Berlin, Unternehmungen

Nineties Berlin – Tauche ab im Spirit der 90er Jahre

Berlin in den 90er Jahren – eine Stadt im Umbruch. Mehr Wandel hätte wohl kaum sein können. Die Mauer war gerade erst gefallen, Ost und West prallten aufeinander. Häuser wurden besetzt. Doch der politische Wandel war nicht das Einzige, was die Stadt beschäftigte. Eine ganz andere, neue Bewegung machte sich breit und bestimmte den Spirit der 90er in Berlin: Techno. Im Berlin der 90er vibrierte die Luft. Wer Lust hat das noch einmal nachzuempfinden, noch einmal abzutauchen in diese wilden Zeiten – für den gibt es seit diesem Sommer ein Ort, der es möglich macht: das Nineties Berlin.

Als mich die Einladung erreichte, mir die multimediale Ausstellung Nineties Berlin anzuschauen, brauchte ich nicht lang überlegen. Als Berlinerin, die in den 80ern geboren wurde und die Love Parade ihre Jugend über für eine unumstürzliche Institution hielt, ist die Neugierde naturgegeben riesig, wenn es um Berlins jüngste Geschichte geht.

Das Nineties Berlin ist kein staatliches Museum und so hatten die Kuratoren keinerlei Auflagen oder Einschränkung in der Gestaltung der Ausstellung. Das Ergebnis von soviel Freiheit? Eine multimediale Ausstellung, welche mit diversen Berliner Größen aufwartet.

Eindrücke von allen Seiten – der Auftakt vom Nineties Berlin

Schon im ersten Raum tauche ich ab, bin mitten drin, zurück in den 90ern. Um mich herum feiern junge Wilde in zu großen Jeansjacken, an einer anderen Ecke wird demonstriert und da hinten brennt etwas. All das passiert auf einer riesigen mich umgegebenen Leinwand. Originales Bildmaterial flimmert an mir vorbei und zeigt mir die Facetten der Hauptstadt zwischen 1990 und 2000. Dabei kann ich entweder Platz nehmen und mich eher auf eine Stelle der Szenerie konzentrieren, oder aber durch den Raum gehen und so die geballte Wucht aller Bilder aufnehmen.

 

Persönliche Erinnerungen an die 90er Jahre – Berliner erzählen

Ein schmaler Gang mit hohen Wänden ist der Form des Mauerverlaufs nachempfunden. Er soll mich in den nächsten Raum bringen. Rechts und links hängen Bilder aus dem Grenzgebiet der Mauer und da entdecke ich doch direkt die Bornholmer Straße. Nur wenige Meter weiter von meiner heutigen Wohnung, verlief damals die Mauer. Wo heute eine kleine Open Air Ausstellung ist, haben damals noch Soldaten entlang der Grenze patrouilliert. Für mich als jemand, der noch zu klein war, um sich an die Zeit vor dem Mauerfall zu erinnern, ist es immer wieder eine irre Vorstellung, dass ich meine Straße nicht hätte bis zum Ende gehen können, weil mittendrin eine Mauer stand.

Berlin Nineties - so war Berlin in den 90er Jahren

Augenzeugenberichte finde ich stets hilfreich, um die eigene vage Vorstellung der Vergangenheit mehr Realität einzuhauchen. Gleich 13 Interviews mit den unterschiedlichsten Protagonisten werden einem bei Nineties Berlin geboten. Diese erzählen von der gleichen Zeit, aber aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Hier stehen sich Besetzer, Hooligans und Polizisten gegenüber, ebenso wie Clubbesitzer, Bürger und Politiker. Das gibt einen wirklich umfangreichen und diversen Eindruck, genau so, wie eben auch die 90er Jahre in Berlin waren. Es gab eben nicht nur ein Thema und eine Bewegung, sondern viele Aktionen, Schauplätze und Bewegungen.

 

Nineties Berlin – eine fotogene Ausstellung

Voller neuer Eindrücke und bewegender Geschichten geht es weiter. Und da staune ich nicht schlecht, denn mitten in der Ausstellung steht doch tatsächlich ein riesiges Stück der Berliner Mauer. Einfach war es nicht diese hier her zu bekommen, aber die Macher haben nicht lockergelassen. Richtig so, gibt dieses auffällige Ausstellungsstück seinem Raum doch einen ganz besonderen Charakter. Im Sommer wird hier das Dach geöffnet und so ergibt sich ein irrer Blick, der geradezu zum Fotografieren einlädt.

 

Beängstigend und beeindrucken

Ebenso fotogen, aber auch extrem bedrücken ist die Installation nur zwei Schritte weiter.

Gleichmäßig und bedrohlich angeordnet zielen unzählige Waffen auf mich. Ich weiß sie sind nicht scharf und mir wird nichts passieren, doch das ungute Gefühl bleibt. Und das ist genau der Effekt, der hier gewollt ist. Die Mauer forderte Tote und denen wird hier auf beeindruckende Weise gedacht.

Berlin Nineties - so war Berlin in den 90er Jahren

Hat man eben noch einen Kloß im Hals gehabt, fängt man im nächsten Ausstellungsraum unweigerlich an Tanzlust zu entwickeln. Techno, Baby! Berlins wilde Clubszene und große Bewegung der elektronischen Tanzmusik ist ein denkwürdiger Teil der 90er Jahre gewesen. Und so hat man Legenden, wie dem Tresor hier einen eigenen Raum gewidmet. Doch um ihnen näher zu kommen, muss man sie erst im Labyrinth aufspüren. Dafür gibt es dann auch ein großes finale.

 

Nineties Berlin – der kleinste Club der Welt?

Was 1989 unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ mit 150 Menschen angefangen hat, war 10 Jahre später mit 1.500.000 eine der bedeutendsten Techno Parade weltweit: die Loveparade. Wie könnte man von den 90er erzählen, ohne nicht auch dieses gigantische Event zu würdigen? Undenkbar. Im Nineties Berlin wird die Love Parade aber nicht einfach nebenbei erwähnt, ihr zu Ehren wurde extra ein voll verspiegelter Raum mit DJ Pult errichtet. Groß ist er nicht, eindrucksvoll und stimmungsmachend jedoch schon. Ein paar Quadratmeter, Partylicht, Spiegel und sämtliche Loveparade Hymnen reichen, um in Partystimmung zu kommen. Und so kann sich dieser finale Raum der Ausstellung bei Gruppenbesuchen schon einmal in eine Art Club wandeln. Dem vielleicht kleinsten Club der Welt.

Berlin Nineties - so war Berlin in den 90er Jahren

Sonderausstellungen:

Du bist großer Sneaker Fan oder willst noch mehr vom Techno der 90er erleben? Dann achte auf die Sonderausstellungen, welche Nineties Berlin 2019 geplant hat.

Infos Nineties Berlin:

Website
Adresse: Molkenmarkt 2, 10179 Berlin
Preise: Erwachsene: 12,50 €, ermäßigt: 8,50 €
Öffnungszeiten: täglich von 10 – 20 Uhr

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