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Wie entspannt ist man nach fünf Tagen Retreat-Urlaub?

Wir leben in stressigen Zeiten. Verkürztes Abitur, Studium als Standardanforderung, die Fülle an Informationen, die ständig auf uns einprasselt, das Aufrechterhalten von Freundschaften und Beziehung, trotz vieler Kilometer Entfernung und und und – das Leben kann ganz schön anstrengend sein. Da kann man schon einmal das Bedürfnis nach Entspannung verspüren. Manchmal reicht ein einzelner Nachmittag auf der Couch aber nicht aus, um den Energiehaushalt wieder aufzutanken. Was tut man dann? Die Fitness- und Reiseindustrie hat da eine Lösung parat: Retreat-Urlaub.

Retreat, bedeutet nichts anderes als sich Zeit für einen Rückzug zu nehmen. Das gewohnte Umfeld zu verlassen und sich auf den Stressabbau zu konzentrieren. Da ist Yoga in Kombination mit einer Reise fast schon die logische Konsequenz. Doch wie wirkungsvoll ist so ein Retreat-Urlaub?

Ich habe es ausprobiert, und mir eine Woche an der Algarve in der Villa von KarmaSurfRetreat gegönnt und hier kommt nun mein Erfahrungsbericht.

Zunächst einmal spielt die Umgebung beim Entspannen eine große Rolle. Daher sollte sowohl die Unterkunft als auch die Region drum herum ansprechend, aber nicht zu belebt und stressig sein. Laute Straßen und Menschenmassen habe ich schließlich auch schon im betongrauen Berlin.

Die Unterbringung

Die Villa, in der ich untergekommen bin, hat fünf Zimmer, die je für zwei Personen ausgestattet sind. Die maximale Gruppengröße liegt also bei zehn Personen. Unsere Suite beinhaltete sowohl eine Fülle an Kleiderschränken und ein Doppelbett, als auch ein eigenes Badezimmer (Badewanne und Dusche) und direkten Zugang zum Pool.

Doppelbett in der Suite

Dieser war super gepflegt und mit ausreichend bequemen Sonnenliegen sowie schattenspendenden Schirmen ausgestattet, um einige entspannte Stunden zu verbringen. Klingt schon einmal ziemlich gut, oder?

Sitzecke auf der oberen Terasse

Oberere Terasse der Villa

Der Punkt Unterbringung bekommt von mir 5 Punkte.

 

Die Umgebung

Die Algarve ist eine wunderschöne Region. Vor allem ihre vielen Sandstrände geben einem das Gefühl im Paradies zu sein. Sommerwetter und Salzwasser tuen der Haut und dem Wohlbefinden zusätzlich gut. Sehenswürdigkeiten gibt es in dieser Ecke nur wenige, so bricht auch kein Sightseeing-Stress aus. Es reicht aber, um nach Lust und Laune auch mal etwas zu unternehmen. Beispielsweise einen Ausflug zum Leuchtturm von Cabo de São Vicente, am westlichsten Punkt Europas.

der westlichste Leuchtturm Europas

der Atlantik

Die Villa selber liegt am Ender der Straße auf einem Hügel, daher gibt es absolut gar keine Verkehrsgeräusche oder Passanten. Wer Nachts aufwacht und die „Großstadtstille“ gewohnt ist, der kann schon einmal erschrecken und an seinen Ohren zweifeln. Hier hört man nämlich rein gar nichts außer vielleicht noch das Rauschen der Palmen im Wind.

Großartig, um abzuschalten, 5 Punkte!

 

Das Programm

Entspannung bedeutet nicht unbedingt nichts zu tun. Es kann durchaus den Geist relaxen Sport zu treiben, zu meditieren, zu spazieren oder seine volle Konzentration einem Thema intensiv zu widmen, dabei aber alles andere auszublenden. Zu Hause gelingt es mir nur noch selten, nur eine Sache zu tun. Der Kopf rattert permanent, die To Do Liste ist ewig lang und die Zeit ist immer zu knapp. Daher war ich froh, einmal die Steuerung und sämtliche Entscheidungen abzugeben und mich dem vorgeben Ablauf einfach anzupassen. Auf dem Programm vom KarmaSurfRetreat stand zunächst eine morgendliche Yogasession (7.45 – 8.45 Uhr). Diese dient vor allem dem Wachwerden und Aufwärmen.

Yoga

Anschließend erwartet einen das Frühstück (dazu später mehr). Wach und gestärkt geht es auch schon ab an den Strand. Beim Surfen heißt es volle Konzentration, denn wer das Wellenreiten lernen will, der muss die Balance halten, ein Gefühl für das Meer entwickeln und vor allem immer weiter üben.

Surfen lernen

Surfergirl

Da haben die üblichen Gedanken über Arbeit und sonstigen Problemchen keinen Platz.

Wenn es gegen 13 Uhr wieder in die Villa geht und man den Sand aus den Kleidern geschüttelt und sich das Meeressalz aus dem Gesicht gewaschen hat, wartet bereits das Mittagessen. Der Magen ist gefüllt, die Glieder vom Surfen schwach, die perfekte Voraussetzung für einen ausgiebigen Nachmittagsschlaf oder ein paar entspannte Stunden am Pool, bevor um 17.00 Uhr der letzte Programmpunkt des Tage, eine weitere Yogastunde, ansteht. Der Abend kann ganz nach eigenen Wünschen gestaltet werden. Ob Essen gehen, faulenzen, selber kochen oder DVD’s schauen, ganz wie man Lust hat.

 

Die Ernährung

Der Körper braucht Energie, um zu leben und diese zieht er aus der Nahrung. Im Alltag vergisst man das oft und denkt nicht an die vielen wichtigen Vitamine, während man sich in einer kurzen Mittagspause einen ungesunden Snack reinhaut. Im KarmaSurfRetreat muss man sich keine Gedanken über die Ernährung machen, alles was auf den Tisch kommt ist schmackhaft, sättigend stets gesund und frisch. Das Frühstücksbuffet ist ein Traum. Neben einer großen Teeauswahl und Kaffee, warten auch noch zwei frischgemixte und täglich variierende Smoothies. Das Buffet ist mit Käse- und Wurstplatten, einem riesigen Obstsalat, Porridge, unzähligen nussigen Toppings, Rührei, Gemüseplatten und frischen Brötchen&Brot-Körben mehr als reichhaltig gedeckt. Um ehrlich zu sein, war es das beste Frühstück, welches ich jemals hatte!

Frühstücksbuffet

Das Mittagessen variierte täglich, vom asiatischen Curry bis hin zu Graupensalat, es war jedes Mal eine gelungene Überraschung.

Mittagessen: Nussiger Nudelsalat

Und als wäre das alles nicht genug, so gab es am Anreisetag ein Welcome Barbecue und am Mittwoch ein Fisch Barbecue. Keine Sorge liebe Veggies, hier wird auf JEDE Ernährungseinschränkung, Allergie und Unverträglichkeit Rücksicht genommen und immer ein Extra aufgetischt. Wer allerdings beim Retreat abnehmen möchte, dem wird es hier schwer gemacht zu verzichten.

 

Die Atmosphäre

Wenn man auf Menschen trifft, die das gleiche Ziel haben, dann passt es einfach. Klar jeder Mensch ist anders und man mag den einen immer mal mehr als den anderen, doch alles im allen muss ich sagen, war unsere zehnköpfige Gruppe super. Sabine und Jamie, Leiter der Vila Algarve im KarmaSurfRetreat, kamen täglich vorbei, um zu sehen, ob es allen gut geht und noch irgendwelche zusätzlichen Wünsche bestehen. So haben sich einige Massagen hinzugebucht oder auch mal Stehpaddeln gegen Surfen getauscht. Kein Wunsch blieb offen und um die Organisation musste man sich nie selbst kümmern.

Das Ergebnis

Ganz passend sagte es eine andere Teilnehmerin „das Entspannende ist: man musste eine Woche lang keine Entscheidung treffen oder sich um irgendetwas kümmern.“.

Mich hat das Programm gut davon abgehalten, über die Arbeit nachzudenken oder mir den Kopf zu zerbrechen. Die Mischung aus Anstrengung beim Surfen und der Konzentration auf die Atmung beim Yoga hat den Körper und Geist auf positive Weise herausgefordert. Das Essen war ein reines Gaumen-Verwöhnprogramm und das Wetter hat auch die Glückshormone aufgefüllt.

Das alles hat bei mir zu einem überraschenden Ergebnis geführt: als ich am letzten Tag in den Spiegel schaute, brauchte ich einen Moment, eh ich wusste, was sich verändert hatte, meine Stressfalte war weg. Üblicherweise kneife ich die Augenbrauen beim Grübeln zusammen, wodurch in den letzten Jahren eine Falte über der Nase entstanden war, von der ich dachte, dass sie mein dauerhafter Makel wäre. Doch wie sich rausstellte, reicht eine Woche Retreat, um die Grübelzone zu glätten. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Ergebnis Retreaturlaub

Nach dem Retreat ist vor dem …?

Was bringt mir ein Retreat-Urlaub, wenn der Stress danach einfach weiter geht? Nicht wirklich viel. Also habe ich mir überlegt, wie ich die neu gewonnene Energie möglichst in den Alltag übertragen kann. Es waren viele Faktoren, die zu meiner Entspannung beigetragen haben und diese lassen sich nicht alle so einfach in den Alltag kopieren. Doch ein paar Dinge habe ich mir konkret mit- und vorgenommen:

  1. ich werde Yoga wieder häufiger in meine Wochenpläne integrieren (und das habe ich auch direkt ein Wochenende später umgesetzt – check)
  2. ich werde noch mehr als vorher darauf achten, die Schultern nicht so anzuziehen und die Stirn nicht zu sehr zu runzeln
  3. Um es mit den Worten von Maria, einer unserer Yogalehrerinnen zu sagen „Smile! It makes everything easier.“ Also Herz öffnen, bewusst Atmen und lächeln, dann wird es auch mit dem Alltagsstress. Mit dieser Einstellung werde ich es jetzt einmal versuchen.

Und was sollte man für den Urlaub mitnehmen?

 Packliste:

Wenn ihr es jetzt nicht mehr abwarten könnt, euren eigenen Retreat Urlaub zu buchen, dann findet ihr durch googln sicher ein super Angebot für euch. Oder aber ihr bucht beim gleichen Anbieter, wie ich es getan habe: KarmaSurfRetreat. Die haben übrigens nicht nur eine Villa direkt an der Algarve, sondern auch noch eine in der Nähe von Lissabon. Solltet ihr noch keine oder nur wenig Yogaerfahrung haben, die Lehrer sind klasse und stellen sich ganz auf die Teilnehmer ein, kein Grund also sich zu scheuen. Natürlich gibt es auch noch viele andere Urlaubsangebote dieser Art, Google lotst euch den Weg.

 

KarmaSurfRetreat

  • eine Woche
  • Halpension
  • täglich zwei Yogasessions
  • täglich Surfunterricht
  • großes Begrüßungsbarbecue (auch vegetarisch)
  • für eine Person im Doppelzimmer 949€ (Hauptsaison)
  • Flug von Berlin nach Faro hin und zurück ca. 200 €

 

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Die Highlights in Lissabon

Azoren – 19 Highlights eines unvergesslichen Urlaubszieles

 

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Ressort Mark Brandenburg