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Sabbatical Interview: von Moskau bis nach Südamerika mit Kleinkindern

Jochen und Annette haben sich gemeinsam mit ihrem Kleinkind Quentin und Baby Charlotte ins Sabbatical gewagt. Im Interview verraten sie nicht nur, was das Reisen mit Kindern besonders macht, sondern auch, wie sie das Sabbatical jobseitig organisiert haben und mit wie viel Budget sie für ihren großen Traum gerechnet haben.

1. Wie kam es zu der Idee ein Sabbatical zu machen?

Nach 3 Jahren in Moskau hatte Jochen sich vor Ort einen neuen Job gesucht. Leider ist es dort nicht so gelaufen, wie er es sich vorgestellt hatte. Eine erneute Jobsuche war 6 Monate erfolglos. Dann kam Charlotte im März 2019 zur Welt. Sich mehr um sie und den 5-Jährigen Quentin zu kümmern, der zudem erst im September 2020 eingeschult wird, schien verlockender, als die Jobsuche in Deutschland oder andernorts fortzusetzen. Annette war diejenige, die schon seit vor Zeit vorgeschlagen hatte, eine Weltreise zu machen, falls es mit dem Job nicht klappt.

2. Wie lange vorher habt ihr das Sabbatical bei euren Arbeitgeber angekündigt und wie hat man dort reagiert?

Da Jochen seinen Job in einem „schwierigen Verhältnis“ gekündigt hat, war der Arbeitgeber nicht eingebunden. Als der CEO und einige Mitarbeiter im Nachhinein davon erfahren haben, fanden sie dies aber durchaus gut. Da Annette ein Kleinstgewerbe betreibt, musste sie die Auszeit nicht mit einem Arbeitgeber besprechen.

Sabbatical als Familie: das Sabbatical Interview bei PASSENGER X

3. Wann und wie lange nehmt ihr euer Sabbatical?

Wir sind seit Juni 2019 unterwegs und wollen voraussichtlich bis Mai 2020 reisen, also 1 Jahr insgesamt. Allerdings beginnt erst dann die Jobsuche oder der Aufbau eines eigenen Geschäfts, weshalb es sich noch etwas länger hinziehen könnte.

4. Wo wart ihr schon überall und wo wird es noch hingehen?

Wir  waren die ersten  drei Wochen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bis zur Ausreise in Moskau, dann vier Wochen in UK, zwei Wochen in Schweden, dazwischen in Summe rund vier Wochen in Deutschland, wo wir bei Annettes Mutter unser „Base Camp“ aufgeschlagen haben, da wir in Etappen reisen. Ab 10. September geht es für 6 Wochen in unser Ferienhaus nach Kroatien. Im November werden wir vier Wochen lang Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien, Mazedonien und Serbien bereisen. Im Dezember sind dann wieder vier Wochen Deutschland angesagt, um uns für die finale Etappe vorzubereiten: Fünf Monate Mittel- und Südamerika.

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5. Was waren bisher eure Highlights?

Die Isle of Mull in Schottland, die Highlands an sich sowie die Strände von Wales gehören auf jeden Fall zu den Reisehighlights.
Für Jochen gehört zu den Highlights aber auch die Arbeit rund um unseren Reiseblog, Instagram Account usw., da dies mit dem Lernen von Neuem verbunden ist, was ihm viel Freude bereitet.
Grundsätzlich denken wir aber nicht so sehr in Highlights, sondern genießen jeden Tag, egal ob wir tolle Orte erkunden oder einfach nur einen Tag zu Hause verbringen. Die gemeinsame Zeit ist unbezahlbar.

6. Ihr reist mit Kindern. Ist das nicht unheimlich anstrengend?

Gegenfrage: Wieso sollte es das sein?
Sagen wir so: Reisen kann ja grundsätzlich anstrengend sein – abhängig vom Tempo. In vier Wochen UK waren wir in 28 Tagen an mehr als 20 verschiedenen Orten über Nacht und wir haben richtig viel von England, Wales und Schottland gesehen. Ohne Kinder hätten wie in der gleichen Zeit eben noch mehr angesehen, wären also wahrscheinlich noch schneller gereist.
Natürlich gibt es Situationen, in denen es mal anstrengend ist, dass Charlotte weint, weil sie nicht mehr sitzen will, oder Quentin einen mit irgendwelchem Blödsinn zur Weißglut treibt. Aber diese Situationen gibt es ja beim Nicht-Reisen mit Kindern auch. Wir leben grundsätzlich nach dem Motto, dass wir mit Kindern alles machen können, was wir auch ohne Kinder machen würden. Wir müssen uns nur ein bisschen anpassen, zum Beispiel bzgl. Tempo oder der Inhalte eines Reisetages. Das heißt wir besichtigen eben nicht alle Sehenswürdigkeiten in einer Stadt, sondern gehen auch mal einfach auf den Spielplatz. Mehr dazu verraten wir übrigens auch in einem Beitrag auf unserem Blog.

Was uns in der Tat etwas gestresst hat, war die fehlende Zeit für unseren Blog. Vor 22:00 war bei uns selten Ruhe im Camper und dann waren wir selbst oft schon zu müde oder hatten keinen Internetzugang.
Auf der Schweden-Etappe war sowieso alles entspannt. Zwei Wochen an einem Ort, Haus am See mit viel Natur und die beiden Cousinen unserer Kinder mit dabei.

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7. Welche Tipps habt ihr für andere Eltern, die gern während der Elternzeit reisen wollen?

Wir haben viel Erfahrung mit dem Reisen mit Kindern: Quentin war im Alter von 10 Monaten schon in Hongkong und Neuseeland und mit 2 Jahren in der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking – nur um zwei Beispiele zu nennen.

Grundsätzlich raten wir Eltern bzgl. Reisen – ob Elternzeit oder Urlaubsreise -, dass man vor dem Reisen mit Kindern keine Angst zu haben braucht. Oft hören wir Dinge wie „Die Kinder sind noch zu klein“ oder „Das geht mit unseren Kindern eh nicht, weil…“ als Reaktion auf unsere Reiseerzählungen. Aber das ist in den meisten Fällen ehrlich gesagt Unsinn. Um die Kinder muss man sich beim Reisen unserer Erfahrung nach am wenigsten Sorgen machen. Es sind die Eltern, die unentspannt sind und sich über alles Mögliche und Unmögliche den Kopf zerbrechen. Sie sind sozusagen das Problem. Daher empfehlen wir Eltern grundsätzlich ganz entspannt an das Reisen heranzugehen. Nicht genug Windeln? Kann man in wahrscheinlich jedem Land der Erde kaufen. Unbekanntes Essen? Wenn man die Kinder nicht schon zu Hause nur mit Pommes und Pizza füttert und das neuartige Essen spannend „verkauft“ (Wow, das ist mongolisches Spezialbrot! Deshalb sind die alle so gute Reiter!), klappt auch das.
Und man muss eben anders planen. Das bedeutet beispielsweise bei Road Trips eben nur 150 km pro Tag mit dem Auto statt vielleicht 400 km. Auch sollte man Zeit für’s Spielen, für „Missgeschicke“ usw. mit einplanen.
Gehen Eltern gelassen an die Sache heran, überträgt sich das auch auf die Kinder.

Und noch ein Tipp für die Tagesplanung: Unbedingt die Kinder in die Planung mit einbeziehen und sie mit entscheiden lassen, was unternommen wird.

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8. Was wird euch euer Sabbatical kosten?

Wir haben ein Budget von ca. 75.000 EUR geschätzt. Darin sind allerdings laufende Kosten enthalten, wie Versicherungen und Sparpläne, die auch ohne Sabbatical anfallen würden. Enthalten sind auch die Kosten für die Auslandskrankenversicherung (ca. 7.000 EUR). Und wir hatten für den Kauf eines gebrauchten Autos (15.000 EUR) eingeplant, was wir nun aber gar nicht brauchen und für nach der Reise aufheben.
Für das Leben und Reisen selbst haben wir 3.000 EUR pro Monat eingeplant, also 100 EUR pro Tag für uns vier. In manchen Monaten brauchen wir das bei Weitem nicht. In manchen überschreiten wir das Budget evtl. auch. Mal sehen, wo wir unterm Strich landen werden.

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9. Meint ihr, für euch wird sich durch das Sabbatical etwas ändern?

Auf jeden Fall. Das Sabbatical stellt eine Zäsur in unserem Leben dar. Bislang lag der Fokus stets auf dem Geldverdienen, um sich dann schöne Urlaube leisten zu können. Aktuell und hoffentlich auch in der Zukunft stehen unser persönliches Glück, das Zusammensein und gemeinsame Erleben im Vordergrund. Das ist jetzt aber natürlich nicht alleine dem Sabbatical geschuldet, sondern einem grundsätzlichen Umdenken.

 

Sabbatical als Familie: das Sabbatical Interview bei PASSENGER X

 

Das Sabbatical in Kurzform

Dauer: 12 Monate

Regelung mit  dem Arbeitgeber: Kündigung

Budget: 75.000 Euro für alle vier Familienmitglieder

Reiseroute: UK, Schweden, Kroatien, Bosnien, Montenegro, Albanien, Mazedonien, Serbien, Mittel- und Südamerika

Wer Lust hat der heiteren Familien-Bande auf ihren Reisen zu folgen, der sollte auf ihrem Blog SmallFeetBigWorld, ihrem Instagram, Facebook oder auch Youtube Channel vorbeischauen. Dort wollen sie  ihren Lesern und Followern zeigen, dass man keine Angst vor dem (Welt)Reisen mit Kindern haben muss. Sie berichten einerseits über ihre eigenen Reisen, andererseits aber auch über das Reisen mit Kindern an sich. Wie man diese  beschäftigen kann, wie das mit Stoffwindeln unterwegs funktioniert usw.

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