Reisen, Sabbatical

Sabbatical Interview mit Thomas & Kristina: für 35.000 Euro ein Jahr um die Welt

Wie oft hast du dich schon gefragt, was so ein Sabbatical wohl kostet? Ich bin immer wieder erstaunt, wie unterschiedlich die Antwort auf diese Frage ausfällt. Von super low budget bis Luxus geht wirklich alles. Thomas und Kristina vom Reiseblog pixelschmitt haben in ihrem Jahr Auszeit 13 Länder bereist. Darunter auch die wirklich teuren. Wie sie das zu zweit mit nur 35.000 Euro geschafft haben, verrät dir Thomas heute im Interview.

Frage 1: Wie kam die Idee ein Sabbatical zu machen?
Ich habe das Sabbatical zusammen mit meiner Frau Kristina gemacht. Eigentlich hatten wir zu Beginn der Planungen vor, einen Monat lang Auszeit zu machen. Daraus wurden später drei, dann sechs und schließlich zwölf Monate.

Es stand für uns von Anfang an fest, dass wir die Zeit zum Reisen nutzen wollen. 2004 waren wir für drei Wochen mit dem Rucksack in Myanmar unterwegs, das war uns viel zu kurz. Wir haben damals schon beschlossen, dass wir mehr Zeit fürs Reisen brauchen.
Je mehr wir uns mit der Planung beschäftigt haben, desto schneller haben wir festgestellt, dass die geplante Zeit nie ausreichen würde. Und so sind wir dann irgendwann bei einem einjährigen Sabbatical gelandet.

Frage 2: Wie lange vorher hast du das Sabbatical bei deinem Arbeitgeber angekündigt und wie hat man dort reagiert?
Etwa ein Jahr vorher haben wir beide das Thema bei unseren Arbeitgebern angekündigt. Natürlich springt dir der Arbeitgeber nicht freudestrahlend um den Hals, wenn du dich für ein Jahr aus dem Job zurückziehen willst. Wir haben uns aber gut geeinigt.

Wir hatten beide Auszeitverträge, die uns für das Jahr freigestellt haben. Teil dieser Verträge war, dass wir rechtzeitig vor Ende der Auszeit Bescheid geben mussten, ob wir in den Job zurückkehren würden oder nicht. Wir entschieden uns dagegen.

Frage 3: Wann und wie lange habt ihr euer Sabbatical genommen?
Unser gemeinsames Sabbatical startete im September 2008 und dauerte bis Mitte August 2009.

Das Passenger X Sabbatical Interview mit pixelschmitt - Ayers Rock morgens
Frage 4: Wo wart ihr überall und was waren eure Highlights?
Wir waren in:

  • Japan
  • Australien
  • Neuseeland
  • Cook Islands
  • Hong Kong
  • Thailand
  • Laos
  • Vietnam
  • Kambodscha
  • Malaysia
  • Indonesien
  • Singapur
  • Macau

 

Es ist schwer Highlights zu benennen, weil es eigentlich an allen Orten schön war und wir eine super Zeit hatten.

Japan hat uns beide enorm beeindruckt. Und auch unsere Zeit in Australien war sehr cool. Wir sind mit einem Camper von der Ostküste zum Ayers Rock gefahren und wieder zurück. Mehr als 5.000 Kilometer in wenigen Tagen und all das in der unbeschreiblichen Weite des Outbacks. Unser Video zeigt die schönsten Momente des Jahres.

Frage 5: Was hat euch das Sabbatical gekostet?
So bitter das klingt, doch wir hatten das „Glück“, während einer Weltwirtschaftskrise zu reisen. Von Beginn unserer Reise an hatten wir dadurch sehr gute Wechselkurse, so dass Japan, Australien, Neuseeland und die Südsee ziemlich günstig waren. Wir hatten geplant, mit den teueren Ländern zu starten. Dass diese dann aber doch recht günstig werden würden, war für uns ein glücklicher Zufall.
In Australien hatten wir beispielsweise teils einen Wechselkurs von 1 Euro : 2,15 AUD und den Liter Benzin gab es für 0,99 AUD.

Trotz allem hat uns das Jahr insgesamt knapp 35.000 Euro für uns zwei gekostet.
Darin enthalten waren auch laufende Kosten zu Hause. Einige Versicherungen wurden auf Anwartschaft gestellt und waren dadurch günstiger, andere mussten wir aber komplett weiterbezahlen. Unsere Wohnung wollten wir untervermieten, aber das hat leider nicht geklappt. So haben wir uns mit den Vermietern geeinigt und die Wohnung zu einer reduzierten Miete behalten. Das war ein Luxus, der uns auch eine gewisse Sicherheit gegeben hat. Wir hätten jederzeit einfach nach Hause zurückkehren können.

Unser Hauptflug war überraschend günstig. Wir sind mit einem Airpass von Air New Zealand geflogen und haben pro Person etwa 1.700 Euro bezahlt. Der Airpass bestand aus Flügen von Nürnberg nach München, anschließend nach Auckland und Cairns. Dann auf dem Landweg weiter bis Melbourne. Von Melbourne nach Christchurch und von Auckland nach Hong Kong, zurück nach München und Nürnberg. Das Ticket war ein Jahr lang gültig und wir konnten relativ flexibel Flüge umbuchen. Alle weiteren Flüge haben wir vor Ort mit regionalen Airlines abgedeckt.

Ich kann jedem für das Sabbatical empfehlen, immer ein Auge auf das Budget zu haben. Wir hatten einfach eine Excelliste, in die wir alle Ausgaben eingetragen haben. So siehst du ganz genau, wie schnell dein Budget schrumpft, das kann frustrieren, gibt aber auch Planungssicherheit.

Frage 6: Was hat sich nach dem Sabbatical für euch verändert?
Ein Jahr zu Reisen verändert einen Menschen extrem. Du erlebst viel, lernst diverse Menschen und deren Geschichten kennen. Du besuchst schreckliche Orte, die du bis dahin nur aus Geschichtsbüchern und Dokumentationen kanntest. Hiroshima und auch die Killing Fields in Kambodscha beschäftigen uns beide bis heute.

Man denkt mehr nach und weiß wieder zu schätzen, wie gut es uns doch in Deutschland geht. Wir sind hier komplett abgesichert und von sehr vielen „First World Problems“ umgeben.

Reisetechnisch glüht das Fernweh bis heute in uns. So verwenden wir unsere freie Zeit noch immer für das Reisen. Nach dem Sabbatical habe ich einen neuen Job angenommen – und innerhalb der ersten fünf Jahre danach noch vier andere angetreten. Inzwischen bin ich aber seit drei Jahren sesshaft.

Frage 7: Würdet ihr es wieder tun?
Auf jeden Fall. Jederzeit!

Das Passenger X Sabbatical Interview mit pixelschmitt - Wicked Camper Neuseeland

Letzte Frage: Habt ihr einen Tipp für die, die noch überlegen, ob sie ein Sabbatical machen sollen?
Denke nicht zu lange darüber nach. Mach es einfach. Je jünger du bist, desto einfacher ist es, weil du noch freier bist und nicht allzu viele Verpflichtungen hast.

Dauer Auszeit: 12 Monate

Regelung Sabbatical: Unbezahlter Urlaub, ein Jahr vorher angekündigt

Kosten Sabbatical: 35.000 Euro für beide zusammen

Reiseziele: Japan, Australien, Neuseeland, Cook Islands, Hong Kong, Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha, Malaysia, Indonesien, Singapur und Macau

 

Thomas bezeichnet sich mit seinen zwei Metern Körpergröße als Deutschlands wohl größter Reiseblogger. Zusammen mit Kristina, seiner Frau, sind die beiden 3.80 m groß. Deshalb ihr Motto “Reisen und Leben wie zwei ganz Große“. Wenn du mehr von den sympathischen Reisefans lesen möchtest, dann besuche sie auf ihrem Blog pixelschmitt, auf Facebook oder auch Instagram, dort nehmen sie dich quer durch die Welt mit.

 

 

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