Ecuador, Reisen, Südamerika

Wenn die Luft dünn wird: auf 4.800 Metern im Nationalpark Cotopaxi (Ecuador)

Schon auf den  Galapagos sind wir einen aktiven Vulkan in der Sierra Negra bewandert. es war ein heißer Tag und so machte uns die Hitze beim Umwandern des Kraters zu schaffen. Dieses Mal scheint auch die Sonne, doch von vorn weht ein eisiger Wind. Der Blick nach oben rechtfertigt die Kühle. Eingehüllt in Schnee und Wolken liegt er da, der Cotopaxi. Dieser ist der drittgrößte aktive Vulkan der Erde. Das macht Eindruck. Doch nicht nur der Vulkan allein, der gesamte Nationalpark Cotopaxi ist eines der beliebtesten Reiseziele innerhalb Ecuadors, gerade für Wanderer.

Auf 4.800 Meter liegt unser Ziel. Dort oben ist sie, eine gelbe Hütte mitten am Berghang. Das Finale für Cotopaxi Besteigungen. Doch bis dahin ist es noch ein ganz schönes Stück. Für jung und fit halten wir uns, wissen aber auch um die Besonderheit der Höhe. Was habe ich nicht vor der Ecuador Reise alles über Höhenkrankheit gelesen. Von Kopfschmerzen, Schwindel, helfenden Mitteln wie Coca Tee. Wasser haben wir dabei und vorbeugend schon ordentlich getrunken.

Unser Guide macht bewusst langsam, wahrscheinlich könnte er den Gipfel leicht hochjoggen, will aber nicht riskieren, dass wir Touris uns übernehmen.

Recht hat er. Ich merke wie die Luft immer dünner wird und die Schritte anstrengender. Als hätte man mit einem mal deutlich mehr Kilo und Jahre auf dem Buckel. Von Zeit zu Zeit piekst mein linkes Ohr. Hat es vielleicht Probleme mit dem Druckausgleich? Keine Ahnung. Mein Körper ist ja nur Berliner Höhenmeter gewöhnt und selbst da besteige ich nicht wöchentlich den mickrigen Teufelsberg (120 Meter Höhe). Also darf man hier ja wohl mal ein wenig schwächeln.

Über trockenen grauen Lavagestein geht es immer weiter nach oben. Manchmal verziehen sich die Wolken und geben den Blick auf den eisigen Gipfel und die darunter liegende rote Lavaerde frei. Was für ein Kontrast! Hinter uns liegt eine fantastische Landschaft, die mich mit ihren Tälern und Bergen fast noch mehr fasziniert, als der Vulkan Cotopaxi selbst.

Ein gutes Tempo hätten wir, meint unser Guide. Vermutlich sagt er das allen, trotzdem fühlt es sich gut an, das zu hören. Mein Held bestärkt die Aussage und erinnert mich „na die beiden Gruppen, die vor uns gestartet sind, die haben wir doch schon längst eingeholt.“ Er scheint den Ausflug sportlich zu sehen. Der Guide nickt und ergänzt, dass nur noch zehn Minuten Wanderung vor uns lägen. Nicht mehr viel und trotzdem bin ich ganz froh, dass wir die kürzeste Tour gewählt haben. Alle paar Minuten merke ich wie die Luft im Brustbereich eng wird, dann mache ich etwas langsamer. Das hätte ich so keine sechs Stunden haben müssen, denn so lang hätte es gedauert, wollte man die Besteigung vom Flachland, am Fuße des Cotopaxi starten.

Wir kraxeln weiter, folgen dem Weg einer Biegung entlang und dann sehe ich die gelbe Hütte, unser Ziel, zum ersten Mal auf Augenhöhe. Nur noch wenige Schritte und wir können Pause machen.

Ich setzte mich erstmal in die Hütte, knabbere ein paar Snacks und verschnaufen. Meinem Held hingegen fehlt die wahre Challenge und fordert unseren Guide auf noch bis zum Eisbeginn zu wandern. Da lässt sich der erfahrene Wanderer nicht zweimal bitten. Sollen sie machen, denke ich mir und schaue durch das Fenster den Vulkanabhang hinunter. Schon nach wenigen Minuten sind die beiden verschwitzt wieder zurück. Ein Wettrennen haben sie draus gemacht. Ein Deutscher, der freiwillig den Berg entlang rennt? Das erstaunt selbst die anderen Guide, denen unser Profi mit stolz erzählt, wie schnell die beiden waren. Ich glaube ja, deren Lungen sind nicht von diesem Planeten.

Während wir quatschen und die beiden ausdampfen, beginnt es zu donnern. Kaum schaue ich raus, hagelt es auch schon. Große weiße Kügelchen knallen vom Himmel runter. Es scheppert ordentlich. Nicht gerade das Wetter, welches ich mir für den Abstieg erhofft hatte. Draußen zieht ein Typ seine Oberteile aus und reibt sich mit dem inzwischen zentimeterhohen Hagel ein. Ob der wohl noch nie Hagel gesehen hat? Oder ist das so ein Finne, der hier oben einen Teil seines Saunarituals zelebriert? Verrückt, so oder so.

Die Snacks sind aufgegessen und das Wetter will nicht besser werden. Der Cotopaxi hat sich in eine Winter-Wolken-Landschaft gewandelt. Warten hat wohl keinen Sinn, also  beschließen wir den Abstieg anzugehen. Jacken an und dann den schnellen, steileren Weg hinunter. Die Füße sinken tief in der Lavasteinchen-Hagelmischung. Gut so, denn das bremst und wir können runterrennen ohne zu stürzen.

Am Auto angekommen, klatschen wir ab, geschafft. Einsteigen und den restlichen Abhang hinunterfahren. Unten angekommen scheint es, als wäre die Sonne nie verschwunden. Nicht ein Hagelkorn liegt hier. Aber das überrascht uns gar nicht wirklich. Wenn in den letzten drei Wochen eines wirklich zuverlässig war, dann war es die Unbeständigkeit des ecuadorianischen Wetters. Jetzt heisst es zur Unterkunft nach Islinivi fahren. Doch noch bevor wir den Nationalpark Cotopaxi verlassen, entdecken wir auf den grünen Wiesen Wildpferde. Die Chance muss ergriffen werden. Anhalten, aussteigen, sich vorsichtig nähern und diesen Moment mit der Kamera festhalten. Die wilden Pferde direkt vorm Vulkanpanorama.

 

Nach mehreren Stunden huckeliger Piste erreichen wir schließlich Islinivi. Von hier aus werden wir in den nächsten Tag einen Teil des Quilotoa Loops wandern, bevor wir wieder in den Nationalpark Cotopaxi zurückkehren. Denn zum Abschluss unserer Reise habe ich uns zwei Nächte im urgemütlichen Hostel Secret Garden Cotopaxi gebucht. Ich konnte einfach nicht anders, als mir eine Freundin online Fotos von der Unterkunft gezeigt hatte. Denn neben Mehrbettzimmern und sogenannten „Cabins“ gibt es hier auch „Hobbit Homes“. Kleine in die Hügel gebaute Zimmer, von deren Betten aus man den Cotopaxi sehen kann. Wahnsinnig cool und ganz sicher der beste Ort, um die letzten gemeinsamen Tage mit meinem Held zu genießen, ehe er zurück nach Deutschland fliegt und ich allein weiter reise.

Das kann ich dir für deine Reiseplanung zum Cotopaxi empfehlen:

Anreise:
Als Flugsuchmaschine finde ich skyscanner.de* sehr praktisch. Nach Quito*, dem nächsten großen Flughafen, starten die Preise ab 590 € für Hin- und Rückflug. Ich selbst bin mit KLM geflogen und war sehr zufrieden.

Unterkünfte:
Da der Nationalpark Cotopaxi von vielen Touristen besucht wird, gibt es so einige Unterkünfte. Wenn du es gemütlich magst, auf großen Luxus verzichten kannst, aber wert auf leckeres Essen legst oder einfach genauso einmalig nächtigen möchtest wie ich, dann ist das Secret Garden Cotopaxi die beste Wahl. In der Buchungsbestätigungsmail bekommst du auch alle Infos zur Anfahrt. Die ist bei so abgelegenen Orten ja nicht ganz so leicht. Doch mit Hilfe des angebotenen Shuttles geht das schon.

Touren:
GetYourGuide.de bietet in 16 Touren in die Region an. Wer nur wenig Zeit hat, trifft mit der Cotopaxi & Quilotoa Ganztagestour ab Quito eine gute Wahl.

Spanisch lernen:
Wenn du dich für deine Reise sprachlich fit machen willst: Longorilla.com bietet Spanischkurse auf Video* auf 6 Leistungsniveaus an, mit Geld-zurück-Garantie.

Reiseführer:
Für Ecuador kann ich dir den Lonely Planet Reiseführer für Ecuador und die Galápagosinseln* empfehlen. Solltest du mehr als „nur“ Ecuador in Südamerika bereisen wollen, ist der Lonely Planet Reiseführer für Südamerika* praktisch deine Bibel.

Ausrüstung:
Für mich hat sich eine feine Auswahl an Utensilien, Kleidung und Rucksäcken auf Reisen bewiesen. Was das ist? Das zeige ich dir auf meiner Tools & Equipment Seite.

 

Dieses Ort darfst du während deiner Ecuador Reise nicht verpassen. PASSENGER X verrät dir, wie es ist auf 4.800 Metern zu wandern, warum der Nationalpark Cotopaxi so schön ist und wo du am besten übernachtest.

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