Kanada, Nordamerika, Reisen

Jasper Nationalpark – Kitschige Seen und Bärenkämpfe

Wer hätte es gedacht, der Jasper Nationalpark in British Columbia hielt noch viele großartige Momente für uns bereit und dabei dachten wir, mit dem Banff Nationalpark schon alles erlebt zu haben.

Kennst du das, du siehst eines dieser kitschigen Bilder in einem Reiseführer und denkst dir “Na klar, so sieht es dort doch nie im Leben aus. Wo sind all die Menschen, die haben das Gebiet doch extra für das Bild abgesperrt. Außerdem, solche Farben gibt es in der Natur doch gar nicht, die haben doch das Bild bearbeitet.” Kennst du das? Mir geht das oft so. Als ich für unsere Kanadatour recherchiert hatte kam mir dieser Gedanke extrem häufig.

Wenn ich mir heute meine Fotos von unserer Tour anschaue, dann denke ich “unfassbar, das alles gesehen und erlebt zu haben, das glaubt uns doch kein Mensch”. Tja so schnell kann sich das Blatt wenden und manchmal darf man den zum Träumen verlockenden Bildern eben doch trauen. Alle folgenden Bilder (so wie auf meinem Blog sowieso) sind von mir selbst aufgenommen worden, im Jasper Nationalpark. Dazu brauchte es nicht einmal besonders gute Fotokünste, nur etwas Aufmerksamkeit und Geduld. Aber erst einmal ein paar Worte zu diesem Teilabschnitt unserer Tour.

Kanada Reiseplanung, die Tipps von CicoBerlin

Über den Icefield Parkway (Highway 93) ging es in 4,5 Stunden, mit bestem Blick auf die Berge und einigen Stopps, von Banff nach Jasper. Die Route führt direkt durch die Rockies, wer hier nicht auch einmal eine Pause einlegt, ist selber Schuld. Allein die Highlights während dieser Stunden, sind die Fahrt wert. Ob das bis zu 365m dicke Columbia Icefield, Wasserfälle, Seen oder wilde Tiere, verschlafen sollte man das nicht.

Bergziege im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Apropos Eisfeld, irre ist auch, was wir an Temperaturunterschieden in diesem Urlaub erlebt haben. Bis zu 26 Grad, an einem einzigen Tag. Morgens bei 8 Grad gestartet, beim Stopp am zugefrorenem See die Null Grad erreicht und am Abend in der 26 Grad warmen Kleinstadt eingetrudelt. Was man da anzieht? Also ich habe es mit dem Schichtsystem versucht und die Tatsache, dass wir im Auto alle unsere Klamotten hatten, hat es mir leicht gemacht. Mein Freund hat folgende Variante bevorzugt: immer eine kurze Hose (wieso Männer an den Beinen nicht frieren ist mir ein Rätsel), dazu ein Shirt und darüber die Winterjacke. Sieht komisch aus, hat für ihn aber den Zweck erfüllt.

Winter im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Schwarzbär im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Jasper ist übrigens der größte der vier Rocky Mountains Nationalparks. Klar, dass man hier unzählige Möglichkeiten zum wandern und erkunden hat. Wir haben uns an ein paar Ausflüge mit dem Auto gehalten. Man mag es kaum glauben, aber sowohl Bären als auch Hirsche und Rehe haben wir von unseren Autositzen aus gesehen.

Rehe im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Rehe im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Den größeren Teil unserer Zeit haben wir allerdings etwas außerhalb des Parks verbracht, im angrenzendem Valemount und den Wäldern in der Umgebung. Das war keine schlechte Entscheidung, wie sich rausstellte. Denn per Zufall entdeckten wir so den Wanderweg am Mount Robson. Der sollte recht flach  und in kurze Abschnitte unterteilt sein. Genau das Richtige für unsere erschöpften Körper. Wir stiefelten also los, wussten es würde ein See kommen und hatten uns diesen als Wendepunkt unseres Spazierganges auserkoren. Doch als wir dort ankamen, waren wir überwältigt. Da war sie. Die unfassbar unrealistisch kitschige Postkartenoptik.

Mount Robson See im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Die Bilder vom Reiseführer waren also doch echt. Nichts bewegte sich auf dem Wasser, rein gar nichts. Vollkommen still lag er da. Umgeben von Bergen und den Wäldern. Wir konnten es gar nicht glauben. Klar, dass wir dann doch nicht direkt umgedreht sind, sondern den Spaziergang bis zur gegenüberliegenden Spitze des Sees ausgedehnt haben.

Eines ist für mich klar: wenn ich jemals freiwillig in einem Zelt auf einer Isomatte schlafe, dann an diesem See. Ein Plumpsklo, ein paar Holzbänke, eine Vorrichtung, um Lebensmittel vor Bären sicher aufzuhängen, vielleicht fünf Plätze für Zelte und sonst nichts. Keine Elektrizität, dafür der Blick auf diesen wunderschönen See und die Stille der Berge. Da werde selbst ich kitschig.

 Mount Robson See im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Doch das sollte nicht die einzige Überraschung bleiben. Wir begegneten weiteren wilden Tieren…

Hirsche im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Wild im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

…und ich blieb weiterhin auf der Suche nach Elchen. Ja, ich wollte nicht aufgeben. Und tatsächlich, ich sollte Glück haben, zumindest eine halbe Elch-Begegnung wurde mir gegönnt. Mal wieder im Auto auf dem Highway unterwegs, die Kamera wie gehabt immer griffbereit auf meinem Schoß, sahen wir sie: eine Elchkuh. Sie graste eben noch am Straßenrand, verschwand aber so schnell im Gebüsch, dass wir erst nach einem gegenseitigen Blick in unsere beiden erstaunten Gesichtern sicher waren, sie wirklich gesehen zu haben. Halte mich für irre, aber nach der langen Sucherei und der Verzweiflung, hielten wir an, und krabbelten durchs Gebüsch hinterher. Ich wollte sie ja nicht jagen, nur einmal über den Bruchteil einer Sekunde hinaus, die Chance haben einen Elch zu sehen. Wir also durch das Gebüsch, einen kleinen Hügel hinauf, sehen sie noch rechts wegflitzen. Frust. Wieder nichts. Wir drehen uns um und denken wir spinnen.

Weit weg, zu weit, um es mit der Kamera wirklich ran zubekommen, stand sie da. Aber sie war doch gerade in die andere Richtung abgehauen. Nein, das war sie nicht. Das war ein Junges. Ihr Junges. Es blieb einen Moment stehen und schaute neugierig aus der Ferne rüber. Ich schoss noch schnell ein Beweisfoto, egal wie verschwommen oder winzig, irgendeinen Beweis brauchte ich, vor allem, damit ich es selber glauben konnte. Dann verschwand auch das Junge im Wald. Wir maschierten zum Auto zurück, Elchkühe mit Jungen sollte man nun wirklich nicht verärgern und ich grinste vor mich hin. Ok, das war immer noch nicht, was ich mir erhofft hatte, aber so ein halber Elch ist besser, als gar kein Elch.

Damit stand es auf unser Tour 14 Bären zu ca. 1,5 Elchen.

Als wir am nächsten Tag unsere letzte lange Tour nach Vancouver antraten, waren wir bereit das abenteuerliche Wildlife hinter uns zu lassen und uns noch einmal ein paar Tage ins Großstadtgetümmel zu werfen. Gerade auf dem Highway gestartet, wie es der Zufall so wollte, sah ich einen braunen wuscheligen Fleck (eindeutiges Zeichen: das ist ein Bär) auf einer Wiese nahe dem Highway. Echt jetzt, noch ein Bär? Ehrlich gesagt, ich war schon fast ein bisschen angeödet von diesem Déjà Vu. Aber nun gut, man wird sich ja wohl nicht über die Sichtung eines Bären beschweren. Wir also umgedreht, und angehalten. Inzwischen waren wir ja geübt. Also das Auto geschickt geparkt, so dass ich von der Beifahrerseite noch ein schönes Bild schießen konnte.

Schwarzbär im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Da lag er, graste  und schaute um sich. Nein, halt, der schaute nicht um sich, der schaute immer wieder in die gleiche Richtung: in den Wald.  “Komisch, schau mal, der guckt immer so Richtung Wald, als wäre da was. Nicht dass der Junge hat oder so.” Sagte ich noch und ehe mein Freund antworten konnte, löste sich das Rätsel: ein weiterer Bär kam aus dem Wald. Deutlich größer.

Braunbär im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Schnurstracks marschierte er auf das jüngere Tier zu, welches anfing Fiebsgeräusche von sich zu geben. Wir hielten die Luft an. Sie richteten sich auf. Gott waren die auf einmal riesig. Es wurden ein paar Hiebe getauscht.

Bärenkampf im Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht und Foto von CicoBerlin

Der ältere Bär gab auf und verzog sich. Doch nicht Richtung Wald, sondern in unsere Richtung. Er ging direkt auf unser Auto zu. Wir verriegelten die Türen und mein Herz rutschte mir in die Hose. “Scheiße. Wir sind zu nah dran. Das hätten wir nicht tun sollen. Das ist nicht gut.” Der Bär kam näher, ging langsam um unser Auto herum, blieb an der Fahrerseite stehen. Ich bekam Panik.” Oh nein, er riecht, dass wir im Auto lauter Essen haben. Oh mein Gott. ” Mein Freund konnte sein Glück einem Bären so nah zu sein kaum glauben, und zückte das Handy. Hätte ich mich nicht im Ruhighalten geübt, dann wäre ich deshalb sicher hysterisch geworden. Aber sehe selbst.

Dann drehte der Bär ab, wir waren doch nicht spannend genug. Wir saßen wortlos im Auto. Was hatten wir da gerade nur erlebt. Welch ein Abschluss vom Japser Nationalpark. Das konnte nicht mehr getoppt werden. Nun konnten wir auch getrost nach Vancouver fahren.

Die nächste Reise steht bald an und überlegst noch, welchen Rucksack du am besten kaufst oder welche Hygieneartikel wohl am wenigsten Platz wegnehmen? Lass dich doch auf meiner Equipment- & Toolseite inspirieren. Dort verrate ich dir auch, welche Kamera ich auf Reisen nutze. Und wenn du dann alles hast, hilft dir meine Packliste auch nichts zu vergessen.

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Jasper Nationalpark Kanada - Reisebericht von CicoBerlin

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  1. Kerstin

    24. September 2016 at 14:36

    Wow! Tolle Bärenfotos und um die Begegnung mit dem Elchkind beneiden wir euch auch. Wir haben bei unserem Besuch im Jasper und überhaupt in Kanada viele Bärenbegegnungen gehabt (sogar einmal in 20-Meter-Entfernung beim Wandern – aber alles gut gegangen). Was uns aber sehr aufgeregt hat, ist das Verhalten vieler Touristen bei Bärensichtungen. Wir haben nicht selten erlebt, wie Menschen aus dem Auto ausgestiegen sind und sich den Bären gefährlich genähert haben – klar, sonst kann man sie ja nicht mit dem Smartphone fotografieren. Einmal hat eine Menschenansammlung einen Bären so sehr in Bedrängnis gebracht, dass dieser kurz gedroht hat und dann die Straßenseite gewechselt hat, mit dem Ergebnis, dass die dumme Menschenmasse wiederum hinterher ist. Ärgerlich! Wir sind dann lieber weitergefahren.

    Zu Rebeccas Frage zum Mount-Robson-Trail: den sind wir auch gelaufen. Eine schöne Wanderung mit wenig Steigung. Es ist ein Teil des Berg Lake Trails, wir sind ihn bis zum Kinney Lake gelaufen (da ist vermutlich euer Foto entstanden).

    Ich lasse euch mal den Link zu unserem Jasper-Beitrag da: http://willkommenfernweh.de/jasper-national-park/

  2. Rebecca

    8. August 2016 at 16:01

    Hallo zusammen,
    was war das denn für ein wunderschöner See den ihr da beim Mt. Robson entdeckt habt? Oder wisst ihr noch, wie der Trail hieß? Wir starten in 4 Wochen in die kanadischen Rockys und ich sammle im Moment jeden Tipp und Infos ohne Ende! Danke schonmal!
    LG Rebecca

    1. cicoberlin

      8. August 2016 at 23:31

      Hey Rebecca!
      Puhh gute Frage, wie der See hieß. Aber der Trail war als Mount Robson ausgeschildert. In meinem eigentlich ausführlichen Reiseführer war davon nichts erwähnt, wir haben ihn durch Zufall entdeckt, weil unsere Unterkunft in der Nähe war. Aber der See war leicht zu erreichen, vielleicht 45 min nach Start des Trails, den kann man nicht verfehlen.
      Ich hoffe das hilft, sicher weiß Google auch noch was dazu.
      Liebe Grüße und viiieeel Vorfreude und später einen tollen Kanada Trip!
      Liebe Grüße
      Nicole

  3. Monika and Petar Fuchs

    23. Januar 2016 at 11:38

    Mit den Bären hattet Ihr ja unglaubliches Glück! Und eine Elchkuh mit Nachwuchs! Klasse! Dein Bericht bringt viele schöne Erinnerungen zurück an die Rocky Mountains. Es ist schon eine ganz besondere Region. Uns gefällt an Jasper und Umgebung vor allem die Ursprünglichkeit und die Nähe zur Natur. Verlässt man den Ort und die Straßen, ist man schnell in Regionen, in denen man Menschen nur noch selten begegnet.

    1. cicoberlin

      23. Januar 2016 at 11:40

      Hey ihr beiden, da habt ihr recht. Es ist wirklich eine wunderschöne und ganz besondere Gegend, mir hat diese Region erst so richtig Lust auf Roadtrips und Wildnis gemacht.

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