Berlin, Björn Leffler

Ein Rückblick auf Konzerte der letzten Jahre – live and alive in Berlin! (Teil 2)

von Björn Leffler

Bereits vor einigen Tagen gab es den Teil 1 meiner Konzert-Review der Live-Auftritte, die ich in den vergangenen Jahren in der Hauptstadt gesehen habe, nun folgt der zweite Teil. And here we go:

La rouxMusiker/Band: LA ROUX
wo gesehen: Astra
wann: 2014

LA ROUX, eine junge Britin mit begnadeter Stimme, zelebriert einen Synthie-Electro-Sound, der ein wenig an Eurythmics oder The Human League erinnert, mit einem Schuss Robyn. Im Astra, dieser schwitzig-heißen Halle auf dem Friedrichshainer RAW-Gelände, legte sie im Dezember 2014 eine begeisternde Show hin, die von den Zuschauern geradezu aufgefressen wurde. Die größte Ekstase gab es natürlich bei ihrem Mega-Hit „Bulletproof“, der sie 2009 schlagartig weltberühmt machte. Aber auch die Hits ihres aktuellen Albums „Trouble in Paradise“ brachten das Astra zum Kochen.
Das Astra, mit dem Charme einer Ost-Berliner Turnhalle, bringt gefühlt so ziemlich jede Band in Wallung. Allein die schiere Nähe zu den Fans – 2.000 Leute passen in die Halle mit reinen Stehplätzen hinein – machen die Konzerte zu intensiven Erlebnissen. Und anschließend ist der Simon-Dach-Kiez nicht fern, um den Abend entspannt ausklingen zu lassen oder genauso ekstatisch weiterzuführen.
LA ROUX ist live auf jeden Fall zu empfehlen, und das Astra – welches hier noch häufiger auftauchen wird – ist eine grandiose Konzert-Venue, die mir bereits einige großartige Konzerterlebnisse beschert hat.

innocenceMusiker/Band: U2
wo gesehen: Mercedes-Benz-Arena
wann: 2015

Im Olympiastadion hatte ich die Iren bei ihrer letzten Tour verpasst, aber dieses Mal hatte ich Glück und konnte die vier Dubliner in der Mercedes-Benz-Arena bestaunen. Eine gute, fast zweieinhalbstündige Show, die leider etwas zu häufig von Bono’s etwas zu moralisch gefärbten Weltverbesserungsansagen unterbrochen wurde, was an einigen Stellen der Show den Fluss herausnahm. Vielleicht war das aber auch beabsichtigt. Die Jungs haben auf jeden Fall gezeigt, dass sie nicht umsonst zu den ganz, ganz Großen im Geschäft gehören und rocken können. Ein wenig blutleer wirkten sie mitunter aber schon. Die wirklich spektakuläre Video-Show lenkt eigentlich viel zu sehr davon ab, dass Bono noch immer eine solide Stimme vorweisen kann und The Edge noch immer ein begnadeter Gitarrist ist. Und die neue, goldblonde Tolle von Bono ist tatsächlich gewöhnungsbedürftig.
U2 kann man machen – muss man aber nicht, man sollte die irischen Rocker schon wirklich mögen. Die Mercedes-Benz-Arena ist für Bands dieses Formats genau richtig, ansonsten eher überdimensioniert. Es gelingt nicht jedem Künstler, eine solche Arena in ein Tollhaus zu verwandeln. U2 haben das ganz gut hinbekommen.

RobynMusiker/Band: ROBYN
wo gesehen: Columbiahalle
wann: 2012

ROBYN, die schwedische Popsängerin und Songwriterin aus Stockholm, wurde hierzulande insbesondere ab 2009 durch ihren Album-Zyklus „Body-Talk“ bekannt, der Musik aus dem Genre Electro-Dance enthält. Und Robyn ist eine der populärsten und talentiertesten Künstlerin dieses Genres. In der mit 3.000 Zuschauern ausverkauften Columbiahalle sah ich eine Show, wie ich sie selten erlebt habe. Mindestens die Hälfte der Zuschauer waren kurzhaarige, blondierte junge Frauen, ganz der ROBYN-Style eben. Aber auch schwule Pärchen und sonstige Besucher aller Couleur brachten die Halle zum beben. Die rund zweistündige Show war eine reine Tanz-Veranstaltung, die die Leute bis in die letzten Reihen des Oberrings singen und springen ließ.
Die Columbiahalle ist dafür natürlich die perfekte Konzerthalle, eine der beliebtesten Berliner Konzert-Venues überhaupt, verständlicherweise. Eine reine Stehplatz-Halle, die mit ihren bis an die Bühne heranreichenden Oberring-Ränge eine einzigartige Atmosphäre schafft, was auch im November 2012 der Fall war. Ein Wunder, dass nicht das Hallendach weggeflogen ist. Sollte sich ROBYN einmal wieder die Ehre geben – leider hält sie sich in den letzten Jahren mit halbherzigen Co-Projekten auf – Ihr solltet sie Euch ansehen. Sie knallt wirklich.

foo fighters
Musiker/Band: FOO FIGHTERS
wo gesehen: Wuhlheide
wann: 2008

Ex-Nirvana-Schlagzeuger Dave Grohl prahlte in der ersten Dreiviertelstunde dieses ausverkauften Konzerts in der Köpenicker Wuhlheide damit, „that we’re gonna play really, really long!“ Es wurden dann immerhin zweieinhalb Stunden, was nicht zu verachten ist. Die Show, mit der sie ihr Album „Echoes, Silence, Patience & Grace“ promoteten, gehörte zu den besseren, die ich gesehen habe, ohne dass sie mich wirklich aus den Socken schoss. Eine solide Rockshow in einer Open-Air-Arena, die wie geschaffen für große Rock-Abende ist, da das Publikum auf den Tribünen immer flexibel zwischen Sitzen und Stehen hin- und herwechseln kann. An diesem Abend standen die Leute nicht nur in der Wuhlheide, sondern später auch eng gedrängt in der S-Bahn, wo sich der ein oder andere Foo-Fighters-Fan über die Köpfe hinweg durch die Wagons tragen ließ, was einen noch euphorisierten Mitfahrer hinter mir zum Ausruf „Reich rüber dit Teil!“ verleitete.
Die FOO FIGHTERS sind nicht ganz so spektakulär, wie sie sich selbst fühlen, aber durchaus ein Live-Act, den man auf der Liste haben kann.

band of horsesMusiker/Band: BAND OF HORSES
wo gesehen: Astra
wann: 2011, 2013

BAND OF HORSES, in angelsächsischen Gefilden hauptsächlich durch ihre Singles „The Funeral“ und „Is there a Ghost“ bekannt, habe ich erstmalig 2011 im gemütlichen „Astra“ gesehen. Den Alben der US-amerikanischen Indie-Rock-/Dream-Pop-Band folgend erwartete ich eine zwar gitarrenlastige, aber melodisch-entspannte Show – und wurde komplett überrascht. Die Jungs aus Seattle rockten diese Bühne wirklich, bis sie schweißgebadet und triefend nass waren, genau wie das Publikum selbst, welches eng gedrängt fast jeden ihrer Songs lautstark mitsang, ein Gänsehaut-Erlebnis. Wohl eines meiner besten Konzerte hier in Berlin. Zwei Jahre später gastierte BAND OF HORSES im deutlich mondäneren Admiralspalast in der Friedrichstraße, was wohl schöne Bilder fürs Tour-Tagebuch produzierte, allerdings keine vergleichbar gute Show ergab. Alles war etwas zurückgenommener, etwas ruhiger als an jenem unfassbaren Abend im Februar 2011, was sicher auch an der weitläufigeren Location lag, die für ein Rock-Konzert mit unbestuhltem Innenraum nicht so ganz geeignet scheint.
BAND OF HORSES aber scheinen selbst für beides gut zu sein – schwitzige Rocknacht und melodische Mitschunkelmusik – da muss man sich wohl einfach überraschen lassen. Die Stimme von Sänger Ben Bridwell ist so oder so wirklich einen Konzertbesuch wert.

Von welcher Band darf man eurer Meinung nach niemals ein Konzert verpassen? Und welche ist eure Lieblings-Konzert-Location Berlins?

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