.
Frühstückstipps in Graz
Martin Auer – in Graz zu Hause, in New York gehypt
Wenn du ein richtig gutes Sauerteigbrot und süße Teilchen zum Frühstück möchtest, heißt die beste Adresse Martin Auer. Bereits in dritter Generation wird hier Brot gebacken. Wenn du jetzt an eine klassische, irgendwie etwas muckelige Bäckerei denkst, liegst du allerdings falsch. Das Handwerk ist traditionell, doch das Geschäft hat Martin Auer wieder trendy gemacht. So findest du heute sage und schreibe 31 Filialen in der Region Graz. Seit 2025 gibt es mit RYE sogar eine Dependenz in New York. Man kann wohl sagen: Diese Bäckerfamilie hat es geschafft und das ginge nicht ohne ausgezeichnete Qualität.
Operncafé – hier werden alle glücklich
Beim Betreten des Operncafés wird schnell klar, warum es so beliebt ist: Die Einrichtung ist zugleich gemütlich und auch stilvoll. Eine Mischung aus Samt und Dschungel-Vibes. Auch die Speisekarte bietet Diversität. Zum Frühstück kannst du kulinarisch eine Reise von England über Wien bis in mediterrane Gefilde unternehmen. Dazu kommen Pancakes, Eiergerichte und auch eine Fisch-Etagère. Hier wird wirklich jeder fündig.
Die besten Coffee Spots in Graz
Als Coffee Nerd brauche ich natürlich mindestens einen guten Kaffee-Stopp pro Städtereise und auch da enttäuscht Graz nicht.
Tribeka
Das Tribeka – TRink BEsseren KAffee – gehört zu Graz wie Milch zum Cappuccino. An vier Standorten versorgen die modernen Barista Cafés die Grazer mit der hauseigenen Röstung. Viel Tam Tam macht das Tribeka Team darum jedoch nicht. Keine große Heldengeschichte auf der Website, nicht einmal ein Instagram-Auftritt. Man konzentriert sich lieber auf das, was wirklich zählt: guten Kaffee. Sympathisch irgendwie.
Alle Standorte und Öffnungszeiten findest du auf der Tribeka Website
Paul & Bohne
Eine weitere Institution in der Grazer Coffee-Szene ist Paul & Bohne. In die Tasse kommt hier ausschließlich hausgerösteter Bio-Kaffee. Den kannst du an drei Standorten schlürfen, am Lendplatz finde ich es mit den Sitznischen am Fenster besonders gemütlich.
Alle Standorte und Öffnungszeiten findest du auf der Paul & Bohne Website
BLEND COFFEE ROASTERS
An einem der wichtigsten Umstiegsplätze, wenn du mit Tram und Bus unterwegs bist – dem Jakominiplatz – liegt der Coffee Shop BLEND COFFEE ROASTERS. Ideal, um Umstiegszeiten für einen guten Cappu zu nutzen.
Omas Teekanne – Leckere Kuchen und große Teeauswahl
Genau das Gegenteil von minimalistisch, modern ist Omas Teekanne. Dieses Café fühlt sich an, als hätte Oma beschlossen, dass Ausmisten völlig überbewertet wird und jedes Möbelstück von unschätzbaren Wert sei. Es gibt also viel zu entdecken, von 60er Jahre Stühlen bis zu Teddybären und Puppen.
Seit nunmehr zehn Jahren bietet Omas Teekanne mit diesem Interior die heimelige Gemütlichkeit, nach der man sich manchmal sehnt. Dazu gibt es eine feine Kuchen- und eine riesige Teeauswahl. Bei 72 verschiedenen Sorten kann das Entscheiden dauern.
Mohrenwirt: moderne Wirtshausküche und göttlicher Kaiserschmarrn
Wenn beim ersten Abendessen bereits Sätze wie „Ich bin im Himmel“ fallen, sind die Erwartungen an die kommenden Tage natürlich gesetzt. Genauso ging es mir im Mohrenwirt bei meinem ersten Dinner in Graz.
Im Mohrenwirt trifft klassische Grazer Wirtshauskultur auf moderne Ideen und einen starken Fokus auf Bio-Produkte und regionale Lieferanten. Bei meinem Besuch startete ich mit bunten Paradeisern (Tomaten), Stracciatella, Basilikum, Kürbiskernöl und Lavendel – gleichzeitig frisch, knackig und cremig. Danach gab es für mich knusprig gebackene Bio-Pilze.
Meine Begleitung entschied sich unter anderem für Knochenmark mit Sauerteigbrot. Und genau da fiel besagter Satz zum ersten Mal.
„Ich bin im Himmel“
Spätestens beim Kaiserschmarrn mit Vanille-Mohn-Eis und warmem Zwetschgenkompott wurde dann kurz diskutiert, ob ein Umzug nach Graz nicht vielleicht doch eine vernünftige Lebensentscheidung wäre.
Der Mohrenwirt ist übrigens auch offiziell Partnerbetrieb der GenussHauptstadt und wurde 2026 mit zwei Gault-Millau-Hauben sowie einem Bib Gourmand im Guide Michelin und 88 Falstaff Punkten ausgezeichnet. Braucht es noch mehr Argumente für deine Reservierung?
KABUFF: Sharing-Menü mit Gemüse in der Hauptrolle
Das KABUFF ist, was der Name schon vermuten lässt, nicht riesig. Dafür ist das Konzept umso persönlicher.
Gemüse spielt hier die Hauptrolle und das kommt meist aus Papas Garten in Graz. Was nicht selbst angebaut wird, wird möglichst von regionalen kleinen Produzenten bezogen. Gerichte werden zum Teilen in die Tischmitte gestellt und Sauerteigbrot zieht sich wie ein roter Faden durch das Menü. Erst als knusprige Kruste, dann als luftiges Brioche. Immer gibt es etwas zum Dippen – lieben wir!
Bei uns kamen beispielsweise bunte Tomaten aus dem Garten mit Kombucha-Sauce, kleinen Kapern und Holunderbeeren auf den Tisch. Eine leicht süßliche, extrem frische Kombination. Dazu Baby-Artischocken mit Maispolenta, geräucherte Rote Bete und Zucchini.
Einer meiner stärksten Restaurant-Tipps für Graz, vor allem für Vegetarier, wobei Fleisch optional dazu bestellt werden kann.
Die grüne Seite von Graz: Wandern mitten in und vor der Stadt
Einer der Gründe, warum Graz für mich deutlich mehr als ein klassischer Städtetrip ist, ist die Nähe zur Natur.
Die Erlebnisregion wirbt mit „Von Stadt auf Land in 10 Minuten“. Und selbst innerhalb der Stadtgrenzen kannst du ziemlich schnell Kopfsteinpflaster gegen Waldwege tauschen. Zwei Orte haben mir diese grüne Seite besonders gezeigt.
Rettenbachklamm im Grazer Stadtgebiet
Eine Klamm mitten in einer Großstadt hatte ich definitiv noch nicht auf meinen Städtereisen. In Graz kannst du diesen Ausflug mit dem Bus erleben. Vom zentralen Jakominiplatz ist man mit einmaligem Umsteigen in rund 20 Minuten da.
Dann führt der Weg erst vorbei an einer idyllischen Siedlung hinein in den Schluchtwald. Du läufst immer entlang des Baches auf einfachen Waldwegen und querst einige Brücken, steigst hier und da über Wurzeln und Steine. Nach gerade einmal 1,5 Kilometern kannst du entscheiden, ob du noch den Weg zum Aussichtsturm Stephanienwarte unternehmen möchtest (2,5 Kilometer hin und zurück) oder doch direkt die eineinhalb Kilometer bis zur Basilika Mariatrost absolvieren willst.
Sonnenaufgang auf dem Schöckl: mein Outdoor-Highlight
3:45 Uhr. Mein Wecker klingelt. Mitten in der Nacht. Zeit, den Snoozer auszureizen, gibt es allerdings nicht. Um 4:20 Uhr wartet das Taxi vor dem Hotel und eine gute halbe Stunde später stehe ich schon am Schöcklkreuz.
Der Schöckl ist der 1.445 Meter hohe Hausberg der Grazer, und von hier aus will ich heute den Sonnenaufgang beobachten. Genauer gesagt von der Johanneskapelle am Schöckl. Also: Stirnlampen an und los geht’s. Wir haben uns für einen steilen, dafür jedoch kurzen Aufstieg entschieden.
Das heißt jedoch auch, besonders aufmerksam zu sein. Denn der Weg führt mit heftigem Anstieg über Steine und dichtes Wurzelwerk. Da kommt man ins Schwitzen.
Zwischendurch schimmert bereits die erste Morgenröte zwischen den Bäumen hindurch. Oh, das wird ein schöner Morgen!
Wenig später erreichen wir das Plateau und sehen die Kapelle auf der Anhöhe der Wiese. Dort sitzen bereits zwei andere Wanderinnen. Ein paar Minuten später füllen sich die Bänke mit weiteren Sunrise-Seekern, darunter zwei Geburtstagskinder in Begleitung ihrer Freunde.
Wie cool ist es bitte, wenn deine Freunde mit dir zu deinem Geburtstag den Sonnenaufgang schauen?
Während ich noch darüber nachdenke, färbt sich der Himmel immer weiter. Dann kommt die Sonne über den Bergen hervor und legt die Wiese vor uns in goldenes Licht. Wie schön ist das bitte?
Der Ausblick reicht über die Grazer Region, in der Ferne zeichnen sich die raueren Berggipfel ab. Was für ein geniales Panorama. Das war das frühe Aufstehen wert!
Zurück geht es auf gleichem Weg hinunter und dann mit dem Bus 250 in die Stadt. Der verkehrt am Wochenende regelmäßig.
Aufsteirern – wenn ganz Graz Tracht trägt
Falls du Graz im September besuchst, schau unbedingt, ob dein Aufenthalt auf das Aufsteirern fällt.
2026 feierte das Festival sein 25-jähriges Jubiläum. Was 2002 mit rund 40.000 Gästen begann, ist inzwischen laut Veranstalter das größte Volkskulturfestival Österreichs. Die Grazer Innenstadt wird dabei zur Bühne für Musik, Tanz, Brauchtum, Handwerk und Kulinarik.
Und ja: Graz befindet sich an diesem Tag ein bisschen im Ausnahmezustand.
Dirndl-Watching macht mir besonders Spaß – eines schöner als das nächste. Überall spielen Musikgruppen, bei einigen davon steht eine erstaunlich textsichere Fanbase vor der Bühne, Trachtenvereine tanzen und an den Ständen gibt es Wein, Sturm und klassische österreichische Festivalgerichte.
Als Vegetarierin musste ich bei der Essensauswahl etwas genauer suchen. Käsespätzle und Kaspressknödelburger haben mich aber schließlich gerettet.
Was mich positiv überraschte, war die Stimmung. Natürlich fließt Alkohol, aber insgesamt habe ich das Festival als entspannt erlebt. Selbst in längeren Warteschlangen wurde gewitzelt statt gedrängelt oder gemeckert.
Zwischen den Bühnen findest du außerdem lokale Produzenten und Manufakturen. Ich habe mich erst in einen handgemachten verliebt – der durfte mich dann den Rest des Tages begleiten – und kurz darauf bin ich bei handgemachten Hüten hängengeblieben.
Mein erstes Dirndl von Kastner & Öhler
Für das Aufsteirern brauchte ich allerdings erst einmal das Wichtigste: mein erstes Dirndl. Wenn man aus Berlin kommt und bisher genau null Ahnung davon hat, worauf man beim Dirndlkauf eigentlich achten sollte, ist Beratung eine die beste Idee.
Die führte mich ins Grazer Stammhaus von Kastner & Öhler in der Sackstraße. Das erste Grazer Geschäft eröffnete hier bereits 1883, heute befindet sich im zweiten Obergeschoss eine riesige Trachtenabteilung.
Verkäufer Michael beriet mich durch verschiedene Modelle, Farben und Kombinationen. Er beantwortete geduldig meine Fragen – wie lang muss ein Dirndl sein, worauf achte ich bei der Blusenauswahl – und entwickelte sich während der Anprobe zu meinem persönlichen Cheerleader – richtig toll. Vor allem hatte er ein ziemlich gutes Gespür dafür, welche Farben zu meinem Typ passen.
Am Ende verließ ich das Kaufhaus nicht nur gut beraten, sondern ziemlich happy mit meinem ersten Dirndl. Und glaub mir: Es fiel mir schwer, nicht direkt noch zwei weitere mitzunehmen. Denn die waren einfach alle so schön!
In Berlin mangelt es dann allerdings doch etwas an Gelegenheiten dafür. Also bleibt es bei einem – dafür hoffentlich einem, das mich viele Jahre begleiten wird.
Du willst meine Dirndlanprobe sehen? Dann schau dir mein Dirndl-Reel auf Instagram an.
Ausflüge rund um Graz
Wenn du mehr als zwei Tage Zeit hast, würde ich nicht nur in der Stadt bleiben. Gerade weil die Wege kurz sind, kannst du Graz wunderbar als Basis für Ausflüge in die Region nutzen. Ich habe mir bei meinem ersten Graz Besuch die westliche Region mit Thal und Bärnbach vorgenommen und da gibt es schon viel zu sehen.
Arnold Schwarzenegger Museum in Thal
Ein Ausflug, den ich zugegeben allein wegen des Fotomotivs schon ziemlich unterhaltsam fand: Mucki-Vergleich mit Arnie.
Dem wohl berühmtesten Österreicher – Arnold Schwarzenegger – wird in Thal ein Museum gewidmet und das befindet sich tatsächlich in seinem Geburtshaus.
Zu sehen sind persönliche Trainingsgegenstände, Erinnerungsstücke und Exponate aus verschiedenen Stationen seines Lebens und seiner Karriere. Das ist nicht nur ein absolutes Muss für alle Arnie-Fans, sondern auch grundsätzlich eine spannende Reise in die Vergangenheit. Wenn man erst einmal sieht, mit welchen Gewichtsschuhen der 5-fache Mr. Universum trainierte, bevor er nach Amerika aufbrach, wird der Respekt direkt noch größer. Dagegen sind meine Gym-Sessions ein reines Spa-Programm.
Dank des engen Kontakts von Arnold Schwarzenegger und seinem Grundschulfreund Peter Urdl, dem Museumsleiter, befinden sich sogar Original Exponate aus Arnis berühmtesten Filmen im Museum sowie der Nachbau seines Gouverneursschreibtisch.
Ein wichtiger Ort in den Anfängen von Arnis Sportlaufbahn war der Thaler See. Hier trafen sich damals die “Pumper”, die nach amerikanischem Vorbild trainierten. Heute lädt der See nicht nur wegen dieser Historie zu einem Besuch ein, sondern auch zum entspannten Spazieren, Übernachten und Einkehren im Boutiquehotel Thaler See Garten.
Lipizzanerheimat und Gestüt Piber
Weiter westlich liegt das Lipizzanergestüt Piber. Das ist seit mehr als 100 Jahren Geburtsort und Kinderstube der berühmten Lipizzanerpferde, die auch an der Spanischen Hofreitschule in Wien eingesetzt werden.
Wusstest du, dass Lipizzaner mit dunklem Fell geboren werden und erst mit der Zeit heller werden? Oder dass sie zum immateriellen UNESCO Kulturerbe gehören und die Pferde im Sommer auf die Alm zur sogenannten Sommerfrische gehen? Auch spannend: Stuten müssen zunächst zwei Jahre Ausbildung unter dem Sattel absolvieren, bevor entschieden wird, ob sie für die Zucht eingesetzt werden. Hengste sind erst mit zwölf Jahren vollständig ausgebildet. Diese und viele weitere spannende Fakten zu den edlen Pferden lernst du bei einer einstündigen Führung über das Gestüt.
St. Barbara Kirche und Mosesbrunnen in Bärnbach
Zugegeben, normalerweise findest du in meinen Artikeln selten bis nie Kirchen als Empfehlung. Doch die St. Barbara Kirche in Bärnbach muss hier einfach vorkommen. Denn dieses so farbenfroh gestaltete Gotteshaus macht gute Laune.
Die Kirche stammt ursprünglich aus den 1950er-Jahren und wurde 1987/88 von Friedensreich Hundertwasser umgestaltet. Hundertwasser ist für seine Vorliebe für Farben und ungewöhnliche Formen bekannt.
Das spiegelt sich auch im äußeren Erscheinungsbild der St. Barbara Kirche wider und das macht sie zu einem spannenden Fotomotiv. Von jeder Seite des Bauwerks gibt es etwas zu entdecken. Während man auf Motivsuche um sie herumläuft, tritt man durch zwölf Tore. Diese symbolisieren verschiedene Weltreligionen. Symbolisch sollen sie für Offenheit und den Dialog zwischen den Glaubensrichtungen werben. Eine Idee, die mir sehr gut gefällt.
Nur wenige Schritte entfernt steht außerdem der von Ernst Fuchs gestaltete Stadtparkbrunnen-Mosesbrunnen: ein siebeneckiges Becken mit einer vergoldeten und mit Swarovski-Kristallen besetzten Bronzestatue.
Mein Tipp: Auf dem Kunstpfad siehst du diese und noch weitere Bauwerke in Bärnbach.
Genuss-Stopp für deinen Ausflug in den Westen von Graz
So ein Tag voller neuer Eindrücke macht hungrig, da habe ich genau den richtigen Tipp für dich: Mach Halt bei der Jausenstub’n Schusterbauer. Hier erwarten dich herrliche Jausenbretter, frischer Käferbohnensalat, steirischer Käse, saures Rindfleisch sowie andere regionale Leckereien. Dazu gibt es einen herrlichen Ausblick auf die sanften grünen Hügel und Orte der Umgebung. Ein wunderbarer Platz zum Verweilen und Genießen.
Jausenstub’n Schusterbauer
Do 15 – 20 Uhr, Fr 15 – 22 Uhr, Sa 14 – 22 Uhr, So 12 – 20 Uhr, Mo 15 – 20 Uhr
Puchbacher Str. 53, 8591 Maria Lankowitz
Hotel Daniel Graz – mein zentraler Hoteltipp für Graz
Gerade wenn man ohne Auto unterwegs und daher auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist, ist ein zentral gelegenes Hotel mit guter Anbindung Gold wert. Das Hotel Daniel punktet mit seiner Lage direkt am Hauptbahnhof auf ganzer Linie.
Ein vielfältiges Frühstücksbuffet im stylischen Restaurant mit Terrazzo-Boden und großen Fenstern überzeugt ebenso. Dazu kommen praktisch eingerichtete Zimmer, die mit gemütlichen Sitzflächen und mobilen Arbeitsplätzen genau die Extras bieten, die ich auf Reisen schätze. Cool finde ich außerdem, dass du im Hotel Fahrräder und E-Vespas ausleihen kannst. Und das alles zu einem sehr fairen Preis-Leistungs-Verhältnis.
FAQ: Häufige Fragen zu Graz
Was sollte man in Graz unbedingt gesehen haben?
Für einen ersten Besuch würde ich Schlossberg mit Uhrturm, die historische Altstadt mit ihren Innenhöfen, Landhaushof und Doppelwendeltreppe sowie die moderne Seite mit Kunsthaus und Murinsel einplanen. Wenn du mehr Zeit hast, ergänze unbedingt den Schöckl und mindestens einen Ausflug ins Grazer Umland.
Was kann man in Graz machen?
Neben klassischem Sightseeing kannst du Bauernmärkte besuchen, wandern und die Gastronomie der GenussHauptstadt kennenlernen. Durch die kurzen Wege lassen sich Stadt, Kulinarik und Natur gut innerhalb eines Aufenthalts kombinieren.
Wofür ist Graz bekannt?
Graz ist vor allem für seine UNESCO-Welterbe-Altstadt, den Uhrturm auf dem Schlossberg, seine moderne Architektur als UNESCO City of Design und seine Kulinarik als GenussHauptstadt bekannt. Die Stadt war außerdem 2003 Europäische Kulturhauptstadt.
Ist Graz eine Reise wert?
Klares Ja! Aus meiner Sicht auch mehrfach und für länger. Graz kombiniert historische Architektur, moderne Designsprache, eine starke Food-Szene und schnell erreichbare Natur. Besonders Outdoor- und Foodie-Fans können deshalb wesentlich mehr aus einem Wochenende machen als einen klassischen Stadtrundgang.
Kann man in Graz wandern?
Ja. Mit der Rettenbachklamm liegt sogar eine Klamm innerhalb des Grazer Stadtgebiets. Rund um Graz gibt es weitere Wandergebiete. Besonders bekannt ist der 1.445 Meter hohe Schöckl, der als Grazer Hausberg gilt.
Welche Ausflüge lohnen sich rund um Graz?
Zu den Ausflugszielen, die ich auf meiner Reise besucht habe, gehören Thal mit dem Arnold Schwarzenegger Museum, das Lipizzanergestüt Piber sowie die St. Barbara Kirche von Friedensreich Hundertwasser in Bärnbach. Alle drei lassen sich gut an einem Tag per Auto kombinieren.
Wo kann man in Graz gut essen?
Meine persönlichen Favoriten dieser Reise waren der Mohrenwirt für moderne Wirtshausküche und Kaiserschmarrn sowie das KABUFF für saisonale Sharing-Gerichte mit viel Gemüse und Sauerteigbrot. Für Kaffee würde ich Tribeka sowie Paul & Bohne einplanen, für Kuchen und gemütliche Café-Atmosphäre Omas Teekanne.
Ein Wochenende in Graz: Der perfekte Plan
- Schlendere ohne straffen Zeitplan durch die Altstadt und schau auch hinter offene Tore – gerade die Innenhöfe sind sehenswert.
- Geh für den besten Blick über die Stadt auf den Schlossberg zum Uhrturm.
- Schau dir neben der historischen Architektur auch das Kunsthaus, die Murinsel und das ARGOS an.
- Besuche einen der Bauernmärkte und nimm mindestens eine Flasche steirisches Kürbiskernöl mit.
- Wenn du gern wanderst, lohnt sich ein Ausflug auf den Schöckl – für Early Birds auch zum Sonnenaufgang, dann ist die Johanneskapelle the place to be, Stirnlampe nicht vergessen.
- Nimm dir mindestens einen Tag die Region Graz mit Thal, Lipizzanerheimat oder Bärnbach Zeit.
- Und vor allem: Plane genügend Mahlzeiten ein. Graz trägt den Titel GenussHauptstadt, das musst du erschmecken. Wenigstens einmal Jausenbrett und ein paar steirische Gerichte sind im Prinzip Pflicht.
Karte mit allen Graz Tipps
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GRÜNDERIN
Nicole Bittger
Reisesüchtige Foodie & Coffee Nerd aus Berlin mit großer Fotoleidenschaft, einem Herz für Tiere und die Natur.
Mit Nicoles Neugierde auf die Welt und ihrem ersten Sabbatical erblickte auch PASSENGER X das Licht der Welt. Ein halbes Jahr Abenteuer in China, Japan und Europa führten dazu, dass dieser Blog mit Leben gefüllt wurde. Um ein Jahr später fünf Monate lang solo durch das bunte Südamerika zu touren, kündigte Nicole schließlich ihren sicheren Konzernjob. Seitdem arbeitet sie selbstständig und ist Vollzeitbloggerin.
Ob sie jemals genug vom Reisen haben wird? We doubt it!
Fun Fact: Nicoles Herzensland ist Grönland. Dort hat sie noch das wahre „Weit-Weg-Gefühl“.

