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Ich bin dann mal weg … Nepal is calling

Es ist soweit, unglaublich. Vor rund 10 Monaten entstand die Idee, vor rund neun Monaten wurden Flüge gebucht, alles schien ewig hin und super unwirklich. Im Laufe des Jahres habe ich das Equipment gekauft, habe meine Schuhe eingelaufen, ein Visum beantragt und jetzt steht an diesem Sonntag den 30.09.2018 doch tatsächlich der Flug an, das Abenteuer geht los.

Vier Wochen lang werde ich in Nepal sein, dreieinhalb davon werde ich den Annapurna Circuit wandern und das nicht allein. Derjenige, der mitkommt ist der Grund, warum ich dieses Abenteuer überhaupt unternehmen werde, denn eigentlich bin ich alles andere als eine begeisterte Wandrerin. Ich reise gern und viel – wie ihr ja wisst – und ich bin sicher auch für das ein oder andere kleine Abenteuer aufgeschlossen, gehe schon einmal an die Grenzen meiner Ängste, aber ein 230 Kilometer Trek, der auf über 5.000 Meter führt, das stand bis Ende letzten Jahres nicht auf meiner Liste. Und ganz ehrlich das hätte ich mir auch eher nicht zugetraut.

Annapurna Circuit Wandern als Anfänger

WTF – Warum ich jetzt in Nepal wandern muss

Ja, richtig gelesen, ich MUSS in Nepal wandern. Klingt melodramatisch, aber es ist für mich ein Freundschaftsdienst, Ehrensache sozusagen. Mein guter Freund Frank, der träumt schon ewig von einer richtig großen langen Wanderung. Das wusste ich schon eine Weile. Von einigen tollen Wanderwegen hatte er mir erzählt, die würde er gern mal irgendwann machen. Was sagt da so eine überzeugte Reisende, wie ich: „Mach das! Das wird großartig, da wirst du noch lange dran zurückdenken.“ Doch nicht alle reisen gern allein und nicht alle trauen sich immer sofort ihre Träume in die Realität umzusetzen. Ich weiß das und verstehe das, habe ich doch selbst für mein Sabbatical 2016 einen Arschtritt von meinem Helden gebraucht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass alleine reisen über mehrere Monate wirklich was für mich ist, hatte Sorge, dass ich sprachlich nicht zurechtkomme oder in gefährliche Situationen geraten könnte.

Und was ist draus geworden? Ich habe den besagten Arschtritt bekommen, bin allein gereist, fand es großartig, habe mich Ängsten gestellt und tausend unfassbar tolle Erfahrungen gemacht. Das war so großartig, dass ich im letzten Jahr direkt noch einmal allein gereist bin, in Südamerika. Heute weiß ich, jeder Wunsch ist umsetzbar, irgendwie. Und das Wichtigste ist der allererste Schritt. Wenn man es schafft alle Wenns und Abers für einen kurzen Moment auszublenden und den allerersten Schritt zu machen, dann folgen die anderen Schritte nach und nach und aus einem riesigen scheinbar unbezwingbaren Berg, werden überschaubare Teiletappen. So zumindest meine Erfahrung.

Eine Reise in 13 Fotos - PASSENGER X stellt ihre schönsten Erinnerungen aus Peru vor

Nun gut, zurück zum Thema. Ich simste gerade mit Frank als ich im Dezember 2017 in Argentinien in einem Café meinen Nachmittag genoss, als das Thema Wandern wieder aufkam. Und dieses Mal wurde er deutlicher: er meinte, wenn er nur einen dieser Träume mal umsetzten würde, dann wäre das für ihn das Größte und dann kam der entscheidende Satz „und am liebsten würde ich das mit dir machen“. Ähhhhh……. Ok. Mir fiel die Kinnlade runter, denn das war mir neu. Aber wir hatten inzwischen so eine tolle Freundschaft miteinander, dass er sich wohl einfach gut vorstellen konnte, es mehrere Wochen mit mir auszuhalten und was vielleicht noch entscheidender war, er wusste, dass wenn ich was ansage, ich es auch umsetze. Und wie ich da so entspannt in Argentinien saß und eh noch nicht wusste, was 2018 passieren würde, wenn ich wieder zurück daheim sein würde, schrieb ich nur „Ok. Dann machen wir das. Solange wir es noch in 2018 umsetzen, bin ich dabei. Ich muss nur vorher einmal mit meinem Helden drüber sprechen.“

Rückblickend weiß ich, wie entscheidend dieser Moment war. Frank konnte es kaum glauben und ich war mir noch gar nicht so recht bewusst, wozu ich da gerade ja gesagt hatte.

Wir machen einen Traum war

Wenn man sich vornimmt einen Traum in die Realität umzusetzen ist der erste Schritt, wie schon gesagt, entscheidend. Mein „Ja“ war sicher der allererste Schritt, was aber noch viel wichtiger ist, ist das man es konkret macht. Für uns hieß das die Flüge zu buchen. Also saß ich im Januar in Peru am Schreibtisch in meinem Hotel und facetimte mit Frank, um gemeinsam die Flüge zu buchen. Damit war es offiziell, damit begann die ganze Vorbereitung. Als ich dann im März zurück in Berlin war, hieß es zu recherchieren, das Equipment zu kaufen (bisher hatte ich keinen Schlafsack, der auch bei Minusgraden taugt und auch keine Wanderstiefel) und für mich überhaupt mal mit dem Wandern anzufangen.
Also habe ich das Survival Training in der Schweiz gemacht und bin den Hexenstieg im Harz gelaufen. Meine Wanderstiefel waren damit eingelaufen und ich wusste, irgendwie wird das alles schon klappen. In den letzten Wochen waren wir dann noch beim Höhentraining. Dabei wird ein Raum so reguliert, dass die Höhe simuliert wird. Wir waren zuletzt beispielsweise auf 5.700 Metern. Dann geht es samt vollem Rucksack auf‘s Laufband für zwei Stunden. Klingt vielleicht komisch, aber das ist verdammt anstrengend und man erlebt in der Tat die Symptome der Höhe. Bis 4.500 Metern war für mich alles ok, etwas anstrengend, aber sonst keine Probleme. Beim ersten Mal 5.700 Metern durfte ich mich nach dem Training über Kopfschmerzen und Übelkeit freuen. Bis knapp 5.000 Metern war ich schon während meiner Südamerikareise, aber auch nie länger als ein paar Stunden. Das wird also spannend.

Annapurna Circuit Wandern als Anfänger

Das werden unsere größten Herausforderungen

Ok, erfahrene Alpinisten werden sich sicher denken „was macht die so ein Fass auf, das ist doch alles halb so schwer“, aber für uns werden die nächsten vier Wochen tatsächlich so einige Herausforderungen bereithalten. Denn wir sind eben keine erfahrenen Alpinisten, ich besitze ja erst seit kurzem überhaupt Wanderstiefel. Und eine rund 230 Kilometer Wanderung in den Bergen Nepals, heißt auch:

  • Verzicht auf so gut wie jeden Komfort
  • alle Klimazonen einmal zu durchlaufen: wir werden bei 30 Grad in Kathmandu ankommen und auf dem Pass wohl unter 0 Grad haben
  • Vier Wochen lang Non-Stop aufeinander hocken
  • Mit den Auswirkungen der Höhe zu tun zu haben
  • Ganz genau auf seinen eigenen Körper hören müssen, denn es sterben tatsächlich jedes Jahr Menschen bei dieser Wanderung, weil sie sich schlichtweg übernehmen
  • Sich um den anderen kümmern und zu schauen wie es ihm geht, denn wir laufen ohne Guide
  • Nur minimales Gepäck mitzunehmen, denn wir laufen ohne Sherpa
  • Damit zurecht kommen häufig keinen Kontakt nach Hause zu haben, denn Wifi und Netz sind eher selten vorhanden
  • Höhenangst zu überwinden, denn die haben wir beide und nicht nur, dass die Wege teils sehr schmal sein dürften (ich will gar nicht drüber nachdenken), werden auch so einige Hängebrücken auf uns warten. Wer Höhenangst hat, weiß wie „toll“ das ist.

Annapurna Circuit Wandern als Anfänger

Ihr seht, das ist doch Einiges. Es ist also schon lange nicht mehr nur Franks Traum, sondern auch für mich eine echte Challenge.

Und am Ende werden wir tanzen

Aber genau darum geht es, um all diese Herausforderungen und darum sie zu meistern. Den Pass zu überqueren, dort oben unsere Fähnchen aufzuhängen, uns in die Arme zu fallen uns selbst zu feiern und dann durchzuziehen und auch den kompletten Rest der Strecke noch zu laufen. Weiter zu gehen, als die Touristen, die sich in verkürzte Touren einbuchen, den gesamten Weg zu Fuß zu schaffen und am Ende vor Stolz auf uns selbst zu tanzen. Es uns selbst zu beweisen, dass Träume nicht unerreichbar sind, sondern nur einen mutigen ersten Schritt brauchen. Denn Träume sind zum leben da!

Annapurna Circuit Wandern als Anfänger

Ihr wisst also, wo ihr mich in den nächsten vier Wochen findet. Ich bin die, die verschwitzt und sicher etwas muffig (weil ich nur drei T-Shirts im Gepäck haben werde und nicht immer warme Duschen in den spärlichen Hütten vorhanden sind) mit dem lieben Frank durch Nepals Berge wandere, den Annapurna Circuit entlang, auf dem Weg einen Traum wahr zu machen. Einen, der inzwischen nicht nur noch seiner ist, sondern auch genauso zu meinem geworden ist.

Mein Handy ist dabei, vielleicht gibt es mal die Chance ein Foto zu teilen. Doch der Laptop bleibt zu Hause. Das heißt bis November wird es etwas ruhig auf PASSENGER X. Aber hey, unter den 417 veröffentlichen Artikeln, sind sicher noch einige, die du schon immer mal in Ruhe lesen wolltest, das ist dann jetzt die Chance, lach.

Also, um zu einem Ende zu kommen, wir lesen uns im November. Bis dahin wünsche ich euch einen großartigen Herbst und vielleicht packt ihr ja mal einen eurer Träume an, immer dran denken: es ist der allererste Schritt, auf den es ankommt.

Und an Frank: Ich freu mich auf unser Abenteuer, das wird groß!

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