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Vancouver: Drogensucht und Traumstrände

Vancouver die 600.000 Einwohner Traumstadt an der Küste Kanadas war das nächste Ziel auf unserem Roadtripp. Also machten wir und aus der Natur des Jasper Nationalparks auf in Richtung Stadtgewimmel.

Was erwarteten wir? Eine große Stadt, mit jeder Menge Kulturangebot und vielen guten Restaurants, vor allem aber auch unser Luxusarpartement. Denn für unsere letzten Nächte in Kanada wollten wir es uns noch einmal so richtig gut gehen lassen. Ein Loft sollte es sein, mit tollem Blick, guter Lage und stylischer Einrichtung – modern pompös eben.

Und was bekamen wir? Eine Unterkunft, die aussah wie auf den Bildern. Ok, die ein oder andere Fuge war nicht ganz so professionell gemacht und die Armaturen naja, aber der Ausblick…

Einfach großartig.

Unser erster Ausflug sollte uns zu Dr Sun Yat-Sen Classical Chinese Garden führen. Denn, wie die meisten der amerikanischen Großstädte, hat auch Vancouver ein China Town und in diesem Fall sogar eine eigene chinesische Gartenanlage inklusive unzähliger Bonsaibäume. Für einen ersten Ausflug zurück aus der Natur in die Großstadt genau das Richtige.

Doch dann das, der Schock.

Ein paar Schritte raus aus der Haustür sah die Welt ganz anders aus. Obdachlose, die mit sich selber redeten, auf dem Bürgersteig Dinge verkauften, Drogen konsumierten oder gerade dealten. Was war das? Wo waren wir denn hier gelandet? Wir kamen doch gerade aus unserem überteuerten Apartment. Wir drehten um und nahmen die nächste Parallelstraße, in der die Welt noch in Ordnung war.

Immer noch etwas verstört kamen wir im chinesischen Garten an, erleichterten uns um 12CAD für den Eintritt und bestaunten Bonsaibäume. Doch das eben Gesehene ließ und nicht los. Zurück im Apartment ging es sofort an die Recherche. Was war hier los? Wieso waren nur eine Straße von unserem High-End-Loft-Wohnblock entfernt so viele merkwürdige Menschen und eine Ecke weiter alles wieder vom Feinsten?

Armut Drogen E Hasting Vancouver

Die Antwort fanden wir schnell. Offensichtlich waren wir die Einzigen, die ahnungslos waren, denn Hinweise gab es massig.

„E Hasting Street an der Nadel“

„Der Drogenkiez Kanadas“

„die ärmste Postleitzahl“

„Gentrifizierung!“

Wir waren in Gastown. Ein Bezirk, der durch die Extreme geprägt ist. Zum einen herrscht bittere Armut, denn hier hat man vor vielen Jahren sämtliche Prostituierte und Obdachlosen hinverfrachtet. Zum anderen hat das die Mieten hier einst so in den Keller gedrückt, dass Künstler und Alternative anrückten, Cafés und Galerien eröffneten. Wie das dann immer so ist, irgendwann investierten auch die Immobilienleute wieder und ließen edle Lofts bauen.

Rund 10.000 Drogenabhängige leben hier auf engstem Raum, rund die Hälfte davon hängt an der Nadel. Spritzen und der Handel mit Pillen und Pulvern gehören zum Alltag, genauso wie Abhängige, die durch die Straßen streunen und den Boden nach Drogen absuchen. Wer nur eine falsche Abbiegung nimmt, gerät aus den Geschäftsstraßen mit ihren Shoppingmalls, Restaurants und Nachtclubs in eines der ärmsten Viertel Kanadas, den Slum, Downtown Eastside. Die Aidsrate ist hier vergleichsweise so hoch, wie in einigen Ländern Afrikas. (Spiegel Online)

Und wir hatten das nicht gewusst. Was nun? Wir beschlossen uns Wege zu unseren Zielen zu suchen, die die E Hasting Street ausklammerten. Und starteten direkt mit dem ersten Versuch zum Eis essen, immerhin war das Wetter fantastisch. Aus dem Loft raus, den neuen Weg genommen und ab zum Eisladen. Natürlich begegneten uns auch auf diesem Weg noch so einige Junkies, doch immerhin nicht mehr so ein konzentrierter Haufen. Umso krasser, dass wir auf unserem 20 Minuten Spaziergang zum Gelato-Händler durch eine wunderschöne Wohngegend kamen. Wie aus einer Kleinstadtidylle entsprungen standen hier hübsche farbige Häuser mit beeindruckenden Vorgärten, Menschen fuhren Fahrrad und spazierten auf der Straße. Hätten wir es selbst nicht gesehen, wir hätten niemanden geglaubt, dass dieser Eindruck nur wenige Minuten vom Drogenkiez schlechthin entfernt liegt.

Vancouver Haeuser

Vancouver sollte für uns die Stadt der harten Kontraste werden. Denn auch in den folgenden Tagen wurden wir täglich mit dieser Wahrheit konfrontiert. Egal ob wir zur Capilano Suspending Bridge, zum Granville Islan Public Market oder zu einem der vielen schönen Strände fuhren, aufgrund der Einbahnstraßenregelungen mussten wir immer auch durch den Drogenkiez fahren.

Beach Strand Vancouver

Auch wenn Vancouver groß ist und weit mehr als dieses Horrorviertel zu bieten hat, dieser Kontrast hat uns doch nachhaltig beeindruckt. Solltest du also nach Vanocuver reisen wollen, so suche dir besser eine Unterkunft, die nicht gerade in Gastown liegt und entdecke die Stadt dann doch lieber von ihren schönen Seiten.

Video

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  1. Christina Kalb

    8. November 2016 at 19:10

    Schöner Artikel!

    Ich lebe im Moment in Vancouver und habe anfang dieses Jahres für zwei Monate in Gastown gearbeitet. Der Kontrast ist schon ziemlich krass. Vorallem wenn du Abends in einer Bar bist, feierst und deinen Spaβ hast und danach über die Hasting Street nach Hause läufst.

    Die meisten Obdachlosen lassen einen in Ruhe und mir ist bis jetzt auch nie etwas passiert, als ich dort entlang gelaufen bin. Wohl gefühlt habe ich mich aber nie wirklich.

    Es ist traurig zu sehen, dass diese Menschen ihr Leben dort verbringen müssen.

    Einige von ihnen sind in der Hastingstreet gelandet, da vor einigen Jahren die Psychatrie in Coquitlam geschlossen wurde und die Patienten sozusagen auf die Straβe entlassen wurden. Viele gerieten dann an Drogen, da sie von sich aus keine ärztliche Hilfe angenommen haben.

    So schön Vancouver auch ist, die Hasting Street ist ein Teil davon und ich finde es wichtig, sich damit auseinander zu setzen.

    Viele Grüβe aus Vancouver 🙂

    1. cicoberlin

      8. November 2016 at 21:09

      Hey Christina,
      ich freu mich riesig über deinen Kommentar und damit darüber auch an deinen Eindrücken teilhaben zu können. Interessant zu hören, dass man auch wenn man länger vor Ort bleibt, die Situation befremdlich findet. Wir wurden damals damit überrascht und haben dann erstmal recherchiert. Denn natürlich steht im Reiseführer nichs davon. Wir hatten auch gelesen, dass wohl mal entschieden wurde die Prostituierten und Drogenabhängigen aus einem anderen Stadtteil zu „entfernen“
      und sie in der damals noch schäbigen E Hasting Street „anzusiedel“. Nur das das Viertel inzwischen gefragt ist, so ist das mit der Gentrifizierung. Und die Obdachlosen und Drogenabhängigen bleiben, wo sollen sie auch hin.
      Dass es aber auch noch den Zusammenhanng mit der Psychatrie gibt, wusste ich bisher nichg.
      Schon krass.

      Grüße aus Berlin nach Vancouver
      Nicole

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