Reisen

Heimatliebe: Warum ich deutsche Supermärkte auf Reisen vermisse. 

250 Gramm verschimmelte Erdbeeren für umgerechnet neun Euro oder doch den abgelaufenen Käse? Urlaub kann so schön sein, nur nicht beim Einkaufen. Wenn der Eisbergsalat zehn Euro kostet, dann bist du vielleicht gerade in Grönland. Dann weint nicht nur das Portemonnaie, dann wächst auch wieder das Bewusstsein für das, was man daheim hat.

Ich liebe reisen. Eine andere Sprache, eine neue Kultur, coole Läden, atemberaubende Natur, andere Gepflogenheiten – das alles zu entdecken ist großartig. Genauso spannend finde ich es in ausländischen Supermärkten zu stöbern. Ob die riesige Auswahl an chinesischen Convienience Hot Pots oder das grönländische Moschusochsenfleisch. Die große belgische Bierauswahl oder die reizvolle schweizer Schokolade.

In jedem Land hat mich irgendetwas überrascht und neugierig gemacht.

Doch dann kommt der Moment, in dem ich mich wieder daran erinnere, dass ich nicht nur zum Umschauen hier bin, sondern mir auch noch was zum Essen kaufen muss. In Deutschland esse ich Joghurt mit frisch geschnippeltem Obstsalat zum Frühstück und gemischten Salat zum Mittag. Wenn ich was koche, dann meist fleischfrei. Brot? Ja, aber bitte Vollkorn. Ich bin auch noch etwas mäkelig. Mag keine weißen oder roten Bohnen, esse nicht besonders scharf und auch sonst gibt es noch ein paar Dinge auf meiner No-Go-Liste.

Entsprechend verzweifelt stand ich schon in manch einem Supermarkt auf Reisen. Auf den Azoren gab es nicht nur ausschließlich Weißbrot (damit rechne ich eh schon). Nein, es war auch noch durchweg süß. In China habe ich häufig einfach kein fleischfreies Gericht auf der Karte gefunden und auch die Supermärkte waren überschaubar ausgestattet. Selbst wenn ich glaubte etwas Passendes gefunden zu haben, sicher war ich nie, denn ich konnte ja die Sprache nicht lesen.

In Grönland gab es Gemüse entweder nur tiefgekühlt oder zu vollkommen überteuerten Preisen und gern auch schon angeschimmelt.

Auch die Milch war oft schon abgelaufen. So ist das eben, wenn alles aber auch wirklich alles importiert werden muss und das Land auch immer wieder monatelang durch das vereiste Meer vom Rest der Welt abgeschnitten ist. Wie sollen Erdbeeren die lange Anreise da auch unbeschadet überleben? In der Schweiz gibt es zwar die gleiche Auswahl wie bei uns, aber die Preise… puhh… da vergeht einem das Naschen.

Das sind die Momente, in denen ich es zugegeben muss: Ich vermisse Deutschland, ich vermisse meinen Alltag.

Ich vermisse es einkaufen zu gehen und alles zu finden, was mein Appetit begehrt. Und das zumeist auch noch zu fairen Preisen. Die Obstauslage ist umfangreich, die Produkte frisch und auch eine überwiegend vegetarische Ernährung ist kein Problem.

Du kannst dir also sicher denken, dass als ich nach drei Wochen aus Grönland zurück kam, der erste Einkauf ein einziger Glücksmoment für mich war. Hallo Obsttheke! Meine Augen leuchteten beim Anblick der vielen Früchte. Endlich wieder vernünftig frühstücken. Endlich wieder essen, was mir schmeckt. Endlich mal keine Experimente. Wie so etwas simples einen so glücklich machen kann.

Ja, ich liebe es zu reisen, aber meine Heimat ist auch großartig und es geht uns hier schon verdammt gut. Das wird mir auch gerade durch das Reisen immer wieder bewusst.

Na komm, gib’s zu, dir fehlt doch sicher auch irgendetwas, wenn du unterwegs bist. Was ist es? Was ist für dich daheim immer noch am besten? Hinterlasse einen Kommentar und erzähle es mir. 

Natürlich bestand Grönland nicht nur aus der merkwürdigen Supermarkterfahrung und die Schweiz lohnt sich, auch wenn die Preise Schock-Momente verursachen. Lass mich dir das in meinen Artikeln beweisen:

8 Kommentare

  1. Victoria von Nesting Nomads

    31. Januar 2017 at 6:16

    Also das kenne ich alles nur zu Gut. Ich bin mal richtig verzweifelt vor einem Neuseeländischen Toastbrot Regal gestanden und es gab zwar 40 Sorten, aber nicht eine Einzige die mit Mehrkorn oder so war. Alles war total labberig, geht ja gar nicht für mich Deutsche.
    Trotzdem habe ich mich mittlerweile recht gut hinsichtlich vermissen von heimischen Produkten entwickelt. Ich ess einfach soweit es geht die Einheimische Küche und versuche erst gar nicht etwas von zu Hause zu suchen. Fällt einem halt aber in Thailand auch recht leicht, weil alles so lecker ist. Was ich wirklich wiederkehrend vermisse ist trinkbares Leitungswasser und Druck auf den Duschen. Aber auch da bin ich nun recht leidensfähig, man gewöhnt sich ja an alles.
    Liebe Grüße
    Victoria

    1. Nicole von PASSENGER X

      31. Januar 2017 at 12:10

      Liebe Victoria,

      den Toastbrot-Schock-Moment verstehe ich total, wir Schwarzbrotesser:)
      Deine Taktik ist gut und ich glaube, Thailand würde es mir auch etwas leichter machen. Leckere Currys und das viele tolle Obst…mhhh lecker.
      Der Druck auf den Duschen, der kommt mir bekannt vor. Gefühlt begegnet mir dieses Problem (übrigens ja auch mit den WCs) in jedem dritten Urlaub, ach ja, man ist hier schon ganz schön verwöhnt:)

      Liebe Grüße ins Paradies nach Thailand
      Nicole

  2. Franzi

    27. Januar 2017 at 19:08

    JA JA JA! Stimme dir voll und ganz zu! Ist manchmal echt ein Krampf mit woander einkaufen, gerade als Vegetariern mit einem viel zu großen Herz und Vorliebe für frisches Obst und Gemüse!
    Haha nach 3 Wochen in dem ugandischen Dorf wo es IMMER nur 3 mal am Tag Kohlenhydrate bekommen habe, hab ich in der Hauptstadt Kampala fast geweint als ich mir Joghurt mit Mango machen konnte 😀
    Aber Grönland stelle ich mir Essenstechnisch echt gruselig vor 😀
    Ganz lieben Gruß

    1. Nicole von PASSENGER X

      31. Januar 2017 at 12:14

      Liebe Franzi,
      man weiß halt erst, was man hat, wenn… Wer hätte noch in Deutschland gedacht, dass man mal wegen Yoghurt und Mango den Tränen nahe sein könnte:)
      Da hilft es leider auch nicht, sich vorab darauf einzustellen. Mir war das mit Grönland ja schon vorher bewusst, zumindest hatte ich es geahnt. Aber wenn dann die dritte Woche anbricht und man immer noch gar kein frisches Obst hat, dann fängt man wirklich an von Omas Garten daheim zu träumen.

      Liebe Grüße
      Nicole

  3. Monika and Petar Fuchs

    25. Januar 2017 at 17:42

    Liebe Nicole,
    Supermärkte vermisse ich auf Reisen nicht gerade, aber bestimmte Produkte schon: Milka-Schokolade zum Beispiel, oder Kartoffelknödel. Vor Ort gehe ich oft in Märkten einkaufen, um ein wenig vom lokalen Leben mitzubekommen. Supermärkte stehen da eher selten auf unserem Programm. Einmal allerdings ließ ich mir das nicht entgehen: nämlich in Chinatown in Toronto. Der Laden sah schon von außen sehr interessant aus. Die Produkte, die wir drinnen vorfanden, waren dann erst recht sehenswert. Wenn ich allerdings mit dem meisten nicht gewusst hätte, was ich damit anfangen soll. So exotisch war das Warenangebot.
    Liebe Grüße,
    Monika

  4. Lisa

    25. Januar 2017 at 7:49

    Ich hatte in Norwegen so ein Aha-Moment, was die Preise anging. Da war nicht nur frische Ware sehr teuer – man will auf ne TK Pizza ausweichen: 10 Euro. Naja, nun gut. Wir in Deutschland sind nun eben verwöhnt. Meist vermisse ich mein eigenes Bett. Das hab ich ganz besonders lieb. Viele Betten sind mir zu hart/weich. Aber ich finde: das Reisen entschädigt immer!

  5. Michaela Gruber

    24. Januar 2017 at 15:54

    Oh ja, nachdem ich nun schon 1 Jahr und 4 Monate auf Reisen bin, vermisse ich schon so Einiges aus meiner Heimat Österreich
    – das Trinkwasser, das direkt aus der Leitung kommt
    – die Sauberkeit
    – Schweinsbraten
    – meinen Hund Tequila
    usw 😉
    glg aus Ecuador

  6. Anke

    24. Januar 2017 at 14:29

    Hey Nicole – mir geht es da ganz anders… Solange es Wasser gibt, bin ich in den Supermärkten ganz zufrieden. Aber in Grönland kann ich mir das schon sehr gut vorstellen mit dem teuren Gemüse – die können ja wirklich nichts selbst anbauen und müssen alles importieren… Da sind die Preise hoch und die Qualität mies. LG Anke

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