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Richtig verhandeln in Marrakesch – so wirst du nicht abgezockt

Gute Lederwaren, handgeschnitzte Holzmöbel, schöne Teppiche, orientalische Lampen, Körbe, Arganöl, Gewürze – ach Marrakech ist einfach ein Shoppingparadies für Interiorfans, Shoppingqueens und Schnäppchenjäger. Unzählige kleine Shops laden in der Medina zum Stöbern ein. Doch dabei bleibst du nicht ungestört. Sobald du dein Lauftempo in der Nähe eines Shops verlangsamst, um dich umzuschauen, spricht dich mindestens ein Verkäufer an. Natürlich bietet er dir die schönsten Produkte zu den besten Preisen, „good price my friend“. Der unvorbereitete Tourist könnte dieses Versprechen glatt glauben. Das wäre aber ein großer Fehler. Denn anders als bei uns in Deutschland gibt es in Marrakech im Prinzip keine Festpreise. Die Händler werden, ganz egal in welchen Shop du bist, immer mit für marokkanische Verhältnisse horrenden Preisen einsteigen. Wenige Ausnahme bilden in Marrakech das Ensemle Artisanal und ein paar edlere Boutiquen. Diese schreiben tatsächlich Festpreise aus. Doch das authentische Shoppingerlebnis erwartet dich eben in den Souks. Wenn du dort nicht abgezockt werden willst, solltest du wissen wie Verhandeln in Marrakesch funktioniert. Deshalb verrate ich dir erst neun unschlagbare Tipps, mit denen du zum echten Verhandlungsprofi wirst und sag dir dann auch noch, zu welchen Preisen ich meine Mitbringsel gekauft habe.

Richtig verhandeln in Marrakech - PASSENGER X verraet wie es funktioniert

 

Neun Tipps für das Verhandeln in Marrakech

 

  1. Schaue dich an deinem ersten Tage in Marrakech nur um und kaufe noch nichts

In Reiseführern heißt es oft, man solle gleich kaufen, weil man den Laden später sicher nicht wiederfindet. In den sogenannten Souks, den Marktgassen, wäre das tatsächlich nicht wunderlich. Das ist aber nicht schlimm. Denn eigentlich bekommt man die gleichen Produkte in einer Vielzahl von Geschäften angeboten. Du brauchst dich also nicht sorgen, dein Mitbringsel nicht mehr zu bekommen.

Für eine gelungene Verhandlung ist es wichtig, erst einmal eine Idee davon zu bekommen, wie unterschiedlich die Qualität sein kann und sich auch schon einmal die Erstangebote der Händler anzuhören. Diese werden direkt versuchen mit dir zu verhandeln. Selbst wenn du dankend ablehnst, werden sie dir im Gehen einen bedeutend niedrigeren Preis hinterherrufen, als sie dir noch beim Betreten des Geschäftes genannt haben. Diese Preise solltest du dir merken.

 

  1. Erst an deinem letzten Tag gehst du gezielt los und zwar morgens gegen 10.30 Uhr

Viele Geschäfte haben bis spät in den Abend offen, morgens hingegen startet das Geschäft gemächlich. Gegen 10/10.30 Uhr ist es in den Souks noch ruhig, einige Händler bauen noch auf, es sind kaum Touristen unterwegs und so ist die Stimmung perfekt, um in Ruhe zu schauen und ins Gespräch mit den Verkäufern zu kommen. Du bist entspannt, sie genauso.

 

  1. Bleibe immer freundlich

Der Tipp klingt zwar super banal, aber glaube mir, dass kann man schon einmal vergessen, wenn der X-te Händler sein Glück an dir versucht. Ganz egal, wie genervt du bist, bleibe bei einem freundlichen Lächeln, einem Kopf schütteln und dem Wort „Schukran“, was nichts anderes heißt als „danke“. Dann bleiben auch die Händler freundlich.

 

  1. Du solltest genau wissen was du willst

Den Überblick hast du ja schon in den ersten Tagen gewonnen, so wirst du angesichts der Auswahl nicht mehr schwach. Damit kannst du Spontankäufen zu viel zu hohen Preise entgehen. Auch bei angeblich großzügig angebotenen Mengenrabatt wirst du nicht mehr schwach. Ganz egal, wie sehr der Verkäufer dir versucht das Produkt schmackhaft zu machen, lass dir Zeit und weiche nicht von deinen Farb-, Form und Qualitätsansprüchen ab.

 

  1. Good Cop, bad cop funktioniert auch beim Verhandeln in Marrakech

Am besten bist du nicht allein, wenn du was kaufen willst. Denn zu zweit verhandelt es sich besser. Einer von euch zeigt Interesse. Der Andere schüttelt den Kopf und wirkt weniger begeistert. Wenn der Verkäufer den Preis nennt, lehnt der „bad cop“ ab. Viel zu teuer. Good Cop bleibt interessiert und setzt den Dackelblick ein. Der Händler wird etwas weiter runtergehen und Bad Cop steigt ins Verhandeln ein. Wer zu große Euphorie zeigt und zu schnell zuschlägt, wird zu hohe Preise bezahlen.

 

  1. Denk an die 1/3 bis ½ – Regel

Erst wenn der Verkäufer seinen „last price“ bei einem Drittel bis allerhöchstens der Hälfte seines Erstgebots ansetzt, stimmst du zu und kaufst.

 

  1. Ein Argument, das auf jeden Fall wirkt

Behaupte genau dieses Produkt schon vor ein paar Tagen bei einem anderen Händler gekauft zu haben und dort Summe X bezahlt zu haben. Die Preise kennst du ja inzwischen. Vielleicht kommt man dir jetzt noch mit dem Argument, dass hier natürlich hervorragenden Qualität angeboten würde, dann bleibst du trotzdem bei deiner Forderung. Für gewöhnlich kommst du so dem „echten“ Preis in großen Schritten deutlich näher.

 

  1. Du musst nichts kaufen, du kannst auch gehen

Wenn du das Gefühl hast, dass man dich immer abzockt, dann geh. Du musst nichts kaufen, auch nicht, wenn du schon in Verhandlung warst. Du hast keine Verpflichtung.

 

  1. „Last price my friend“

Du kommst bei der Verhandlung nicht so weit, wie du gern würdest? Dann geh, aber höre gut hin. Es kommt nicht selten vor, dass kaum, dass der Kunde geht, doch noch ein besserer Preis hinterhergerufen wird und dann kann man immer noch zurück und einschlagen.

 

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Verhandeln in Marrakech – was kosten Mitbringsel wirklich?

Um dir ein ungefähres Gefühl für Mitbringsel Preise zu geben, will ich dir ein paar Beispiele von meinen Einkäufen geben. Natürlich ohne zu wissen, ob ich nicht doch noch einen etwas besseren Preis hätte raushandeln können.

 

Körbe

Wenn du auf dem Gewürzmarkt, dem Place des Épices bist, dann wirst du sie sehen: zig Körbe und Korbtaschen. Auch in den Souks gibt es immer mal wieder einzelne Läden, die dir die geflochtenen Behälter in diversen Formen und Farben anbieten. Ich wollte sowohl mir als auch meiner Mom einen mitbringen. Dabei hatte ich genaue Farbvorstellungen. Also schaute ich mich die ersten Tage um, prüfte immer mal wieder die Qualität und fragte nach Preisen. Meinen pinkfarbenen Korb kaufte ich schon am dritten Tag. Mit meinem jetzigen Wissen, kann ich sagen, dass der Preis auf jeden Fall zu hoch war. 120 Dirham, ca. 12 Euro habe ich ausgegeben.

 

Daraus lernte ich und machte es später besser. Der Korb für meine Mom war eine größere Herausforderung. Denn ich suchte einen naturfarbenen Korb, mit türkisen Fäden und das in einer ganz bestimmten Größe. Schwierig. Doch in einem Shop wurde ich fündig und zu meinem Glück war die Qualität auch noch viel besser, als von allen die ich zuvor in den Händen hatte. Viel fester und besser gearbeitet. Mein Freund handelte auf 80 Dirham runter. Weiter wollte der Verkäufer nicht gehen. Wir dachten, das wäre noch zu viel und gingen. Er blieb dabei, 80 Dirham oder kein Deal. Nachdem ich noch einmal in anderen Korbgeschäften gestöbert hatte, aber alternativlos blieb, suchten wir den Laden erneut auf und kauften doch für 80 Dirham, ca. 8 Euro. Verhandeln in Marrakech heisst halt auch, Qualität zu schätzen wissen und die Preisgrenze erkennen.

 

Tücher

Vermutlich verlässt keine Frau Marrakech ohne nicht mindestens ein Tuch gekauft zu haben. Männer, die eine Wüstentour geplant haben werden sicher auch eines kaufen. Schließlich gehört es zum Marokko Abenteuer dazu, mit gebundenen Turban auf einem Kamel zu sitzen.

Die klassischste Variante ist der dünne Baumwohlschal im leuchtenden Blau. Den hat jeder Händler parat. Ich verfiel dem Kauf bereits am zweiten Tag und kaufte für 50 Dirham, ca. fünf Euro. Klingt günstig, war aber für örtliche Verhältnisse zu viel. Als ich am letzten Tag den gleichen Schal noch als Mitbringsel für Freundinnen kaufte, handelte mein Freund auf 40 Dirham runter und das für einen Schal mit einer besser genähten Kante. Denn das ist tatsächlich der einzige Qualitätsunterschied, den ich unter den tausenden Tüchern in Marrakech ausmachen konnte: die Nähte.

 

Lederne Sitzkissen

Eigentlich wollte ich sie nicht. So schön, die marokkanischen Sitzkissen auch sind, in unserer Wohnung ist aktuell eigentlich kein Platz. Außerdem dachte ich, bekämen wir so ein riesiges Teil gar nicht in unser Gepäck. Doch dann wurde mir klar, dass man ja nur die Hülle kauft, ohne Füllung und die kann man natürlich einfach zusammenfalten. Als ich dann online recherchierte und sah, dass die gleichen Kissen, die auch in Marrakech angeboten werden, via Amazon ca. 90 – 112 Euro kosten, änderte ich meine Meinung. In den Souks liegt das Erstgebot bei 600 Dirham, ca. 60 Euro. Bei einem so hohen Preisunterschied, na da musste ich doch zuschlagen. Irgendwo würde sich schon noch Platz in der Wohnung finden. Also gingen wir los und hielten nach meinem Wunschmodell in Silber Ausschau. In einem ganz kleinen Laden wurden wir fündig, der Verkäufer erinnerte sich an uns von den Vortagen, er hatte uns im Vorbeigehen gesehen. Dass das nicht nur ein Spruch war, bewies er, als er mir sagte, was ich am Vortag angehabt hatte. Das erstaunte mich dann doch sehr. So fingen wir in einer sehr freundlichen Atmosphäre zu handeln an. Von seinen 600 Dirham war er ganz schnell runter auf 400. Das war der Preis, den uns schon andere Läden als Einstieg genannt hatten. Er bezeichnete das natürlich als „good price“. Na gut das kannten wir schon und blieben wenig beeindruckt. Mein Freund warf sich richtig ins Zeug den bad cop zu spielen, während ich kaufwillig die Ware bestaunte. Ich schwankte noch zwischen zwei Farben. Als ich mich dann dafür entschied doch zwei von den Sitzkissen zu kaufen, ging der Preis noch einmal runter, so dass wir schlussendlich bei 250 Dirham das Stück landeten, also ca. 25 Euro. Nochmal im Vergleich: auf Amazon hätte ich für das gleiche Produkt um die 100 Euro bezahlt. Der Deal war für uns also richtig gut und der Händler war auch glücklich.

 

Mit all diesen Tipps und Beispielen sollte Verhandeln in Marrakech nun keine Hürde mehr für dich sein. Wenn du trotzdem doch mal mit dem Gefühl gehst, vielleicht etwas zu viel bezahlt zu haben, ärgere dich nicht. Die Händler sind Profis, du bist wahrscheinlich eher ungeübt im Verhandeln. Außerdem sind die meisten Produkte bei uns in Deutschland viel teurer, so dass jeder Deal ab 50% unter Erstpreis eigentlich ein „günstiger“ Kauf ist. Am Ende soll es ja vor allem ein Urlaubserlebnis und kein verbissener Business Deal sein.

 

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Die nächste Reise steht bald an und überlegst noch, welchen Rucksack du am besten kaufst oder welche Hygieneartikel wohl am wenigsten Platz wegnehmen? Lass dich doch auf meiner Equipment- & Toolseite inspirieren. Dort verrate ich dir auch, welche Kamera ich auf Reisen nutze. Und wenn du dann alles hast, hilft dir meine Packliste auch nichts zu vergessen.

Wenn du diesen Artikel nützlich findest, dann freue ich mich, wenn du ihn weiterempfiehlst oder in deinen Netzwerken teilst:)

Richtig verhandeln in Marrakech - PASSENGER X verraet wie es funktioniert

12 Kommentare

  1. Christine

    1. Mai 2017 at 10:47

    Hallo Nicole,

    da Marrakesh ganz oben auf meinerr Wunschliste steht, wird mir dein Text sicher noch helfen. Danke! 🙂 Super finde ich, dass du noch dazu geschrieben hast, was du für welches Mitbringsel bezahlt hast.
    Der good cop/bad cop-Trick hat bei mir schon mal in Istanbul super funktioniert. Ich bin ja eigentlich auch der Typ, der immer erst schaut und die Preise vergleicht, auch hier in Deutschland. Auf einem Markt in Mallorca wurde ich deshalb von einem Händler mal als „Schei* Deutsche“ beschimpft. Der hat an dem Tag wohl eher kein gutes Geschäft gemacht ….

    Liebe Grüße und noch einen schönen Tag,
    Christine

    1. Nicole von PASSENGER X

      3. Mai 2017 at 11:31

      Liebe Christine,
      owei, die Erfahrung auf Mallorca ist ja nun wirklich keine Schöne.
      Wie gut, dass das dann wirklich Ausnahmen sind:)
      Grüße
      Nicole

  2. Anke

    21. April 2017 at 17:20

    Den Unsinn (wie ich finde) mit dem Verhandeln habe ich in Ägypten geHASST. Man kam kaum aus dem Hotel oder aus einer Sehenswürdigkeit, ohne gleich 42 arabische Männer an der Backe zu haben, die einem irgendwas andrehen wollen, was man gar nicht haben will – vom Fellukken Fahren über Taxis bis hin zu Unterhosen. Das hat mich sooooo genervt. Jedesmal „Where are you from?“ „Look, Do you know how much?“ „Oh, from Germany – so happy, I have a friend in Hamburg“. Da war das mit dem „Nur gucken, nix kaufen“ quasi unmöglich! Mir platzte jedesmal der Schädel. Das lag allerdings vermutlich auch daran, dass es eigentlich keine anderen Touristen außer uns gab.

    Mir fiel das „freundlich bleiben“ echt schwer – nun mal sehen, ob sich das irgendwann noch bessert – Marrakesh steht nämlich bei uns auch noch auf dem Plan.

  3. Katja

    20. April 2017 at 9:04

    Vieles war mir schon bekannt, doch die Dinge nochmal in Erinnerungen gerufen zu bekommen, finde ich wunderbar.
    Ganz besonders gut finde ich den Tipp, erstmal umschauen und ein Gefühl für die Preise zu bekommen. Denn unsere Kultur in Deutschland tickt da wirklich komplett anders.
    Und klar ist, Handeln kann echt richtig Spaß machen. Mir zumindest 🙂
    Liebe Grüße
    Katja

  4. Franzi

    19. April 2017 at 18:02

    Super nützlicher Beitrag! Vor allem eure Strategie ist ja der Hammer mit dem good cop/bad cop 😛
    Ich mache das auch immer ein bisschen abhängig ob ich die Verkäuferin oder den Verkäufer nett finde. Je mehr ich sie mag desto mehr bin ich auch bereit Geld auszugeben 😀

  5. Kathi

    19. April 2017 at 13:50

    Das sind super gute Tipps. Könnte man direkt auch so auf Südafrika anwenden, hier schafft man es meist nicht, ganz so viel zu Handeln, aber die Regeln gelten hier auf jeden Fall auch 🙂
    LG Kathi

  6. Michaela

    18. April 2017 at 22:52

    Wow, danke für diese super hilfreichen Tipps zum Verhandeln. Vor allem diese Idee mit dem bad cop und good cop finde ich total genial!
    Glg aus Ecuador
    Michaela

  7. Lisanne

    17. April 2017 at 20:01

    Ein toller Post über ein eher ausgefallenes Thema, der aber super hilfreich seien kann 🙂 Als ich vor zwei Jahren in Ägypten auf einem Markt war, kam ich mir total komisch vor, da man das mit dem Verhandeln ja nicht wirklich gewöhnt ist, da wären deine Tipps Gold wert gewesen!
    Liebe Grüße,
    Lisanne von http://xxthesweetsideoflife.blogspot.de/

  8. Yalla, Yalla! Ein Tag in Marrakesch | Ferngeweht

    17. April 2017 at 12:52

    […] vom Blog Passenger X hat einen guten Artikel zum Verhandeln in Marrakesch […]

  9. Victoria von Nesting Nomads

    16. April 2017 at 9:23

    Das ist mal ein ungewöhnlicher Artikel, aber durchaus nützlich. Es gibt ja nun einmal Länder in denen Handeln dazu gehört und erwartet wird. Das trifft dann wohl auf Marrakesch auch zu? Ich finde vor allem auch deinen letzten Absatz wichtig, mir stoßen nämlich manchmal die Urlauber etwas auf die all zu aggressiv auf einen „besseren“ Preis bestehen.

    Viele Grüße

    Victoria

  10. Monika und Petar Fuchs

    14. April 2017 at 17:13

    Das sind wirklich nützliche Tipps fürs Handeln, Nicole. Vor allem das „erst einmal Umschauen“ finde ich klasse, denn wie sonst soll man die gängigen Preise einschätzen können. Das merke ich mir auf jeden Fall.
    Liebe Grüße,
    Monika

  11. Marokko: Händler, Bettler und Touristennepp. Ein Erfahrungsbericht! Reiselife

    14. April 2017 at 12:09

    […] X“ hat einen tollen Artikel zum Thema Verhandeln in Marrakesch veröffentlicht. Hier findest du noch weitere nützliche Tipps zu diesem […]

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