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Quebec City – eine Stadt wie aus dem Bilderbuch

Nach Toronto und  Montréal ging es für uns weiter ins französische Kanada, Quebec City (oder auch Ville de Québec) stand auf dem Plan.

Quebec City ist die Hauptstadt der Provinz Québec und besonders reizvoll aufgrund ihrer, von der Stadtmauer umgebenen, Altstadt.

Wunderschön und seit 1985 Weltkulturerbe. Die vielen kleinen Straßen, mit ihren flachgebauten Häuschen, geschmückt mit bunten Markisen, sind wirklich entzückend. Hier erfreut sich das Auge und man bekommt so richtig Lust, durch die Altstadt zu bummeln.

Ein besonderes Wahrzeichen der Stadt ist das Fairmont Le Chateau Frontenac, ein Hotel mit über 600 luxuriösen Zimmern. Hätten wir es nicht besser gewusst, wir hätten gedacht ein königliches Schloss vor uns zu haben.

Es liegt direkt an der Terasse Dufferin, auf der man herrlich flanieren und den Ausblick auf den berühmten Sankt-Lorenz-Strom genießen kann. Viele kleine Pavillons laden hier zum Verweilen ein.

An der Stadtmauer stehen auch heute noch Kanonen, sie sind Geschichtszeugen, die es einem leicht machen, sich gedanklich einige Jahrhunderte zurück zu versetzten.

Neben der historischen Hauptstadt, stand Quebec aber auch wegen drei weiterer Highlights auf unserem Reiseplan:

  1. Ahornwälder und der daraus gewonnene Ahornsirup (maple syrup)
  2. Elche, die hier in den Wäldern wohnen
  3. Das Vorkommen seltener Meerestiere: diverse Walarten

Im Frühherbst ist diese Region besonders schön, da die vielen Ahornbäume während des Indian Summers in ihren prächtigsten Farben erstrahlen.

Im Frühling jedoch wird der Ahornsirup gewonnen und verarbeitet. Laut meiner Recherche sollte man diesen ganz traditionell auf der L’ile d’Orléans bekommen. Hier gäbe es reichlich kleine Stände, an denen die Bauern ihren selbsthergestellten Sirup verkaufen. Klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen wollten. Welches Mitbringsel könnte denn schon authentischer sein, als eine Flasche Maple Syrup von einem kanadischen Bauern? Mit dem Auto in Quebec City gestartet erreicht man die Insel in einer knappen halben Stunde. Auf dem Weg kann man noch einen Halt an den Montmorency Falls einlegen. Diese sind die berühmtesten Wasserfälle der Provinz und mit 86 Metern sogar 30 Meter tiefer, als die Niagara Fälle.

montmorency Falls

Auf L’ile d’Orléans angekommen waren wir zunächst ein wenig orientierungslos. Hatten wir doch erwartet, dass uns bereits am Ortseingang unzählige Schilder den Weg zu den Hütten der Ahornbauern weisen. Nichts da. Keine Schilder, kaum Menschen, leere Straßen, die Insel schien wie ausgestorben. Mhh… also was tun? Wieder umkehren? Nein, man fliegt doch nicht bis nach Kanada und kehrt ohne Sirup nach Hause zurück. Das geht nicht. Also blieb nur eines: die Insel abfahren. Viele Straßen gab es hier nicht, verfahren praktisch ausgeschlossen, immer geradeaus und die Augen offen halten. Irgendwo müssten doch die vielen Bauernstände auf uns warten. Als wir ca. 60% der Insel erfolglos umrundet hatten und sich der Frust langsam breit machte, sahen wir ein großes Backsteingebäude mit der kanadisch-französischen Flagge und einem Schild – La Boulange und direkt daneben ein ganz kleines Haus, mit allerlei bunten Töpfen und Schalen auf der Veranda. Die Gelegenheit, um einen Stopp einzulegen und wenn schon keinen Sirup, dann doch wenigsten Dekokram und französisches Gebäck zu kaufen.

lile dorleans shop

Gebäck Boulange

Gestärkt ging es weiter. Das gleiche Spiel, wie vorher: immer geradeaus fahren und dabei Ausschau halten. Die Hoffnung hatten wir schon aufgegeben, da sahen wir sie plötzlich: eine kleine Hütte am Straßenrand. Bremsen! Ranfahren und gucken. Tatsächlich hinter einem mit Ahornprodukten bestückten Tisch stand eine alte Dame – ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mein Glück kaum fassen könnend, hätte ich ihr am liebsten alles mit einem mal abgekauft. Gut, dass sich meine Vernunft doch noch einschaltete „Literweise bekomme ich den Ahorn wohl nicht heile bis nach Deutschland zurück. Oh Gott, wie klebt es da nur in meinem Koffer, wenn was kaputt geht? Wem wollte ich jetzt noch mal etwas mitbringen?…Ein, zwei…“ Ich entschied mich eine übersichtliche Menge an Ahornbutter und Ahornsirup zu greifen, versuchte mich mit der alten Dame auf französisch zu verständigen (Englisch funktioniert hier nicht) und ergatterte so doch noch (stolz wie Bolle) meinen original kanadischen Sirup. (whoop whoop)

Die Ahornmission war also erfüllt, blieben nur noch zwei meiner ersehnten Quebec-Highlights: Wale und Elche.

„Buckelwale, Blauwale und Belugas – Fans können in Québec in Walen schwelgen. Weil sich im St.-Lorenz-Strom extrem viel Krill und Plankton tummelt, kommen die riesigen Meeressäuger zum Speck-Anfuttern dicht an die Küste. Dicht genug, um sie mit bloßem Auge zu sehen.“ Spiegel Online

Wir hatten für Québec drei Tage eingeplant, wobei ein Tag davon für die Tour nach Tadoussac gedacht war, DEM Ort zum Whalewatching, denn hier gibt es neben Finnwalen, Buckelwalen, Blauwalen auch die noch selteneren Belugas. Wikipedia sagt über Tadoussac:

„einer der besten Walbeobachtungsplätze der Welt.“

Das klingt doch wirklich vielversprechend! Die Tour bis nach Tadoussac sollte ca. 3,5 Stunden dauern, perfekt um auf dem Weg auch mein viertes Quebec Highlight mitzunehmen.

Dachte ich in der Vergangenheit an Kanada, so dachte ich immer an unendliche Weiten, Wälder und ganz besonders an Elche. Vor allem wegen der typischen Elchwarnschilder, die man aus Filmen kennt. Ihre regelmäßige Präsenz an Kanadas Highways verspricht einem ja förmlich: „Achtung, gleich siehst du einen Elch, sei vorsichtig, denn sie rennen dir ständig vor das Auto.“ Also müssten wir doch auf der Fahrt nach Tadoussac unzählige von ihnen sehen.

Von dieser speziellen Hirschart, welche durch ihre Größe, ihren mächtigen Kopf und ihre besondere Geweihart auffällt, wollte ich auf jeden Fall ein schönes Andenken haben, deshalb lag meine Kamera stets griffbereit auf meinem Schoß. Ich starrte aufmerksam aus dem Fenster, suchte stundenlang den Straßenrand und den angrenzenden Wald ab. Doch auf der Fahrt nach Tadoussac war weit und breit kein Elch zu sehen. Nagut, es heisst ja immer, dass Elche die Dämmerung besonders lieben und in dieser Zeit am Wegesrand grasen. Die Rückfahrt würde mir also sicher noch ein Prachtexemplar vor die Linse bringen.

Um nach Tadoussac zu gelangen, muss man kurz vorm Ziel auf die Fähre. Zu unserer Überraschung war diese sogar kostenlos. Im Walort der Walorte angekommen, fanden wir ein ähnliches Bild, wie auf l’ile d’Orléans: nichts los. Kaum Menschen, kaum Autos, kaum Boote auf dem Wasser. Wir Glücklichen hatten mit dem Mai als Reisemonat eine Zeit erwischt, zu der sich die Touristenmassen noch nicht breit machten. Doch leider mussten wir feststellen, dass dies auch zur Folge hatte, dass gerade einmal täglich ein Boot zur Walbeobachtung fuhr und das hatten wir gerade verpasst. Verdammt. Warum steht sowas nicht im Internet? Da stand doch, das es unzählige tägliche Touren gäbe. Doch aufgeben war auch hier keine Option. Wir machten uns auf zum Beluga Forschungszentrum. Geschlossen. Egal, wir klingeln. Vielleicht ist ja jemand da. Tatsächlich, ein junger Mann öffnete die Tür und gab uns Hoffnung: es würde reichen eine Weile am Ufer entlang zu spazieren und aufmerksam zu sein. Denn hier wäre der Saint Laurent so schmal, dass man die Belugas auch vom Ufer aus sehen könnte. (Für andere Walarten, das wussten wir vorher, war es hier noch nicht an der Zeit)

Wir machten uns mit Ferngläsern auf und gingen immer direkt am Ufer entlang. Wir vermuteten hinter jeder kleinsten aufgeschäumten Welle einen Beluga. Alamierten uns immer wieder gegenseitig „Oh da, ich glaube…, ach doch nicht. Fehlalarm.“ Wir starrten wie verrückt aufs Wasser, wollten auf keinen Fall unsere Chance verpassen, doch alles was wir sahen war …

Robbe Tadoussac Quebec

eine Robbe. So weit weg, dass wir erst dachten es wäre eine Boje. Das war es. Das war alles. Eine einzige Robbe. Kein Beluga, nur eine Robbe. Ich brauche wohl nicht erläutern, wie unendlich enttäuscht ich war. Da reist man bis ans „Ende der Welt“ und sieht nur eine Robbe. Wenn ich nach dieser Erfahrung einen guten Tipp geben kann, dann ist es für Tadoussac wenigsten zwei Tage und diese nicht vor Ende Mai einzuplanen, so das man die Zeit und die Chance auf eine Bootstour hat. Denn wie großartig das Erlebnis hätte sein können, das kann ich mir aufgrund der vielen Youtubevideos anderer Besucher denken:

Gefrustet haben wir uns auf den Rückweg nach Quebec gemacht. Immerhin trat nun die Dämmerung ein, was mich hoffen lies, nun endlich Elche zu sehen. Wieder starrte ich aus dem Auto, suchte den Waldrand ab, was bei den Lichtverhältnissen und 100km/h sehr schnell müde machte. Nach einiger Zeit verließ mich auch hier die Hoffnung. Ich war sauer, enttäuscht, bockig und lies diesem Gefühl verbal freien Lauf. Mein Freund, von meinem Meckern entnervt, saget: „Dann musst du halt mal rausgucken.“ Obwohl ich das ja schon die ganze Zeit getan hatte, folgte ich meinem Reflex, schaute raus und wups… einen Bruchteil einer Sekunde sah ich sie, eine Elchkuh, am Straßenrand. So kurz, dass ich es nicht glauben konnte. Umdrehen und zurückschauen brachte keine Bestätigung, da es inzwischen sehr dunkel war und die Elchdame in dem Moment, als ich sie sah, dabei war in den Wald zu huschen. Wir haben dennoch für uns beschlossen: wir hatten einen Elch gesehen. Leider ohne Fotobeweis. Aber hey, unsere Kanadareise war ja noch lange nicht vorbei, sicher hätte ich noch viele Chancen auf mein perfektes Elchbild.

Was ich in meinem Reisebericht zu Quebec City bisher vollkommen vernachlässigt habe, ist das Kulinarische.

Was hat Quebec City diesbezüglich zu bieten? Nun, hier gibt es einen netten kleinen Eisladen und viele Restaurants. Schwierig blieb es auch in diesem Teil Kanadas ein Frühstückslokal zu finden, welches nicht nur French Toast oder Bratkartoffeln auf der Karte hatte. Fündig geworden sind wir im Cosmos, welches etwas außerhalb der Stadtmauer liegt. Das Frühstücksangebot war riesig und vor allem gab es hier auch mal Obst zum Frühstück (juchu!).

Wer ein paar Spezialitäten shoppen möchte, der sollte den Marché du Vieux-Port in Quebec City aufsuchen. Hier gibt es Ahornsirup (wer hätte es gedacht), frische Meeresfrüchte und Fisch, aber auch einen Bierfachhandel (Biere aus aller Welt) und viele andere Stände.

So vergingen unser drei Tage in Quebec City sehr schnell und schon hieß es wieder Koffer packen, unser süßes französisches Airbnb Appartement verlassen und auf nach Ottawa. Was dort unsere Highlights waren? Das kannst du im nächsten Reisebericht nachlesen.

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Die nächste Reise steht bald an und überlegst noch, welchen Rucksack du am besten kaufst oder welche Hygieneartikel wohl am wenigsten Platz wegnehmen? Lass dich doch auf meiner Equipment- & Toolseite inspirieren. Dort verrate ich dir auch, welche Kamera ich auf Reisen nutze. Und wenn du dann alles hast, hilft dir meine Packliste auch nichts zu vergessen.

  1. Peggy

    30. September 2016 at 15:23

    Hallo Nicole,
    sehr schöner Bericht und tolle Bilder. In Quebec City war ich 2014. Mir hat es dort super gut gefallen und beim Bummeln durch die Altstadt kam ich mir ein bisschen wie im Frankreichurlaub vor. Das Umland von Quebec haben wir leider nicht besucht. Wenn ich mir deine Bilder anschaue, scheint es sich aber sehr zu lohnen. 🙂 Vielleicht ergibt sich ja noch mal die Gelegenheit. Nachdem ich deinen Bericht gelesen habe, bekomme ich auf jeden Fall Lust noch mal dort hinzufahren und etwas länger dort zu bleiben. 🙂

    Viele Grüße
    Peggy

    1. cicoberlin

      2. Oktober 2016 at 17:54

      Hey Peggy,

      oh ja, das Umland ist auch wirklich super lohnenswert. Wie überall in Kanada ja eigentlich, lach. Dieses riesige waldige Land.
      Mir geht es wie dir, wenn ich mir die Bilder anschaue, will ich am liebsten direkt meine Taschen packen und wieder los. Und das gut ist ja, es wird bei der Größe immer was Neues zu entdecken geben, da kann man sicher sein:)
      Liebe Grüße
      Nicole

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