Der Mythos „Alleine Reisen“ scheint gerade ein Trendthema zu sein. Zum einen geht es immer wieder um die Frage, ob es nicht unheimlich mutig sei, allein zu reisen. Glaubt man doch, einem würden allein deutlich mehr Gefahren drohen. Zum anderen geht es aber auch immer wieder um die Frage, des einsam Seins.
Alleine Reisen macht einsam!
Niemand da, um die vielen schönen Momente zu teilen. Um darüber zu sprechen, wie romantisch der Sonnenuntergang ist, wie gut das Essen schmeckt, wie herrlich die Felder duften, wie erfrischend das Meer ist. Das kann man doch nicht wirklich wollen.
Quatsch!
Ich bin in China zum ersten Mal allein gereist. Das war sicher nicht der einfachste Start und trotzdem bereue ich es nicht. Klar, ich liebe Roadtrips mit meinem Freund und ich habe auch mit Freundinnen unheimlich viel Spaß auf Reisen. Doch das Alleine Reisen hat auch große Vorteile. Das es mich mutiger macht, hatte ich schon erzählt. Besondere Momente erlebe ich sogar noch intensiver als zu zweit, weil ich mich ganz auf mich und meine Umgebung konzentrieren kann.
Aber vor allem fühle ich mich nicht einsam, weil ich es selten wirklich bin.
Während all meiner Reisen habe ich unheimlich viele coole Leute kennengelernt. Durchs Couchsurfen, aber auch in Hostels. Manchmal habe ich mich nur einen Abend lang gut unterhalten, von Zeit zu Zeit ein paar Stunden und einige Male sogar ein paar Tage miteinander verbracht.
Nicht jede/r war 100% meine Wellenlänge. Und doch habe ich bei jeder dieser Begegnungen etwas dazu gelernt. Über einen anderen Menschen und seine Einstellung, Hobbies, Reisen, über die Kultur und auch die Heimatländer. Das fand ich unheimlich spannend und inspirierend und wer weiß, vielleicht werde ich manch eine/n auch noch einmal wieder sehen. Ob in Deutschland oder der Welt. Ohne das Alleine Reisen hätte ich sie sicher nicht kennengelernt und das wäre wirklich schade gewesen.
Und weil mich diese Menschen nachträglich so begeistert haben, will dir heute ein bisschen von ihnen erzählen.
Was sind das für Leute, die man trifft, wenn man alleine reist? Wer begegnet einem in Schlafsälen? Wo kommen die her und wieso reisen die auch allein? Die kurze Antwort ist: das sind meist Menschen, wie du und ich. Manchmal zurückhaltend und manchmal auch laut und rücksichtslos, meist sind es aber aufgeschlossene und super nette Backpacker/innen. Und für die lange Antwort, damit du dir ein richtiges Bild machen kannst, möchte ich dir ein paar von ihnen persönlich vorstellen.
Alleine Reisen, Begegnung Nummer 1:
Aidan aus Gibralta, der auf Reisen ging, weil sich in seinem Leben so viel verändert hatte, dass er einen Bruch brauchte. Wie wir uns kennenlernten? 4 Bett Zimmer in Tokio. Meine Freundin und ich waren ein paar Stunden zuvor angekommen, es war die erste Nacht. Ich bin endlich eingeschlafen, da wird mitten in der Nacht die Tür aufgerissen und die Leuchtstoffröhre direkt über meinem Bett geht an. Ich schrecke wie eine Furie auf. Die Hostelangestellte wollte dem Neuankömmling sein Zimmer zeigen. Sie schaut mich erschrocken an und fragt, ob sie das Licht anmachen könnte. Ich antworte schlaftrunken und genervt: Das hast du doch schon. Oha, Nicole von ihrer besten Seite. Als sie wieder weg ist, knipst der Neuankömmling schnell das Licht aus. Ich murmel fast weinerlich ein danke. Am nächsten Morgen entschuldige ich mich bei ihm für meine unfreundliche Art und schiebe es auf Schlafentzug und Jetlag. Er lacht und meint ich wäre wie ein Wachhund, das sei schon ok.
Zu diesem Zeitpunkt war er schon lang unterwegs, hatte schon so viele coole Orte bereist und kein Abenteuer ausgelassen. Typisch für Aidan, so wie ich ihn kennengelernt habe: Sein Reisebudget hat er hauptsächlich für’s Schlemmen ausgegeben. Ich werde nicht mehr vergessen, wie er im Hostel in Japan vom Sushi vorschwärmte und voller Begeisterung vom Beef erzählte. Er war meine erste Bekanntschaft in den sechs Monaten Reisen. Unsere Japanrouten kreuzten sich später, als ich allein weiterreiste, noch ein paar mal. Und so trafen wir uns wieder. Damals war er bereits acht Monate allein gereist, inzwischen ist er wieder in seiner Heimat zurück. Schaut doch mal in seinen Blog, da findet ihr viele sehr coole Videos. Und seinen Post zum Aufbrechen, auf Reisen gehen, den Erwartungen dazu und dem nach Hause kommen, kann ich auch nur empfehlen!
Who knows, maybe we will meet again, somewhere in this world, one day while traveling.
Alleine Reisen, Begegnung Nummer 2:
Alleine Reisen, Begegnung Nummer 3:
Alleine Reisen, Begegnung Nummer 4:
Alleine Reisen, Begegnung Nummer 5:
Alleine Reisen, Begegnung Nummer 6:
Gerade in Lausanne angekommen und ins Hostel eingecheckt. Erst einmal Gepäck im Frauenschlafsaal ablegen. Tür auf, da strahlt sie mich auch schon erwartungsvoll an: Kelly, 24 aus Californien. Die große Brünette, mit der perfekten Figur und einer unfassbaren Ausstrahlung. Sie sitzt auf ihrem Bett, auf dem Schoß ihren Laptop, schaut den amerikanischen Bachelor. Aus Verzweiflung. Denn Genf, gäbe leider nicht viel her und das Wetter sei auch noch schlecht. Recht hat sie. Zwei Monate reist sie durch Europa, hat gerade ihr Studium in Geophysik abgeschlossen und den Job auch schon in der Tasche. Alleine Reisen wollte sie eigentlich nicht, aber da ihre Freunde nicht mitkommen konnten, blieb ihr nichts anderes übrig. Und so tourt sie eben allein. Anschluss finden wird ihr nicht schwer fallen, bei dem fröhlichen Gemüt. Unsere Wege trennen sich leider schon am nächsten Tag. Schade, mit ihr hätte ich sicher auch eine gute Zeit gehabt.
Alleine Reisen, Begegnung Nummer 7 und 8:
Länger begleiteten mich zwei andere Mädels aus dem gleichen Zimmer in Genf. Emily und Olivia. Blutjunge 19 aus Montreal. Sie reisen mit mir gemeinsam nach Lausanne, haben das gleiche Hostel gebucht. Die beiden studieren und sind Rugbyspielerinnen und das aus Leidenschaft. Sportlich sportlich. Ich ließ mir das Spiel erklären und das Grinsen war nicht zu übersehen, als ich erstaunt nachfragte, ob Emily wirklich Leute aufhalte, sie sei ja nicht sooo groß. Ja, aber wie! Sie sei eine richtige Wand. Olivia nickte ihrer Freundin stolz bestätigend zu. Emily denkt darüber nach, nach Europa zu ziehen, wenn das Studium beendet ist, wieso nicht nach Frankreich gehen? Mit den beiden erkundete ich Lausanne, suchte den Aussichtsturm und versank auf dem Weg dorthin im Matsch. Das hat man davon, wenn man Maps.me die Wegführung anvertraut und deshalb auf den kleinen Trampelpfaden landet. Man kann sich seine Abenteuer ja einfach selber basteln. Spaß hats gemacht, mit den beiden verrückten Hühnern.
Alleine Reisen, Begegnung Nummer 9:
Die nächste Reise steht bald an und überlegst noch, welchen Rucksack du am besten kaufst oder welche Hygieneartikel wohl am wenigsten Platz wegnehmen? Lass dich doch auf meiner Equipment- & Toolseite inspirieren. Dort verrate ich dir auch, welche Kamera ich auf Reisen nutze. Und wenn du dann alles hast, helfen dir meine Packlisten auch nichts zu vergessen.






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