Europa, Gastbloggerin Sabrina, Reisen, Schweden

Kanutour Schweden: Unterwegs im schönen Dalsland

Letzte Aktualisierung: 15.12.2023

Eine Kanutour in Schweden stand schon länger auf meiner Bucket List, diesen Sommer bot sich endlich die Gelegenheit. Gemeinsam mit meinem Freund, der bereits einiges an Kanuerfahrung mitbringt, ging es ins Dalsland, dem perfekten Ort für ein solches Abenteuer. Denn dort gibt es unzählige Danus, das sind Orte, wo man mit dem Kanu anlegen kann und eine Schutzhütte sowie eine Feuerstelle vorfindet. 

Wie wir das alles individuell organisiert haben, welche Route wir gewählt haben und warum du selbst dieses Abenteuer erleben solltest, verrate ich dir in diesem Artikel.

Anreise & Organisation deiner Schweden Kanutour 

Da wir uns gegen eine Gruppenreise entschieden haben, mussten wir die Anreise und Organisation in die eigenen Hände nehmen.

Kanuurlaub in Schweden mit dem eigenen Kanu

Die Anreise nach Schweden erfolgte mit unserem Van. So konnten wir auch unser eigenes Kanu mitnehmen. 

Wir hatten uns im Vorfeld ein aufblasbares Kanu gekauft, da wir auch in Zukunft die ein oder andere Tour machen möchten. Dank des eigenen Kanus haben wir die Flexibilität, zu jeder Zeit und an jedem Ort loszufahren, ohne auf Öffnungszeiten oder Verleihmöglichkeiten angewiesen zu sein. 

Von der Insel Fehmarn ging es mit der Fähre rüber nach Rodby in Dänemark. Die Überfahrt dauert ca. 45 Minuten und kostet ab 40€ aufwärts, je nachdem, für welches Ticket man sich entscheidet. 

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kopenhagen ging es weiter über die Öresundbrücke – ins schwedische Malmö und von dort aus zu unserem endgültigen Ziel, dem kleinen Ort Bengtsfors im Dalsland, ca. 5 Stunden von Malmö entfernt. 

Die erste Nacht verbrachten wir auf dem Campingplatz „Dalslands Camping & Canoe Central“, da dieser der ideale Ausgangspunkt ist, um von dort aus die Schweden Kanutour zu starten. Das Auto kann man für ca. 3€ pro Tag auf einem Waldparkplatz des Campingplatzes stehen lassen. Ganz unkompliziert, man muss vorab nur die Anzahl der Tage angeben, da man im Voraus bezahlt. 

Kanutour in Schweden mit dem Leih-Kanu

Für alle, die nicht wie wir mit dem eigenen Kanu anreisen, gibt es auf dem Campingplatz auch die Möglichkeit, ein Kanu sowie  Zubehör (zB. Packtonnen, Küchenutensilien, eine Axt oder Säge) auszuleihen. Das geht entweder für einzelne Tage oder auch für eine ganze Woche. Die Preise beim Zubehör liegen zwischen ca. 0,85€ – 3,50€ pro Tag.  

Individueller vs. organisierte Kanutrip im Dalsland

Keine Lust auf den Organisationsstress und die Routenplanung? Dann kannst du auch eine geführte Gruppentour buchen. Da gibt es zum Beispiel den Anbieter Kanu-King, der den Sommer über mehrere Touren von diesem Campingplatz aus startet, inklusive Anreise mit einem Reisebus. Diese Touren sind gerade dann von Vorteil, wenn du allein unterwegs bist, da du so auf jeden Fall einen Paddelpartner hast oder wenn du gerne neue Leute kennenlernst. Mein Freund hat 2019 mit diesem Anbieter sehr gute Erfahrungen gemacht.

Ein fantastischer Kompromiss zwischen individueller und Gruppenreise ist der Kanutrip von Travelbase. Bei diesem wird alles für dich organisiert, von der Routenplanung, über das Kanu bis hin zum Essen. Du musst nur noch anreisen und ins Kanu einsteigen.

Man kann aber natürlich überall anhalten, wo man möchte, da in Schweden das Wildcampen erlaubt ist! Dazu aber später noch mehr.

Für uns kam auf dieser Reise eine organisierte oder sogar geführte Gruppentour nicht in Frage, wir wollten das schwedische Kanuabenteuer ganz individuell mit unserem eigenen Equipment erleben und dabei so flexibel wie möglich bleiben.

Das kostet eine selbst organisierte einwöchige Kanutour in Schweden

Da wir bei unserer Tour alles selbst organisiert haben, sind die Kosten in diesem Fall natürlich sehr individuell. Dennoch  möchte ich euch zumindest einen kleinen Überblick geben:

  • Anreise mit eigenem PKW: Fähre von Fehmarn nach Dänemark + Fahrt über die Öresundbrücke ca. 150€  (da variieren die Preise je nach Saison) -> für die Rückfahrt dasselbe
  • Tanken: Diesel in Dänemark ca. 0,30€ günstiger als in Schweden (Stand: Juni 2023)
  • Kanu(verleih):
    • eigenes Kanu:  aufblasbares Kanu, ca. 1.000€ inkl. Paddel und 3 Sitzbänken
    • Leihkanu vom Campingplatz: für einen Tag ca. 22€, für eine Woche ca. 114€
      (der Preis gilt für 2 Personen inkl. Paddel und Schwimmwesten)
  • Verpflegung: Preise für die Verpflegung hängen natürlich davon ab, mit wie vielen Personen man reist, wie viel man generell essen & trinken möchte. Wir hatten alles, was wir für 6 Tage brauchten, von zuhause mitgebracht. Dafür haben wir ca. 100€ ausgegeben.
    Tipp: Bier solltet ihr wegen der Preise spätestens auf der Fähre nach Dänemark kaufen!
  • Ausrüstung: generell kommt es darauf an, ob ihr bereits Ausrüstung habt oder ihr euch die Campingausrüstung noch kaufen müsst. Wir hatten schon alles zuhause, sodass uns keine weiteren Ausgaben entstanden sind.
  • Danus: Solltet ihr euch dazu entscheiden, direkt an einem der vielen Danus zu übernachten, kostet dies ca. 5€ pro Person pro Nacht. Darin enthalten sind eine Schutzhütte, eine Toilette und Feuerholz. Alternativ könnt ihr auch wildcampen, dazu aber gleich mehr.

Zum Vergleich sehen die Kosten für eine gebuchte Tour wie folgt aus: 

  • Geführte Gruppentour: für eine Woche inkl. Ausrüstung ab ca. 450€, je nach Anbieter

Regeln fürs Wildcampen in Schweden

Solltest du dich nicht auf die Danus verlassen wollen, kannst du Gebrauch vom sogenannten „Jedermannsrecht“, oder auf Schwedisch „Allemansrätt“ machen. Das besagt in Kurzform, dass das Wildcampen mit Zelt quasi überall erlaubt ist. Seit 1994 ist es auch Teil des schwedischen Grundgesetzes, wonach eine Person zwar Land besitzen kann, es allerdings allen anderen ebenfalls zur Verfügung stellen muss.

Natürlich gibt es auch beim Wildcampen in Schweden ein paar Regeln: 

  • Man darf sein Zelt nicht in Sichtweite von Häusern aufstellen, es gilt mindestens mindestens 500m Abstand zu halten!
  • Man darf keinen Lärm und kein Feuer machen. Feuer ist nur an offiziellen Feuerstellen erlaubt! Diese findest du beispielsweise bei den Danus.
  • Verboten ist das Wildcampen meistens in Nationalparks oder Naturschutzgebieten! Da gibt es jedoch Ausnahmen, über die man sich vorab informieren kann.

Routenplanung für 6 Tage Kanutour im Dalsland

Da man dank des Wildcampens maximal flexibel ist, könnt ihr eure Routenplanung für die Schweden Kanutour frei gestalten, je nachdem wie viele Kilometer ihr täglich paddeln möchtet, wie das Wetter mitspielt, wie fit ihr seid und wie viel Zeit ihr für eure Tour eingeplant habt. Praktisch: ihr  könnt auch kurzfristig umplanen.

Insider Tipp: Wir haben die App „Pocket Earth“ für die Routenplanung genutzt. Diese ist super hilfreich. Leider sind dort jedoch nicht alle Danus markiert. Solltet ihr eine Übersicht über alle möglichen Danus haben wollen, könnt ihr euch eine Karte am Campingplatz für ca. 11 Euro kaufen.

Wir haben uns für eine entspannte 6 Tage Tour entschieden. Da wir beide zum aktuellen Zeitpunkt nicht sehr fit waren, wollten wir uns nicht zu viel vornehmen. Auch entschieden wir uns gegen eine Schleusendurchfahrt, um es nicht unnötig kompliziert zu machen. 

Stattdessen suchten wir uns auf der Karte einen Zielpunkt aus, bis zu dem wir es schaffen wollten. Anhand dessen planten wir täglichen die jeweiligen Tagestouren. Bis wohin wir genau paddeln wollten, entschieden wir beim Frühstück am Morgen. So kamen wir insgesamt in den Genuss von 5 verschiedenen Schlafplätzen. Da das Netz an Danus gut ausgebaut ist, könnt ihr flexibel entscheiden, wo ihr übernachten wollt. 

Insgesamt sind wir in den sechs Tagen 40km gepaddelt, was einen Tagesdurchschnitt von knapp 6km macht. Manchmal waren es ein wenig mehr, manchmal weniger, je nachdem für welchen Schlafplatz wir uns entschieden. Nur ein einziges Mal mussten wir weiter paddeln als geplant, da die Landzunge leider stark von Mücken besiedelt war.  

Das war aber kein Problem, es geht bei einem solchen Kanu Abenteuer ja nicht darum, der Erste zu sein, sondern eine gute Zeit zu haben. Also haben wir uns einfach einen anderen Platz gesucht und sowieso die ganze Tour locker genommen. 

Unsere gesamte Route kannst du hier nachvollziehen. 

Google Maps

Mit dem Laden der Karte akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Google.
Mehr erfahren

Karte laden

Unser Highlight in Dalsland

Das Danu, was uns am besten gefallen hat, war das am zweiten Tag. Wir hatten die komplette Landzunge für uns alleine, die Sonne schien und es war windstill. Am Abend hatten wir einen perfekten Sonnenuntergang während wir Stockbrot und Marshmallows über dem Lagerfeuer grillten.   

Was sollte man auf jeden Fall für eine Kanutour in Schweden einpacken?

Die Packliste war im Vorfeld der Punkt, über den wir uns am meisten Gedanken gemacht haben. Ich gehöre zu denjenigen, die gerne auf alles vorbereitet sind, weshalb ich auch oft mehr mitnehme, als ich am Ende tatsächlich benötige. Doch so viel passt in ein Kanu auch nicht rein. Daher ist es sinnvoll strategisch zu packen. Hier kommen alle Dinge, die wir während des Trips als besonders wichtig empfunden habe:

  • Rettungsweste
  • 2 UV-Shirts (lang- und kurzärmelig)
  • Schwimmsachen
  • Sonnencreme & Mückenschutz
  • Flip Flops oder andere Schuhe, die nass werden können
  • Regenjacke/Regenhose (wobei das im eigenen Empfinden liegt, da man beim Wassersport ja ggf. sowieso nass wird)
  • Sonnenbrille
  • Trinkblase
  • Handy & Powerbank (zur Navigation)
  • ggf. wasserdichte Handyhülle*
  • Hängematte
  • Camping- und Kochausrüstung
  • Lebensmittel (wir dörren und vakuumieren unsere Gerichte mittlerweile, da man so mehr Vielfalt jedoch weniger Müll hat und es weniger Platz wegnimmt)
  • wasserdichte Packtonnen und -säcke
  • Wasserfilter
  • Sonnenhut oder Cappy
  • Mülltüten (keine Müllentsorgung an den Danus möglich, eventuell an Schleusen)
  • Axt/Säge (falls man die Feuerstellen nutzen möchte)
  • Schaufel/Klappspaten/Toilettenpapier
  • eine Sweatshirtjacke (wir hatten viel Wind und dadurch war es zwischenzeitlich recht kalt)
  • eBook-Reader oder ein klassisches Buch

Wir hatten zusätzlich noch unsere Drohne und Kamera dabei. Leider konnten wir die Drohne auf Grund starken Windes nur ein einziges Mal nutzen. Für einen nächsten Trip würden wir diese beiden Dinge zuhause lassen. 

Ganz wichtig finde ich tatsächlich ein Buch. Man hat sehr viel Freizeit an den Schlafplätzen und wenn man nicht gerade die ganze Zeit schwimmt oder am Lagerfeuer sitzt, können die Tage recht lang werden. Und wer sagt schon nein zum Lesen in der Hängematte? Mein Freund hatte zusätzlich noch ein Messer dabei, mit dem er Sachen geschnitzt hat. Für wen das interessant ist, sollte auf jeden Fall eins mitnehmen. Natürlich sind auch Kartenspiele eine Option.

Meine persönliche Erfahrung zum ersten Kanuabenteuer

Gestartet sind wir Sonntagmorgen, denn Reisegruppen starten normalerweise samstags und wir wollten diesen einen Tag Vorsprung geben, um an den Schlafplätzen unsere Ruhe zu haben. 

Das Wetter war sonnig und relativ windstill, also perfekte Bedingungen zum Kanufahren! Nachdem es uns einige Zeit kostete, das Kanu aufzupumpen und zu beladen, konnten wir endlich lospaddeln. 

Was soll ich sagen? 

Ehrlich gesagt war es anstrengender als erwartet. Vorab waren wir nur ein einziges Mal auf dem recht windstillen Kanal bei uns zu Hause paddeln, also war es fast wie ein Sprung ins kalte Wasser! 

Unser aufblasbares Kanu ist nicht ganz so stabil wie ein Alu-Kanu, das hat es oftmals zu einer etwas wackeligen Angelegenheit gemacht hat. Und da wir lediglich eine Finne haben und keinen Kiel, war auch das Spurhalten etwas anstrengend. 

Nach ca. 6 Kilometern und 1 ½ Stunden erreichten wir die erste Insel und schlugen unser Lager auf. 

Nachdem wir uns im Wasser ein wenig abgekühlt hatten, legten wir uns mit unseren Büchern in unsere Hängematten und entspannten. Dabei bekamen wir Gesellschaft von einer neugierigen Ente. Da wir sie und ihre Artgenossen immer wieder auf dem Kanutrip trafen, gaben wir ihr auch den kreativen Namen „Spiderduck”.

In den Folgetagen sah unser Ablauf immer gleich aus: ausschlafen, aufstehen, frühstücken, alles abbauen, Kanu beladen – darin wurden wir schnell routinierter – paddeln, einen geeigneten Schlafplatz finden, alles aufbauen, schwimmen, lesen, Abendessen, Sonnenuntergang, Film oder Serie auf dem iPad schauen.

Ein absoluter Kontrast zu meinen sonstigen Urlauben, in denen ich immer unzählige Spots einplane, um möglichst viel zu sehen. Dieser Kanutrip war eine super Gelegenheit, um vom stressigen (Arbeits-)Alltag abzuschalten. 

Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so viele Tage hintereinander so wenig gemacht habe.   

Während der ganzen Tour gab es nur einen Moment, in dem ich mir ein vorzeitiges Ende gewünscht habe. Es war Tag fünf. Den Nachmittag und Abend zuvor war es bereits sehr windig gewesen. Leider hatte der Wind auch am Morgen von Tag fünf noch nicht nachgelassen und die Wellen schwappten nur so ans Ufer. Wir mussten dennoch weiter, da man nur eine Nacht an den Übernachtungsplätzen verbringen darf. 

Das Kanu zu beladen war das erste Abenteuer, da es durchgehend schaukelte und sich drehte. Der Einstieg war dann die nächste Herausforderung. Wir versuchten, uns relativ nah am Ufer zu halten, mussten gleichzeitig aber aufpassen, dass uns die Wellen nur von vorne oder einem Winkel von 45 Grad trafen, da wir sonst sehr wahrscheinlich umgekippt wären. 

Kurz nach dem Lospaddeln sprang das Kanu nur so über die Wellen und ich wäre am liebsten direkt wieder umgedreht! Aber was wäre das Leben ohne Adrenalin-Momente? Nachdem mein Freund mir ein wenig zugeredet hatte, überstanden wir auch diese Fahrt und erreichten nach knapp 2 Stunden unsere ausgesuchte Insel. 

Ich war selten so froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben!

Außer diesem abenteuerlichen Tag und zwei verregneten Nächten, hatten wir in den sechs Tagen Glück mit dem Wetter. Am zweiten Tag nahm sich der Wind auch eine Pause und bescherte uns einen komplett ruhigen See, in dem sich sogar die Wolken spiegelten. Was ein Anblick! 

Da wir zu Midsommar in Schweden waren, wurde es auch nie so richtig dunkel und die Sonnenuntergänge waren einfach traumhaft schön. 

Würde ich so eine Schweden Kanutour noch einmal machen?

Auf jeden Fall! Denn trotz des Windes und der Wellen hatten wir eine tolle Zeit. Wir haben nur einen kleinen Teil des Sees gesehen, also lohnt es sich definitiv noch einmal zurückzukommen. Und dann vielleicht sogar mit einer Schleusendurchfahrt. Und wer weiß, vielleicht ist Spiderduck dann auch immer noch da. 


Sabrina Wolf beim Wandern - Gastautorin bei PASSENGER X
Am liebsten ist Irlandfan Sabrina gemeinsam mit ihrem Freund im selbst ausgebauten Van Ragnar in Europa unterwegs oder geht im Harz auf Stempeljagd beim Wandern. Dabei immer im Gepäck: Das Bedürfnis, Adrenalin zu verspüren. Sei es beim Ziplining, Quad- und Mountaincart fahren oder beim Canyoning. Ihr absolutes Herzensland ist und bleibt aber Irland. Schon 26 mal ist sie auf die grüne Insel gereist. 

Zu Sabrinas Artikeln

Teile diesen Beitrag:

Kommentar hinterlassen