Reisen, Sabbatical

Sabbatical Interview mit Uli und Christiane: Zwei Abenteurer in Südamerika

Uli und Christiane waren gerade in Slowenien, als sie beschließen aus einem großen Traum, Realität zu machen. Sie begannen zu sparen, legten ihre Jobs aufs Eis und zogen los nach Südamerika. Dort sind sie jetzt schon seit einem Jahr unterwegs und haben unzählige Abenteuer erlebt. Als ich sie interviewte, waren sie gerade in Kolumbien. Hier erzählen sie dir, was sich für sie nach der Auszeit ändern wird.

 

Frage 1:    Wie kam es zu der Idee ein Sabbatical zu machen?

Wir saßen an einem sonnigen Tag auf dem Svinjak, dem Hausberg von Bovec in Slowenien und dachten über das Leben nach. Christiane wollte schon immer mal für längere Zeit nach Südamerika und kam dann mit der Idee für diese Reise ums Eck. Wir waren sofort Feuer und Flamme und haben noch in Slowenien den Entschluss gefasst, alles aufzugeben und durch Südamerika zu reisen.

 

Frage 2:    Wie lange vorher habt ihr das Sabbatical bei euren Arbeitgeber angekündigt und wie hat man dort reagiert?

Auf dem Svinjak haben wir gleich ein Abreisedatum definiert. Nachdem wir nochmals darüber geschlafen haben, hat sich unsere Abreise noch etwas nach hinten verschoben. Aber gute anderthalb Jahre nach dem Entschluss saßen wir im Flieger.

Christiane: Ich arbeite in München selbstständig als Art Director im Bereich Motion Design/Animation und bin meist projektweise mehrere Monate bei einer Agentur angestellt. Für mich war es daher denkbar einfach: ich habe meinen Kunden gesagt, dass ich ab März für ein Jahr nicht buchbar bin. Und nun hoffe ich, dass ich da nahtlos anschließen kann, wenn wir in einem Monat zurückkommen.

Uli: Ich bin bei einer IT-Firma in München angestellt und leitete ein Projekt. Bei meinem Mitarbeitergespräch gut neun Monate vor der Abreise habe ich zum ersten Mal erwähnt, dass ich das Projekt verlassen will. Sechs Monate vor der Abreise ließ ich dann die Katze aus dem Sack. Meine Chefs waren zwar überrascht, haben meine Entscheidung aber akzeptiert. Wir haben dann nach einem Nachfolger gesucht und einen Übergabeplan ausgearbeitet. Ungefähr zwei Monate vor meiner Abreise sprach ich nochmals mit meinem Chef aus dem vermeintlich traurigen Anlass, dass ich nun kündigen müsste. Erfreulicherweise hat mir die Firma aber unbegrenzten, unbezahlten Urlaub angeboten. Das Angebot habe ich gerne angenommen.

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Frage 3:    Wann seid ihr gestartet und wie lange wird das Sabbatical gehen?

Nach einigen ziemlich stressigen Wochen, in denen wir unsere Wohnung aufgelöst, viele Dinge verschenkt und mehr als eine Abschiedsparty gefeiert haben, sind wir im April 2016 in unser Sabbatical gestartet. Wir haben keinen fixen Zeitraum oder Rückflugsort festgelegt, sondern lediglich eine Reisekasse definiert. Solange wir Geld haben, sind wir unterwegs. Wenn die Kasse leer ist, gehen wir wieder heim. Das war der Plan.

Jetzt ist April 2017. Wir sind noch unterwegs, aber die Kasse ist schon ziemlich leicht geworden. Im Mai werden wir wieder nach Deutschland zurückkehren. Dann haben wir noch ein wenig Geld übrig, um in Ruhe wieder anzukommen und Familie und Freunde zu besuchen, bevor wir dann im Sommer wieder zu arbeiten beginnen.

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Frage 4:    Wo wart ihr schon überall, was waren die Highlights und was kommt noch?

Unser Reiseziel hieß “11.653km al Sur” – von Managua nach Feuerland. Wir sind in Nicaragua gestartet, mit dem Ziel Surfen zu lernen. Weitere Stationen waren dann Panama, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Chile, Argentinien und Feuerland. Wir wollten das Ende der Welt sehen. So standen wir nach gut zehn Monaten auf dem Passo Austral auf der Isla Navarino und haben mit offenem Mund die Inseln von Kap Hoorn bewundert.

Jetzt sind wir in entgegengesetzter Richtung unterwegs: wir haben auf der Bonusrunde in Ecuador ein paar Freunde besucht und schauen uns jetzt nochmals gemütlich unser Lieblingsland Kolumbien an.

Hmm, Highlights… da gibt es viele. Wir hatten ja ein Jahr lang Zeit, Geld und Raum, um genau die Dinge zu machen, auf die wir Lust hatten. Wir stellten unser Zelt an einigen der schönsten Campingplätze der Welt auf, saßen in heißen Thermalquellen auf 4.500 Metern Höhe und schauten uns die Milchstraße an. Wir schliefen im Dschungel von Peru, aßen Piranhas zum Frühstück und grilltes ein Krokodil zu Mittag. Kauften Dynamit in Bolivien und krochen in den Minen von Potosí herum. Düsten mit dem Fahrrad von den Andengipfeln in den Dschungel. Relaxten im Tal der Gelassenheit in Südecuador. Lernten das Grillen von den Profis in Argentinien. Probierten Rotweine, unzählige Früchte und Rumsorten …

Als begeisterte Langstreckenwanderer waren für uns vor allem die zahllosen Trekkingmöglichkeiten in den Anden attraktiv, was sich auch in unserem jetzigen Blogprojekt niederschlägt.

Das Allerbeste ist jedoch, dass wir nichts wirklich geplant hatten, sondern einfach von Tag zu Tag neu entscheiden konnten, was passieren sollte. So ist dann auch eines Tages unser lustiges Videoprojekt für die Kinder in unserem Freundeskreis entstanden: Sachen gibt’s Carajo!

Für uns als Paar ist dieses Jahr ganz besonders, denn wir waren fast immer 24/7 zusammen und haben uns auch in extremen Situationen kennengelernt und es freudig miteinander ausgehalten. Im normalen Arbeitsalltag verbringt man ja mehr Zeit mit den Arbeitskollegen als mit dem Partner. Unsere gemeinsame Zeit geniessen wir daher sehr, die macht uns stark.

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Frage 5:    Was kostet euch das Sabbatical pro Person?

Wir haben jeweils 18.000 Euro in die Reisekasse getan, was für Südamerika schon relativ großzügig kalkuliert ist. Daraus bezahlen wir alles, inklusive Hin- und Heimflüge, Auslandskrankenversicherung, etc. Einige Versicherungen und private Rentenbeiträge laufen zu Hause weiter. Aber da wir weder ein Auto noch Kredite abzuzahlen haben, halten sich die Fixkosten in Grenzen.

Uli hat seinem Sohn während der Zeit natürlich weiterhin seinen Unterhalt geleistet. In der gleichen Höhe, als hätte er gearbeitet.

Mit diesem Budget müssen wir auch nicht ausschließlich auf Dorms und Straßenküchen zurückgreifen, sondern gönnen uns je nach Land auch oft ein Doppelzimmer, Ausflüge und Restaurantbesuche.

 

Frage 6:    Meint ihr durch diese Auszeit wird sich für euch etwas “im normalen Leben” ändern?

Die Weichen sind schon gestellt, unser Alltag wird nicht wieder der Gleiche sein: Im Januar haben wir unser Projekt “dustyboots.blog” gestartet. Ein Blog für eigenverantwortliche Mehrtages-Wanderungen.

Uns ist klargeworden, wie sehr wir vom normalen Arbeitsleben ausgelaugt waren und hatten erst nach drei, vier Monaten der Reise wieder das Gefühl, dass alle Batterien wieder aufgeladen sind. Vor unserer Reise haben wir gerne viel Kraft und Energie in unsere Karrieren gesteckt. Nun möchten wir eine Familie gründen und unsere Zeit und Kraft anders einteilen.

Außerdem haben wir erneut festgestellt, wie wenig wir tatsächlich benötigen um glücklich zu sein. Alles was wir brauchen, passt in unseren 45l-Trekkingrucksack. Das ist immer wieder sehr befreiend und beruhigend.

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Frage 7:    Würdet ihr es wieder tun?

Auf jeden Fall! Das war bei Weitem das intensivste und interessanteste Jahr überhaupt, auch was unsere persönliche Entwicklung und die Zukunftspläne angeht. Aber jetzt sofort? Nein. So eine lange Reise mit den ständigen Abschieden, packen und umziehen braucht es erstmal nicht mehr. Aber die Gewissheit, dass wir einfach die Zelte abbauen und reisen können, tut sehr gut.

Wir sind nach dieser Erfahrung der Meinung, dass für uns kleinere Auszeiten von drei bis fünf Monaten ausreichen. Wir werden fortan auch immer mal wieder losziehen und neue Abenteuer erleben.

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Letzte Frage: Habt ihr einen Tipp für die, die noch überlegen, ob sie ein Sabbatical machen sollen?

Geht auf einen Berg. Trefft eure Wahl, wo es hingehen soll. Findet einen Termin. Rechnet von da aus rückwärts. Setzt euch Meilensteine, wann was getan wird. Bis der Zeitpunkt dann da ist, seid ihr auch bereit, genau diesen Schritt zu tun.

Alles beginnt mit dem ersten Schritt und der ist, “Ja” zu sagen, zu euch und eurem Wunsch. Von da an wird alles immer einfacher.

Und wenn ihr es dann tatsächlich tut: reist langsam. Nehmt euch ein AirBnB Apartment statt einem Hostelbett und geht abends in die gleichen Lokale wie die Einheimischen. Lernt die Sprache, lernt die Menschen unterwegs kennen. Dann habt ihr nicht nur viel mehr von einem Ort, sondern bekommt auch einen viel tieferen Einblick in die jeweilige Kultur als das beim “Hostelhopping” möglich wäre.

Und für alle, die zu viel Narcos geschaut haben: Kolumbien ist sicher und macht einen Heidenspaß 🙂

 

Ulis & Christianes Sabbatical im Überblick

Dauer Sabbatical: ein gutes Jahr

Kosten Sabbatical: 18.000 Euro pro Person, die Wohnung ist gekündigt, einige Versicherungen laufen weiter

Regelung mit dem Arbeitgeber: Christiane ist selbstständig, Uli hat unbezahlten Urlaub

Reiseziele: Nicaragua, Panama, Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Chile, Argentinien und Feuerland, Kolumbien

 

Uli und Christiane sind Weltreisende, Yogis, Feinschmecker. Vor allem aber begeisterte Langstreckenwanderer, die gerne die Extrameile gehen, um Außergewöhnliches zu erleben. Sie sagen über sich selbst „Wir sammeln Erfahrungen statt Dinge.“ Sie finden ihre Abenteuer abseits ausgetretener Pfade und sind grundsätzlich eigenverantwortlich unterwegs, also ohne Guides, Bergführer und Packesel.

Inspiriert von ihren vielen Touren und Begegnungen unterwegs haben sie vor kurzem ihren dustyboots.blog  gestartet. Einen Blog für eigenverantwortliche Mehrtages-Wanderungen. Auf dieser Seite stellen sie nicht nur ihre eigenen Fernwanderungen vor, sondern helfen auch anderen Trekking-Begeisterten dabei, ihre Komfortzone zu erweitern, um auf eigene Faust großartige Mehrtagestouren und Abenteuer in den Bergen zu erleben. Sie verbinden inspirierende Geschichten und Interviews mit handfesten How-To-Informationen zum gleich loswandern“. Wenn du das spannend findest, dann folge den beiden doch auch auf Facebook, Google +, Twitter oder Instagram.

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