Afrika, Reisen, Tansania

Wenn die Reise ins Paradies zu einer 7-teiligen Odyssee wird

Ein paar entspannte Tage, viele Schnorchelausflüge und warmen Sand unter unseren Füßen – so hatten wir uns unsere Tage auf den Trauminseln Sansibar und Mafia vorgestellt. Doch das Leben hatte andere Pläne. Murphy schien Langeweile zu haben und so wurden wir von einer nicht enden wollenden Pechsträhne verfolgt und unsere Reise ins Paradies zu einer wahren Odyssee. Es kann halt nicht immer alles gut laufen, auch nicht auf Reisen. 

Wenn du die Zeit und die Nerven hast, schnapp dir einen Kaffee oder vielleicht sogar eine Tüte Popcorn, denn hier kommen meine 9 großartigen Pannen auf Sansibar und Mafia.

1. Wenn das “Geschäft” wichtiger ist

Von Arusha aus fliegen wir nach Sansibar. Meine Vorfreude ist gedämpft, hatte ich mich in unsere letzte Unterkunft – die Massai Lodge – doch total verliebt und wäre am liebsten geblieben. Aber hey, man wird sich ja wohl nicht beschweren ins Paradies zu reisen oder? Türkises Wasser, weiße Korallenstrände – das soll uns erwarten. 

Traumurlaub Sansibar

Und so sehe ich uns mit Kokosnüssen in der Hand am Strand sitzen und zur Tiefenentspannung kommen. 

Mit diesem Gedanken steigen wir in Sansibar abends gegen 22 Uhr am Flughafen in Sansibar aus. Der Fahrer zu unserem Hostel wartet schon. Gute 1,5 Stunden dauert die Fahrt bis in den Norden der Insel, wo wir die nächsten Tage verbringen wollen. Beim Blick raus aus dem Auto, auf die lichtarmen ungleichmäßigen Straßen werde ich müde und so freue ich mich, als wir dann kurz vor Mitternacht endlich unser Ziel erreicht haben und zum stehen kommen. Jetzt will ich nur noch schnell einchecken und endlich schlafen. Die Hosteltür geht auf, wir treten in einen von Häusern umzingelten sandigen Innenhof und marschieren direkt zur Rezeption. Die zwei Jungs dahinter sagen kurz hallo und fangen erst einmal an, die Einkäufe, welche unser Fahrer wohl mitgebracht hat, zu entladen. Wir warten geduldig. Nachdem das erledigt ist, denken wir, werden wir ja wohl einchecken können. Doch einer der zwei verschwindet über die Treppen nach oben. 

Ich denke mir noch, er wird wohl Unterlagen, Schlüssel oder ähnliches holen. Nur irgendwie kommt er nicht mehr wieder.

Vor uns steht der zweite, ein Massai. Er schaut ein wenig verdutzt in der Gegend herum und macht keine Anstalten unsere Daten aufzunehmen. Wir beobachten die Situation einige Minuten lang. Schließlich haben wir schon gelernt “Hakunamatata” zu sein, die Dinge etwas gelassener zu nehmen. Doch irgendwann frage ich mich, ob denn hier überhaupt was passiert. Ich frage den Massai, der deutet an, der andere komme gleich, wir könnten doch so lang in den schaukelnden Bänken Platz nehmen. Doch danach ist mir nicht. Ich will wirklich nur noch ins Bett. Meine Müdigkeit schlägt sich langsam auf meine Laune und ich werde ungeduldig. Wir stehen nun sicher schon seit 20 Minuten hier rum und es tut sich absolut nichts. 

Pole Pole – langsam langsam…. versuche ich mich zu beruhigen. 

Ich schaue meinen Helden an und frage mich, ob er sich denn gar nicht wundert. Doch der scheint im Langsam-Modus angekommen zu sein und darauf zu vertrauen, dass das hier schon alles richtig laufe. Ok, dann warten wir eben. Nach weiteren 15 Minuten reicht es mir. Ich verstehe einfach nicht, worauf genau wir warten. Es ist inzwischen nach Mitternacht und vor uns steht immer noch ein in der Gegend rumschauender Angestellter, der sich nicht von der Stelle rührt. Ich frage ihn erneut, wann wir denn nun endlich einchecken können, mache ihm klar, dass ich schlafen gehen will und dass ich nicht verstehe, worauf wir denn warten. Mein Gesicht scheint die schlechte Laune offen zu legen und so ruft er nun seinen Kollegen an. Wir hören das Handy direkt über uns klingeln. Es dauert weitere 5 Minuten bis zu dem Handyklingeln auch eine Aktion erfolgt. Monsieur bequemt sich die Treppe runter und scheint erstaunt uns noch hier stehen zu sehen. Immerhin spricht er besseres Englisch. So erfahre ich, als ich ihn nun schon völlig entnervt frage, ob wir nun endlich einchecken können und worauf wir denn hier die ganze Zeit warten würden, dass er auf Toilette gewesen sei. Es täte ihm leid. 

Ich glaube das Knirschen meiner Zähne in diesem Moment, muss über einige Kilometer hinweg zu hören gewesen sein. 

Wir warten hier übermüdet seit 45 Minuten, weil er auf den Pott musste? WTF. 

Fazit: Pole Pole (langsam langsam) ist nicht immer die Lösung. 

 

2. Müll statt Traumstrand

Am nächsten Morgen hängt mir die letzte Nacht noch nach. Meine Laune ist zugegeben noch getrübt, als wir uns auf den Weg zum Traumstrand von Nungwi machen. Kaum verlassen wir das Hostel und ziehen durch die Dorfstraßen Richtung Meer, komme ich nicht umhin, all die bunten Plastikteile am Wegesrand wahrzunehmen. Neben jedem Haus, aber auch auf den Straßen, neben den grasenden Kühen, zwischen den Hühner und auf dem Dorfplatz – überall liegt der Plastikmüll herum. Umso näher wir dem Strand kommen, um so schlimmer scheint es zu werden. Es ist – was wir nicht wussten – Ebbe und so ist Korallenstrand von Nungwi eher eine Seegrasweide als ein Traum. Die vollkommen schattenfreie Fläche ist überzogen von grünen glibberigen Gräsern, dazwischen liegt der Plastikmüll. Natürlich hatte ich davon während meiner Reiserecherche vorab nichts gelesen. Ich bin schockiert und dieses Gefühl, des vermüllten Paradieses wird leider auch die nächsten Tage noch anhalten. (Mehr zum Müllproblem auf Sansibar und was du dagegen tun kannst, habe ich dir in einem gesonderten Artikel zusammengeschrieben)

Müllproblem Sansibar - Reisebloggerin PASSENGER X ist erschrocken

 

3. Angekommen in der Service-Wüste

Nachdem wir im hohen Norden dann doch noch einen schönen Strand gefunden hatten und ein paar wirklich entspannte Stunden genießen konnten, machten wir uns auf in den Süd-Osten Sansibars. Denn auch dort wollten wir ein paar Tage verbringen. Wir freuten uns auf einen Bungalow direkt am Strand und hofften auf durchgängig gute Erfahrungen. Doch genau das Gegenteil sollte der Fall werden. Die Blue Earth Bungalows in Jambiani sollten sich schnell als absoluter Service Fail herausstellen. Schon bei unserer Ankunft wurde uns das klar. Als wir mit unserem Taxi auf dem Gelände ankamen, rührte sich nichts. So musste unser Fahrer erst einmal selbst das Tor der Unterkunft öffnen. Beim Gepäck entladen kam ebenso keine Spur von Hilfe, stattdessen saßen die einzigen zwei Herren, die zur Unterkunft zu gehören schienen, in einer Ecke und beobachten uns, während sie am Handy rumspielten. Erst als wir entschlossen auf die zusammengeschustert wirkende Rezeption zugingen, bewegte sich einer. Kennst du das, wenn dir Menschen von der ersten Sekunde an, unsympathisch erscheinen? Genau so ging es mir hier. Der scheinbare Manager wirkte auf mich wie ein Schlitzohr. Das aufgesetzte Lächeln, sein Blick – von Sympathie keine Spur. Er führte uns ins Zimmer, welches auf den ersten Blick ok zu sein schien. Wir luden unsere Sachen ab und stellten, kaum war er weg, beim genaueren Hinsehen fest, dass hier alles deutlich in die Jahre gekommen war. Von dem mehr als dürftig eingerichteten Badezimmer mal abgesehen – mit einer schlichten Ausstattung hatten wir ja gerechnet – war vieles einfach auch defekt. Der Klodeckel dermaßen gebrochen, dass er in den Oberschenkel einschnitt, die Spülung im Prinzip nutzlos, sämtliche Lampen sowie der “Ventilator” vollkommen verrostet und das Bett mit 1,85 m Länge viel zu kurz für meinen Helden.

Odyssee im Paradies -schlechte Unterkunft Sansibar

 

So richtig sauber wirkte es auch nicht, was sich dann am nächsten Tag bestätigte, als ich die Putzfrauen in die anderen Bungalows gehen sah. Wo gerade ausgecheckt und damit komplett gereinigt hätte werden müssen, gingen sie nur mit dem Besen durch und sprühten einmal mit Insektenspray um sich. Bettwäsche hatten sie aber irgendwie nicht dabei. Da war mir schon mulmig, überhaupt das inklusive Frühstück wahrzunehmen. Mit gemischten Gefühlen begaben wir uns ins “Restaurant”, wo zwei andere Tische bereits besetzt waren und bedient wurden. Mr. Manager lief dreimal an uns vorbei, ohne uns anzuschauen oder gar “Guten Morgen” zu sagen. Als wir ihn dann auch noch die Dame am Nebentisch anblaffen hörten “Eben wollten sie doch keine Gabel, haben sie doch gesagt. Schon vergessen.” und wir zudem die Gesichter der anderen Gäste beim Blick auf deren Teller sahen, beschlossen wir es sei genug. Wir setzten während der nächsten drei Tage keinen einzigen Fuß mehr ins Restaurant. Stattdessen schlossen wir ein benachbartes Hotel mit seinem tollem Personal und der guten Küche ins Herz. Wir wunderten uns übrigens, dass die Bewertungen der Unterkunft bei unserer Buchung so gut gewesen waren. Also schauten wir da noch einmal rein und siehe da: die letzte Deutsche Bewertung, nur wenige Tage alt, klang dann schon ganz anders “ Die Lage ist gut, das ist aber auch schon alles.”.

Übrigens hatte ich auch  mit meinem Schlitzohr-Gefühl recht. Denn als mein Held nach einem Leihfahrrad fragte, wollte Mr. Manager doch direkt mal 10 Dollar für ein Klappergestell haben. Im guten Hotel nebenan wurden vernünftige Räder für 5 Dollar Leihgebühr geboten. Na, versuchen kann man es ja mal.

Fazit: Eine gute Lage sagt noch nichts über die Unterkunft aus.

 

4. Noch so ein Unterkunftsfail

Du kannst dir sicher vorstellen, wie sehr ich also auf unsere letzte Unterkunft auf Sansibar, ein schwimmendes Floß namens Dreamers Island hoffte. Ich gehe jetzt mal nicht darauf ein, dass die Angestellten einen bekifften Eindruck machten, oder dass es ausschließlich regnete, wodurch wir vom Floß absolut nichts hatten. Nur zwei Dinge sollen hier zur Pechsträhne hervorgehoben werden: Zum einen schien unser Flosshostel laut Bildern schön abgelegen zu sein, es lag aber tatsächlich mitten im beschäftigten Hafen. Wir waren also nicht nur von hunderten von Fischerboten umgeben, sondern hatten auch einen “tollen” Blick auf den Frachthafen, der im übrigen auch nachts noch gut beschäftigt ist. Dazu kam Dauerregen. 

Pech in Tansania - wenn der Traumurlaub zur Odyssee wird

Noch schöner war aber, dass wir morgens um 5.30 Uhr wach geklingelt wurden, weil das Telefon, welches wir für den Fall mitbekommen hatten, das wir ein Boot wollten, um zum Festland zu kommen, klingelte. Wer war dran? Die Mutter einer der Angestellten. Die wir genauso wenig verstanden wie sie uns. Sie versuchte es daraufhin direkt noch ein paar Mal. Wir waren dann auch wach. Glückwunsch.

 

 

5. Die unbekannten Passagiere

Endlich geht es weiter nach Mafia Island und so hoffe ich auf das Ende unserer Pechsträhne. Vielleicht verfolgt uns diese ja nur in Sansibar.

Aber nichts da. Es wird noch schlimmer.

Unser zuverlässiger Taxifahrer setzt uns am Flughafen ab, bis dahin alles gut. Doch dann geht das Chaos erst so richtig los. Mit unserer ausgedruckten Buchungsbestätigung stehen wir in der Abflughalle, welche aus 5 improvisierten Schaltern besteht. Hinter jedem dieser Schalter sitzen jeweils 1-4 Angestellte. Vor den Schaltern ist absolut nichts los. Keine Menschen. 

Wir denken also schnell einchecken zu können. Doch unsere ausgeschriebene Airline passt zu keinem von den Schaltern. Wir fragen also nach. Der Erste kann nichts mit uns anfangen und der Zweite auch nicht. Wild diskutieren sie durcheinander. Bis schließlich allesamt ihre Systeme nach unseren Namen durchgehen. Immer wieder sagen sie uns, unseren gebuchten Flug würde es so nicht geben. Zu der Zeit fliege keiner der Flieger. Ich frage: könnte es sein, dass wir doch zum anderen Terminal müssen. Nein, das sei ausgeschlossen. Immerhin wäre es ja ein Inlandsflug und dies hier die einzigen Gesellschaften, die den ausführen. Die Situation wiederholte sich immer wieder. Es wurde diskutiert, es wurden Systeme gecheckt, doch alle zuckten nur mit den Schultern. Mit schlechter Laune oder Ungeduld würden wir hier nicht weiter kommen, so viel war mir klar. Auch wenn in meinem Kopf schon die vielen Dollar aufblinkten, die wir wohl zahlen müssten, um neue Flüge zu buchen. Denn an diesen Flug war  auch noch ein Anschlussflug geknüpft.

Da sah einer der Schalter-Herren mein verzweifeltes Gesicht und erbarmte sich die Situation zu übernehmen. Auch er prüfte noch einmal, diskutierte noch einmal und erklärte uns dann schlussendlich im ruhigen Englisch: keiner hier hätte unsere Namen in seinem System. Aber er würde nun jemanden von weiter oben fragen. Wir schauten uns an, eigentlich sollte unser Flug in nun nicht einmal 20 Minuten gehen. Wohlgemerkt der teuerste Flug der ganzen Reise. 

Da erschien aus einem Seitengang der Herr “von weiter oben” und deutete uns, wir sollten uns beeilen. Unser Flug würde vom anderen Terminal gehen und es sei schon Boarding. Anderes Terminal…….. ich sparte es mir dazu etwas zu sagen. Bedankte mich stattdessen überschwänglich bei allen und flitze mit meinem Helden zusammen los, ab zum anderen Terminal.

Odyssee auf Sansibar - wenn die Flüge nicht hinhauen

In Dar Es Salaam angekommen (der angeblich modernsten Stadt Tansanias) heißt es Gepäck holen, durch den Sicherheitscheck und dann den Schalter zum Check In finden, denn wir fliegen mit einer anderen Airline weiter nach Mafia Island. Doch wo sind jetzt die Check In Schalter? Statt dieser sehen wir nur Taxifahrer, die direkt auf uns zustürmen und uns einen Shuttle für 10 $ anbieten. Shuttle? Kann doch nicht sein. Der Flughafen hier ist doch winzig. Ich gehe zur info während mein Held den Flughafen nach Schildern absucht, die auf den Check In hinweisen. 

Die junge Dame an der Info grinst in einer Mischung aus Schüchternheit und Amüsement und bestätigt: ihr braucht ein Taxi. Der Weg zum anderen Gate wäre zu weit. Mein Held kommt mit der gleichen Botschaft wieder. Es seien zwar nur 2 km, aber der Weg ist nicht ausgeschildert. Nicht das irgendetwas davon bei der Buchung oder auf unserer Flugbestätigung als Info gestanden hätte. Der Ticketschalter unserer Airline an der sogar zart “shuttle” dran steht, ist nicht besetzt. Stattdessen steht dort eine Handynummer, die man anrufen soll. Angesichts der Auslandsgebühren für Telefonate lassen wir das. Meinem Frust geschuldet, gehe ich hart in die Verhandlung mit einem der Taxifahrer, der immer noch daran glaubt uns Touris den nicht einmal fünf minütigen Shuttle für 10$ verkaufen zu können. Eine Frechheit!!! Bei 5 Dollar einigen wir uns schlussendlich. 

Fazit: Hast du so ein Bauchgefühl, dann überprüfe deine Ahnung, auch wenn andere meinen das sei ausgeschlossen. 

 

6. Der Gipfel der Odyssee

Auf Mafia angekommen scheint unsere Pechsträhne vorbei zu sein. Wir kommen in einer von Locals betriebenen Unterkunft an, in der jeder einzelne Angestellte die Herzlichkeit eines wahren Freundes zeigt. Wir fühlen uns pudelwohl und schließen auch mit dem Haus- und Hofhund schnell Freundschaft. Alles gut. Unser Walhai-Schnorcheltour wird ein Erfolg, wir sichten mehrere der friedlichen Riesen. So  planen wir am Abend weitere Ausflüge für die Folgetage. Eine Tagestour zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Insel ist unser nächstes Vorhaben. 

Pech in Tansania - wenn der Traumurlaub zur Odyssee wird

Am Morgen regnet es während wir beim Frühstück sitzen, doch wir sind, so wie auch die Angestellten, voller Hoffnung, dass der Regen bald aufhören wird (immerhin ist keine Regenzeit). So fahren wir dennoch los. Auf dem Programm steht erst eine zweistündige Fahrt zum Leuchtturm ganz im Norden, dann ein Strandausflug und der Ort, an dem sich die Nilpferde der Insel aufhalten. Ich freue mich auf das Programm. Doch irgendwie will der Regen einfach nicht aufhören. Ungünstig, da wir im offenen Jeep sitzen und nur von einem Planendach geschützt werden. Doch dank Fahrtwind landet der Regen darunter. 

Nicht nur wir sind regengetränkt, auch die sandig-steinige hubbelige Straße. Sie ist inzwischen an diversen Stellen zu rotem Schlamm mutiert, der mich an die Wände der Massai Häuser erinnert. So kommt es, wie es kommen muss: wir bleiben stecken. Fahrer, Guide und mein Held springen raus, sammeln Steine, um mit ihnen die schlammige Stelle nahe der Reifen befahrbarer zu machen. Das hift und so fahren wir 15 Minuten später fahren weiter. 

Angekommen am Leuchtturm meint es eine kurze Regenpause gut mit uns. Doch kaum, dass wir weiter wollen, schüttet es erneut wie aus Kübeln. Die Straße, die uns schon herführte ist inzwischen noch schlammiger und so bleiben wir erneut stecken. Doch dieses Mal ist es nicht mit ein paar Steinen getan. 

Mehr als zwei Stunden laufen wir barfuß durch den roten Schlamm. Dabei ist höchste Aufmerksamkeit gefragt, denn in dieser Matschepampe stecken überall kleine spitze Steine, welche die Füße fies einschneiden. 

Schützende Schuhe machen keinen Sinn, denn diese bleiben im Schlamm stecken. 

Pech in Tansania - wenn der Traumurlaub zur Odyssee wird

Wir Suchen nach Steinen, Stöcken und allem, was irgendwie diese Schlammlöcher in denen wir stecken füllen könnte. Dann wird der Motor gestartet, das Auto mit aller Kraft angeschoben und versucht vorwärts zu kommen. Doch kaum kommen wir einen Meter weiter, stecken wir erneut fest. Die Männer holen einen Wagenheber aus dem Jeep und krabbeln anschließend unter das Auto um die Steine auch wirklich ideal unter den Rädern zu positionieren. 

Von Kopf bis Fuß sind sie nun voller rotem Schlamm. 

Meine Beine, Füße und Hände sehen ähnlich aus. Während ich Steine aus dem Gebüsch hole, passe ich auf mich nicht an der Dornenakazie zu stechen. Der Regen prescht weiter und es scheint schier ein endloses und freudloses Spiel. In ein paar Metern wäre die Straße fester, aber wir erreichen diesen Abschnitt einfach nicht. Auch andere Autos, die vielleicht helfen könnten, kommen hier nicht vorbei. 

Inzwischen ist es später Nachmittag und so beschließen wir ins nächste Dorf zu laufen, um von dort aus Hilfe zu holen. 

Wir gehen durch Büsche, um an den Strand zu gelangen. Hier läuft es sich leichter und wir können uns kurz im Meer waschen. Den rot verschlammt wollen wir nicht im nächsten Dorf ankommen. Nass sind wir ja eh schon. 

Angekommen im nächsten Dorf ruft unser Guide seinen Chef an, doch leider stellt sich heraus, dass er kein anderes Auto schicken kann. Die Straße ist inzwischen über Kilometer hinweg so aufgespült, dass sie kein normales Auto bewältigen kann. Der Jeep ist schon unsere beste Chance. Welch niederschmetternde Nachrichten.

Unser Guide beschließt im Dorf 10 Leute zusammenzutrommeln. Während wir durchnässt auf der Terrasse eines schlichten Gästehauses warten, gehen die Männer zurück zum Auto und versuchen nun mit verstärkten Kräften das Auto aus dem Schlamm zu befreien. Da es die gesamte Zeit über nicht aufgehört hat stark zur regnen, ist die Situation allerdings nicht gerade leichter geworden. Ob sie es schaffen werden? Wir rechnen die Chancen nicht besonders hoch aus. Denn auch wenn die Straße zunächst besser werden würde, wissen wir auch, dass weitere tükische Stellen warten. Die Sonne geht in den Regenwolken unter und der Wind zieht auf. Ungemütlich. Mir wird kalt und wir haben auch nach 1,5 Stunden immer noch nichts von den Jungs gehört. Wie werden wir wohl die Nacht verbringen? Und kommen wir hier überhaupt noch einmal weg? Was ist, wenn es morgen dann auch immer noch regnet? 

Pech in Tansania - wenn der Traumurlaub zur Odyssee wird

Wir haben keine Ahnung wie lang dieses unfreiwillige Abenteuer noch dauern wird. Das ist für mich das Nervigste daran. Warten zu müssen und nichts machen zu können.

Wer hätte das gedacht. Dass wir in der Hochsaison außerhalb der Regenzeit im Paradies in so ein Schlamassel kommen.

Endlich nach über zwei Stunden kommt unser Guide aus dem Dunklem zurück: sie haben es geschafft. Wahnsinn. Sie haben 45 Minuten Fußweg lang im strömenden Regen das Auto von einer Schlammgrube in die nächste geschoben bis es endlich auf festerem Grund angekommen war.  Jetzt können wir endlich den Rückweg antreten. Zwei Stunden Fahrt liegen noch vor uns. 

Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer. 

Nach 20 Minuten kommen merkwürdige Geräusche vom Motor. Wir schaffen es noch bis ins nächste Dorf, in dem ein paar wenige Hütten stehen. Fahrer und Guide verschwinden im Dunkeln, ohne uns zu sagen, was los ist. Eine Stunde lang, wissen wir nicht wo sie sind und sitzen im Dunkel  im Auto mitten in der Pampa. Wieder warten und nichts tun können. Nicht gerade meine Lieblingsdisziplin. Später erfahren wir, dass sie jeden noch so kleinen Shop abtelefoniert und besucht haben. Denn wir hatten keinen Sprit mehr. Die Odyssee des Steckenbleibens und die Tatsache, dass das Auto den gesamten Tag lief, hat den Tank verbraucht. Doch die Suche nach Sprit, hier mitten im Nichts, ist kein leichtes Spiel. Es dauerte eine Stunde, bis sie endlich jemanden fanden, der wenigstens noch ein paar Liter Sprit übrig hatte. Diese füllen sie nun auf. 

Doch der Motor hatte schon längst vom leeren Tank gesaugt und so muss unser Fahrer erst noch unter der Motorhaube basteln, ehe es weiter gehen kann. Dann  endlich geht es wirklich Richtung Unterkunft. Die Autolichter entblößen die steinige Straße. Geschickt manövriert der Fahrer das klappernde Auto zwischen riesigen Pfützen. Mir fallen die Augen immer wieder zu, dann schrecke ich wieder hoch und sehe erneut im Scheinwerferlicht diese Horrorstraße. Unvorstellbar, dass hier in der Regenzeit überhaupt noch irgendein Auto fahren kann. Mir ist kalt, ich habe tierischen Hunger, doch der wird noch von der Müdigkeit übertroffen. Endlich, nach knapp zwei Stunden erreichen wir die befestigte Straße doch.

Ich atme auf und denke, jetzt ist es bald geschafft. Doch dann macht der Motor erneut merkwürdige Geräusche und wir kommen zum stehen.   

Noch bevor ich fragen kann, was los ist, sehe ich ein Licht auf uns zufahren. Ein Motorradfahrer, der gezielt neben uns anhält. Fahrer und Guide scheinen zu wissen was los ist. Die paar Liter Sprit, das wussten sie, würden nicht reichen. Und so hatten sie schon von unterwegs jemanden gerufen, der uns auf der befestigten Straße abfangen und mit weiterem Sprit versorgen könnte. So dauert es dieses mal auch nur ein paar Minuten, bis der Tank gefüllt ist und unser Fahrer wieder am heißen Innenraum rumgebastelt hatte, so dass wir weiter können. 

20 Minuten später, gegen halb eins nachts, 16 Stunden nachdem wir losgefahren waren, biegen wir auf den kleinen Weg zu unserer Unterkunft ab und ich kann es nicht glauben: wir sind da! Wir sind wirklich da. Als der Fahrer das Auto parkt und ausschaltet, klatschen wir alle und lachen. Was für ein Tag. Damit hat keiner gerechnet. Dieses ungewollte Abenteuer wird uns allen in Erinnerung bleiben.

 

7. Das Beste daraus machen

Tatsächlich soll der Regen uns noch nicht in Ruhe lassen. Bis zu unsere Abreise, drei Tage später, wird sich die Hochsaison zur Regensaison wandeln. Immer wiederkehrender üppiger Regen gepaart mit starkem Wind sorgen nicht nur dafür, dass wir alle geplanten Ausflüge streichen, sondern auch noch das Stromnetz zusammenbricht. Und dennoch wird uns Mafia Island in positiver Erinnerung bleiben. Denn anstatt Trübsal zu blasen, lesen wir unsere mitgebrachten Bücher und lassen uns von den den Leuten aus der Unterkunft, die inzwischen zu Freunden geworden sind, zeigen, wie man das afrikanische Brettspiel Bao spielt.

Pech in Tansania - wenn der Traumurlaub zur Odyssee wird

Wir mögen nicht den Traumurlaub gehabt haben, den wir uns auf den zwei Inseln erhofft hatten und mit dem wohl auch normalerweise zu rechnen ist, wenn man Sansibar und Mafia bucht, dafür haben wir neue Freundschaften geschlossen und ein Abenteuer erlebt, von dem wir wohl noch als alte Greise erzählen werden. Damals… in Afrika.  

 

1 Kommentar

  1. Sabine von Ferngeweht

    7. Januar 2020 at 21:48

    Ach herrje, was für eine Odyssee! Gut, dass Ihr den Humor nicht verloren habt. Mir wäre wahrscheinlich mehr als einmal der Geduldsfaden gerissen …

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