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Panikattacke: Ich glaube ich habe Bettwanzen

Es ist November 2015 und ich bin bei einem großen Outdoorausstatter, um alles zu kaufen, was ich für mein bevorstehendes Sabbatical brauche. Ein Freund hatte mir geraten einen dünnen Baumwollschlafsack zu kaufen, weil manche Hostelbetten wohl eklig seien und es dann schön wäre, sich in einen solchen Schlafsack legen zu können. Der freundliche Verkäufer rät mir zu einem Exemplar mit Insektenschutz und meint „der hilft sogar gegen Bettwanzen“. Bettwanzen? Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Aber schaden kann es ja nicht. Der Baumwollschlafsack wird also gekauft.

Über zwei Jahre später reise ich immer noch mit diesem Schlafsack. Meist nutze ich ihn jedoch nicht, weil mir die Betten „ok“ erscheinen. Und trotz aller gehörten Horrorgeschichten, kann ich mich nicht beschweren. Ich scheine ein gutes Händchen bei der Auswahl von Unterkünften zu haben, bis jetzt.

Heute bin in Peru, in Arequipa. Ich sitze in einem Café, mache gerade eine Pause nach dem städtlichen Sightseeing. Mein rechtes Schienbein juckt, ich kratze. Da juckt auch mein linker Knöchel, ich kratze mich erneut. Blöde Mücken.

Mücken? Warte mal, ich habe doch schon seit Wochen keine Mücken mehr gesehen.

Ich krempel mein rechtes Hosenbein ein Stück hoch und da ist ein Stich mit einem roten Punkt, mhhh, wohl doch Mücken? Ich krempel auch das linke Hosenbein hoch und sehe einen weiteren Stich. Doch es juckt auch rechts und links davon und siehe da, da sind noch zwei solcher Stiche.

Genau in einer Linie. Ach du scheiße!

Ich hatte doch vor einer halben Ewigkeit mal was gelesen: „Wenn mehrere, meist drei, wie Mückenstiche aussehende Bisse in einer Linie liegen, ist dies ein gutes Anzeichen für Bettwanzen.“ Nein, das kann nicht sein. Scheiße, das ist echt das Letzte was ich brauche. Erst vor Abreise hatte mir eine Freundin von einer anderen Freundin erzählt, die sich in Asien Bettwanzen eingefangen und einen langen Kampf gegen diese geführt hatte. Sie tat mir leid. Ich dachte noch: „Das braucht echt keiner. Darauf kann ich verzichten.“

Und nun macht sich die Panik in mir breit.

Einatmen, ausatmen. Das wird schon nicht so schlimm sein und eine Lösung wird es auch geben. Also erstmal ins Wifi vom Café einloggen und recherchieren, erstmal schauen, ob ich mit meinem Verdacht richtigliege.

Wie erkennt man Bettwanzen und wie wird man die Biester wieder los?

Wie erkennt man Bettwanzen?

Meine Erinnerung täuscht mich nicht. Bettwanzen beißen und stechen nicht. Doch die körperliche Reaktion kommt der eines Mückenstiches sehr nahe. Und: ein markantes Zeichen sind mehrere Bisse in einer Linie. Wenn die Bettwanzen beim Blutzapfen gestört wird, versucht sie es eben noch einmal und dabei geht sie sehr geordnet vor. Ich schaue mein Bein an und bin mir erschreckend sicher: das waren Bettwanzen oder zumindest eine Bettwanze.

Ich lese weiter: Bettwanzen sind 1 bis 5 Millimeter groß, sind lichtscheu und verstecken sich tagsüber. Deshalb ist es auch gar nicht so einfach sie zu finden. Doch sie hinterlassen Spuren. Von kleinen Blutflecken, welche nach dem Biss auf dem Bettlaken entstehen können abgesehen, hinterlassen sie auch Kot. Kleine schwarze Krümel, die, wenn sie frisch sind, beim Drübergehen verschmieren. Außerdem solle man mal in Ritzen vom Bettgestell schauen oder gar mit warmen Atem hineinpusten, denn den mögen die kleinen Biester wohl nicht und so kämen sie auch schon einmal aus ihrem Versteck heraus.

Ich ekel mich, weiß gar nicht, ob ich die überhaupt sehen will.

Ich habe doch noch zwei weitere Nächte im Hostel. Doch wer sagt überhaupt, dass ich sie mir dort eingefangen habe. Die Bisse können auch erst nach Tagen sichtbar werden. Ich kann sie mir also auch in dieser winzigen Kammer von Hostel in Lima eingefangen haben, oder gar in dem schicken Boutique Hotel, welches ich mir für meine letzten zwei Tage in Lima gegönnt hatte. Da habe ich nämlich auch ohne den Schlafsack gepennt. War doch alles so unfassbar sauber und das Bett so gemütlich. Aber das ist den Bettwanzen egal und da sie auch mit den Reisenden in Kleidung und Rucksäcken mitreisen, können Hotels als solches auch nicht unbedingt was dafür, wenn sie sich bei ihnen einnisten.

Was tut man gegen Bettwanzen?

Doch wenn es das aktuelle Hostel ist, muss ich die Rezeption informieren und ein anderes Zimmer anfordern. Zum einen um mich selbst zu schützen, zum anderen um dem Hostel eine Chance zu geben dagegen vorzugehen. Ich gehe also zurück zur Unterkunft. Während des Tages war die Reinigungskraft da und hat aufgeräumt.

Ich hebe die Tagesdecke und erwarte Schlimmes.

Doch man hat die Bettwäsche gewechselt. Blutflecken oder Bettwanzenkot kann ich also nicht finden. Auch sonst sehe ich nichts Verdächtiges. Vielleicht habe ich die Bisse aus einer anderen Unterkunft? Vielleicht habe ich die Viecher mitgebracht? Meine Schlafklamotten trage ich immerhin schon mehrere Nächte. Mist. Meine Klamotten. Da könnten die Biester mitgereist sein. Mein ganzer Backpack könnte infiziert sein. Zumal ein schwangeres Bettwanzen Weibchen ja reicht. Denn Bettwanzen legen pro Tag 10 Eier. 10! Das muss man sich mal vorstellen. Die multiplizieren sich jeden Tag 10fach. In diesem Moment sehe ich es vor meinem inneren Auge schon in meinem Backpack krabbeln.

Was also tun?

Irgendwann hatte oder vielleicht habe ich auch noch Bettwanzen. Abwarten, ob mehr Bisse dazu kommen, wäre die einfachste Art, um heraus zu finden, ob das Problem noch existiert. Aber wer will denn sowas? Wenn ich die im Rucksack dabeihabe und der nächste Biss vielleicht erst in ein paar Tagen sichtbar wird, habe ich bis dahin ja schon eine ganze Armee von Bettwanzen im Rucksack. Also besser gleich handeln.

Würde ich jetzt einfach alle meine Sachen in Tüten verstauen und hoffen, dass die Blutsauger ohne mein Blut sterben, könnte ich lange warten.

Bettwanzen überleben bis zu ein Jahr ohne Blut.

Das ist also keine Option. Es hilft nur eines: Hitze. Und das heißt: die nächste Wäscherei finden und sämtliche Kleidung, wirklich alles, bei 60 Grad waschen lassen und danach ab in den Trockner damit. Ich suche mir also noch eben das spanische Wort für „Trockner“ raus und mache mich mit allen Klamotten auf den Weg. Allen bis auf die, welche ich anhabe. Gerade erst vor zwei Tagen hatte ich mir eine leichte Stoffhose gekauft. Die und ein bisher ungetragenes Oberteil habe ich nun an, in der Hoffnung, dass diese Teile nicht befallen sind.

Da es schon Nachmittag ist, kann ich meine Klamotten erst am nächsten Tag abholen.

Wie erkennt man Bettwanzen und wie wird man die Biester wieder los?

Und dann geht das Bangen los

Bevor ich zu Bett gehe, läuft mir ein Ekelschauer den Rücken runter. Vorsichtshalber sprühe ich meinen ganzen Körper mit Nobite* ein, auch wenn es nicht explizit gegen Bettwanzen wirkt, so nehme ich doch lieber einen Insektenschutz, als gar nichts. Auch meinen Schlafsack sprühe ich großzügig damit ein und meinen Backpack auch. Den müsste ich eigentlich auch in den Trockner schmeißen, nur glaube ich, dass das Material das nicht übersteht. Also gehe ich das Risiko erstmal ein. Dafür tränke ich ihn geradezu in dem Anti-Insekten-Spray und hoffe auf’s Beste. So werde ich diese Nacht eingehüllt im Baumwollschlafsack, kaum ein Auge zu machen.

Am nächsten Morgen inspiziere ich meinen Körper.

Beliebt sind wohl vor allem die für üblich von Kleidung unbedeckten Körperstellen, wie Füße, Knöchel, Nacken und Arme. Ich kann keine neuen Bisse finden – Gott sei Dank. Auch im Bett sind keine verdächtigen Spuren zu sehen. Gegen Mittag hole ich meine Sachen von der Wäscherei ab.

Wie erkennt man Bettwanzen und wie wird man die Biester wieder los?

Eine weitere Nacht ohne neue Bisse vergeht und dann heißt es weiterreisen.

In meinem Zimmer in Cusco angekommen inspiziere ich zuerst das Bett. Man lernt ja dazu. Doch es scheint alles ok. Und so vergeht eine weitere Woche, ohne neue Bisse und ohne weitere mögliche Spuren zu finden. Ich  beginne zu glauben, dass ich entweder Glück hatte und die Bettwanzen mich in Lima gebissen und selbst dort geblieben sind oder ich so frühzeitig reagiert habe, dass sie in der Wäscherei ihr Leben gelassen haben.

Was auch immer es war, ich bin froh, sie los zu sein und brauche sie auch ganz sicher nicht wieder.

Das hat bei mir gegen Bettwanzen geholfen:

 

Hattest du schon einmal Bettwanzen? Und wenn ja, wie bist du sie losgeworden?

Panikattacke - du glaubst du hast Bettwanzen? PASSENGER X verrät dir wie du sie erkennst und die Biester wieder loswirst.

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6 Kommentare

  1. Thomas E

    13. Februar 2018 at 21:15

    Ich hatte auch schon das Vergnügen – Bett sofort rausgeschmissen, Kammerjäger geholt (zum Glück nichts weiter gefunden!) und ein neues Bett gekauft!

    Seitdem bin ich auf Reisen Bed Bug-paranoid. Meine Tasche kommt nie aufs oder neben das Bett und beim Auspacken zu Hause achte ich peinlich genau darauf, dass die Tasche nicht in die Nähe bevorzugter Lebensräume kommt.

    Schön aufpassen! LG Thomas

    1. Nicole von PASSENGER X

      13. Februar 2018 at 21:29

      Ich hätte früher ja alle für irre erklärt, die da so penibel sind, aber nach dieser Erfahrung kann ich das gut verstehen. Erstmal das Bett infizieren, wenn man ins Zimmer kommt, getragene Klamotten kommen mir jetzt immer schön in ne Plastiktüte bis zum nächsten Waschgang und gegen 60 Grad Wäsche habe ich jetzt auch nichts mehr, da nehme ich auch mal ein eingelaufenes T-Shirt in Kauf, lach.
      LG Nicole

  2. Kathi

    13. Februar 2018 at 18:39

    Uuuuuuh, gut dass du die Biester so schnell wieder losgeworden bist! Zum Glück ist mir sowas noch nie passiert!! Aber falls doch, dann bin ich jetzt auf jeden Fall gewarnt 😉
    Liebe Grüße,
    Kathi

    1. Nicole von PASSENGER X

      13. Februar 2018 at 21:27

      Ich hoffe, dass dir das erspart bleibt. Meine Daumen sind gedrückt;)

  3. Zypresse

    13. Februar 2018 at 14:38

    Oh ja – vor Jahren (nö… Jahrzehnten) in der Holzklasse der Eisenbahn in Sri Lanka. Durch eine Jeans hindurch in die Rückseite der Oberschenkel gebissen… das war ein echtes Drama, so sehr hat es gejuckt. Und ein weiteres Mal vor fünf Jahren in einem Drei-Sterne-Haus in Bad Wiessee am Tegernsee. Da konnte man es schon im Zimmer riechen (ja, bei heftigem Befall riecht der ganze Raum süßlich – und wir dachten, das sei das Reinigungsmittel). Dort habe ich sie nachts sogar gesehen, sie lebten im Bett – das fand ich extrem ekelig und auch dabei: heftige allergische Reaktion mit dicken roten Pusteln und elendem Juckreiz. Beide Male war das Gepäck zum Glück nicht betroffen (mein Horror wäre gewesen: ich hätte sie zu Hause eingeschleppt…) und mich selbst habe ich mit Anti-Histamin-Salbe behandelt.

    1. Nicole von PASSENGER X

      13. Februar 2018 at 14:42

      Oh man, direkt zweimal, du Ärmste.
      Aber wie gut, dass „nur“ der Körper betroffen war, das reicht ja auch echt. Dieses Jucken hat man echt ewig, bei mir hat das auch Wochen gehalten. Ich drücke dir Daumen, dass in diesem Falle nicht alle guten Dinge drei sind;)
      Liebe Grüße
      Nicole

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