Berlin, Björn Leffler

Ein Rückblick auf Konzerte der letzten Jahre – live and alive in Berlin! (Teil 1)

von Björn Leffler

Der Berliner Konzertkalender bietet jedes Jahr eine unübersichtliche Fülle von Terminen. Vom Mega-Event im Olympiastadion bis zum inoffiziellen Hinterhof-Konzert in Kreuzberg – in Berlin ist für jeden Geschmack etwas dabei. Aber welche Band ein echter Live-Kracher ist, und ob sich der mitunter fürstliche Konzertkartenpreis lohnt, das weiß man vorher natürlich nicht.
Hier findet Ihr zumindest eine kleine Orientierung: Eine kurze Konzert-Review der Live-Auftritte, die ich in den vergangenen Jahren in der Hauptstadt gesehen habe. Und als kleinen Zusatz gibt es noch eine kleine Venue-Bewertung gratis dazu!

Also… Let it Rock!

the National
Musiker/Band: THE NATIONAL
wo gesehen: Max-Schmeling-Halle
wann: 2013

THE NATIONAL, die von Matt Berninger kongenial dirigierte Indie-Rock-Band aus den U.S.A., die wie eine moderne Mischung aus Nick Cave and the Bad Seeds und Leonard Cohen daherkommt, hatte in Berlin bisher eher in kleineren, intimeren Locations wie dem „Astra“ gespielt, wo ich sie inhaltlich auch eher verortet hätte.
Dass sie eine Halle wie die Schmeling füllen würden, hätte ich niemals gedacht – taten sie aber! Vor 9.000 Zuschauern präsentierten sie ihr „Trouble Will Find Me“-Album und glänzten dabei mit einer Mischung aus virtuosem Video-Background, extravaganter Bühnenshow (Matt Berninger vernichtete gleich mehrere Rotweingläser und zerstörte mindestens ein Mikrofon) und der Nähe zu den Fans. Der mittlerweile schon legendenhafte Marsch Berningers durch die Menge fand auch in der Schmeling-Halle statt. The National können definitiv auch die größeren Venues, dafür ist Matt Berningers Barriton-Stimme stark genug.

Und die Schmeling-Halle ist trotz ihrer Größe immer noch eng genug, um gute Stimmung aufkommen zu lassen. Ein Innenraum-Ticket wäre einer Oberring-Karte aber auf jeden Fall vorzuziehen.
THE NATIONAL ist ein Must-See. Die Shows dürften gern noch länger sein, denn die Band ist einfach nur stark, stark, stark.

 Johnossi

Musiker/Band: JOHNOSSI
wo gesehen: Huxley’s Neue Welt
wann: 2013

JOHNOSSI ist eine Zwei-Mann-Indie-Alternative-Rock-Formation aus Stockholm (John & Ossi), die mit ihren rhythmischen, gitarrenlastigen Alben ein wenig an die frühen Mando Diao erinnern, letztlich aber etwas hinter deren Popularität zurückbleiben. In Berlin allerdings erfreuen sich die beiden größter Beliebtheit, was sich im ausverkauften Konzert im Neuköllner Huxley’s deutlich zeigte. Die beiden brannten auf der Bühne ein wahres Feuerwerk ab und ließen dabei wenige Hits ihrer bis dato fünf Alben aus. JOHNOSSI machen live einfach nur Spaß! Bisweilen klingen die Songs etwas austauschbar, auf der Bühne kommen die zwei Schweden aber gewaltig ins Rollen.

Das Huxley’s, ein aus reinen Stehplätzen bestehender, riesiger Ballsaal mit einigen höhergelegenen Ebenen und im Saal untergebrachten Getränkebars ist eine atmosphärische, gemütliche Konzert-Location.DigitalismMusiker/Band: DIGITALISM
wo gesehen: Astra
wann: 2011

Die beiden Hamburger Jens Moelle und İsmail Tüfekçi machen seit mittlerweile fünfzehn Jahren gemeinsam Musik und dabei insbesondere seit ihrem „I Love You, Dude“-Album 2011 auch Furore. Während sie bis dahin überwiegend auf Festivals gespielt hatten, waren sie vor vier Jahren mit einer vollkommen eigenständigen Tour unterwegs, um ihr Electro-House-Set zu präsentieren. Ich hatte an diesem Abend im wieder einmal ausverkauften Astra meinen Spaß, wenn es auch eher den Charakter eines Clubbesuchs hatte, was wohl aber auch am Musik-Genre liegt. Die Hamburger ließen keinen ihrer Hits aus und spielten einen soliden Gig, allerdings ohne große Überraschungen. Für Liebhaber von Electro und House eine sichere Bank!

Gaslight AnthemMusiker/Band: THE GASLIGHT ANTHEM
wo gesehen: Astra, Columbiahalle, Postbahnhof
wann: 2011, 2012, 2013, 2015 – ja, ich mag die wirklich

Dass aus dem US-amerikanischen Bundesstaat New Jersey mehr gekommen ist als Bruce Springsteen und Bon Jovi wissen wir spätestens seit dem ersten, fulminanten Album-Debüt der im Punkrock-Milieu anzusiedelnden Band THE GASLIGHT ANTHEM, angeführt von ihrem charismatischen Bandleader Brian Fallon. Mit „The 59 Sound“ gelang ihnen ein kommerziell großer Erfolg, dessen unbändige Energie sie auch auf die Bühne übertragen konnten. Und das trifft auf alle Shows zu, bei denen ich die Jungs gesehen habe. Sei es im Astra, in der größeren Columbiahalle oder letztmals im wieder sehr engen Postbahnhof – GASLIGHT schafften es immer mühelos, die Ohren zum klingeln zu bringen. Da auch die Folgealben der Band, „American Slang“ und „Handwritten“, das Niveau des Erstlingswerkes halten konnten, erfreuten sich die vier Musiker auch in den folgenden Jahren enormer Beliebtheit und sind als Live-Act eine echte Empfehlung. Mitunter wirken ihre Songs etwas austauschbar, was an der musikalisch eng gefassten Linie hängt. Aber Songs wie „Handwritten“, „Backseats“ oder „The 59 Sound“ sind hymnische Meisterwerke, die jede Halle erbeben lassen.
Leider hat die Band aktuell eine Pause eingelegt, auf unbestimmte Zeit, nach zwei eher mäßigen Alben in 2014 und 2015. Brian Fallon arbeitet derzeit aber schon wieder an einem Solo-Album, auch ein spannendes Projekt. Sollte er mal wieder in der von ihm geliebten deutschen Hauptstadt vorbeischauen, solltet ihr euch seine Reibeisen-Stimme nicht entgehen lassen!
Rainald Grebe
Musiker/Band: RAINALD GREBE
wo gesehen: 04
wann: 2010, 2012, 2013

RAINALD GREBE, der überwiegenden Mehrheit hauptsächlich bekannt durch sein Lied „Brandenburg“, der als Liedermacher, Kabarettist und zuletzt sogar als Theaterregisseur tätig war und ist, gehört meiner Meinung nach zu den bedeutendsten Vertretern des deutschen Kabarett- und Liedermacher-Marktes. Grebe ist ein Verrückter, im positiven Sinne. Egal, ob er mit seiner Hausband, der KAPPELLE DER VERSÖHNUNG, auftritt, oder solo am Piano (zuletzt mit dem großartigen „Rainald Grebe Konzert“) – der gebürtige Rheinländer liefert nicht nur im Studio, sondern auch live eine großartige Show ab. Die skurril-bissigen Texte, die witzigen Arrangements, das musikalisch breite Spektrum führen oft dazu, dass seine zynischen Verse gemeinsam mit eingehenden Melodien zu großartigen Songs mutieren. RAINALD GREBE ist gesegnet mit einer fulminanten Stimme, die er gewinnbringend einsetzt. Für sein Geld bekommt man bei RAINALD GREBE immer eine Menge geboten, seine Shows gehen nicht selten 2 Stunden 45 Minuten oder sogar länger. Zur Zugabe gönnt er sich normalerweise eine Zigarette und ein Glas Rotwein (oder auch ein Glas mehr), um dann nochmal richtig loszulegen. Eine absolute Empfehlung, mit „Raini“ kann man wirklich nichts falschmachen!

concerts bruce springsteenMusiker/Band: BRUCE SPRINGSTEEN
wo gesehen: Olympiastadion, Velodrom, Wuhlheide, ICC
wann: 1999, 2002, 2005, 2012

Bruce Springsteen gehört zu den wenigen Künstlern, die mühelos den Spagat zwischen einer intimen Ein-Mann-Show vor 5.000 Zuschauern im Saal 1 des ICC und einer Mammut-Rockshow vor 65.000 Zuschauern im Olympiastadion hinbekommen. Das Multitalent aus New Jersey, das neben seiner Fender Telecaster auch formidabel das Piano beherrscht, habe ich in Berlin viermal live gesehen, zuletzt während seiner „Wrecking Ball“-Tour 2012 im Olympiastadion. Eine anspruchsvolle, weitläufige Location, welche man nur mit Stimmung füllen kann, wenn man über eine gigantische Bühnenshow und atemberaubende Video- und Pyroeffekte verfügt – oder über eine beeindruckende Bühnenpräsenz. Da es bei Bruce Springsteen kaum eine erwähnenswerte Bühnenshow gibt, muss er das über Charisma und Persönlichkeit schaffen, was ihm immer wieder gelingt. Den Abend in Berlin startete er mit einer folkigen Cover-Version von „When I leave Berlin“, die ursprünglich von Wizz Jones stammt. Denn Berlin ist für Bruce Springsteen seit seinem Rekord-Konzert in Ost-Berlin 1988 (vor geschätzten 300.000 Fans) eine ganz besondere Spielstätte. Der mittlerweile 66-Jährige legt in seine Live-Shows alles hinein, was er geben kann und endet stets schweißdurchtränkt und körperlich völlig verausgabt auf dem Boden der Bühne liegend. Im Olympiastadion spielte er etwas über drei Stunden, ohne ein einziges Mal die Bühne zu verlassen. Damit gehörte der Auftritt auf dieser Tour sogar noch eher zu den kürzeren Shows, es können dann auch mal 3 Stunden 45 Minuten werden, oder vier Stunden, wie in Helsinki wenige Wochen später. Für Liebhaber großer Rock-Shows ist BRUCE SPRINGSTEEN ein Must-See, der jeden Euro, den man für die Konzertkarte bezahlt hat, schweißtreibend zurückzahlt.

Von welcher Band darf man eurer Meinung nach niemals ein Konzert verpassen? Und welche ist eure Lieblings-Konzert-Location Berlins?

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